Kirchtürme als Sendemasten begehrt

Debatte um Kirche und Kommerz

".... Deutschlandweit hat die Mobilfunkbranche seit Jahren Kirchtürme als Sendestationen im Visier und damit eine Debatte darüber ausgelöst, ob Kirchen und Kommerz vereinbar sind. Im Grundsatz in solchen Fällen ja, meinten die evangelischen und katholischen Kirchenverantwortlichen.

"Wir haben eine Grundstückskommission mit Vertretern beider Konfessionen gebildet, die modellhafte Rahmenverträge erarbeitet hat, sagt Hinrich Butenschön, der bei der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) in Hannover für solche Verträge zuständig ist. Diese sollen Grundlage für die jeweiligen Kirchengemeinden sein, die aber selbst entscheiden müssen. "Die Zeit, als es in Deutschland Bedenken wegen der Strahlung beim Mobilfunk gab, ist lange vorbei, meint Butenschön .... In den vergangenen Jahren schien sich die Waage zwischen Befürwortern und Gegnern der "neuen Kirchendrähte" deutlich zu Gunsten der Handy-Phalanx zu neigen. "Bis zu 10000 Mark im Jahr sind kein Pappenstiel bei dem Erhaltungszustand unserer meist denkmalgeschützten Gebäude", sagt Karl-Heinz Schwarz, Leiter der Bauabteilung bei der mecklenburgischen Landeskirche in Schwerin.

Insgesamt etwa 40 Kirchen zwischen Rostock und Fürstenberg/Havel sind inzwischen mit Mobilfunkantennen bestückt, ähnlich viele sind es in Schleswig-Holstein und Harnburg. Im nordrhein-westfälischen Bistum Münster sind die Anlagen bereits in einem Viertel der 900 Kirchen installiert, manche Gemeinden betreiben sogar zwei bis drei. Bundesweit - so schätzen Experten - kommen noch viele der mehr als 40 000 Gotteshäuser als Sendestation in Betracht..." Winfried Wagner, RZ 23.10.2000

Kirche lehnt Antennen für UMTS ab

Bayerns Katholiken sehen Gesundheit in Gefahr

Die Betreiber von UMTS-Mobilfunknetzen müssen bei der Suche nach Antennen-Standorten in Bayern auf kirchlichen Beistand verzichten: Auf den katholischen Gotteshäusern im Freistaat dürfen keine Antennen für den Mobilfunk der neuen Generation angebracht werden.

Evangelische Kirche auch besorgt

Eine Sprecherin des Münchner Kardinals Friedrich Wetter begründete dies am Mittwoch mit dem Schutz der Gesundheit der Bürger. Solange nicht endgültig nachgewiesen sei, dass die Antennen nicht gesundheitsschädlich sind, sollten an den in der Regel mitten in Wohngebieten stehenden Kirchtürmen keine Antennen angebracht werden. Außerdem würden die Hightech-Geräte gar nicht auf die "Zwiebeltürmchen" der Gotteshäuser passen. Auch bei den herkömmlichen Mobilfunknetzen lehnt die katholische Kirche im Freistaat die Installation von Antennen ab.

Nach Angaben des Wirtschaftsmagazins "Focus-Money" bieten die Betreiber den Kirchen für die Antennen-Standorte eine Jahresmiete um die 50 000 Mark (26 000 Euro).

Auch von Seiten der evangelischen Kirche in Bayern drohe zudem Widerstand. Diese wolle künftig nur noch Verträge mit einem besonderen Kündigungsrecht abschließen. Dieses solle greifen, falls ein vereidigter Sachverständiger Gesundheitsbeeinträchtigungen durch die Anlagen für wahrscheinlich halte. (AFP) 18.4.2001

Positionen:

" Es steht außer Zweifel, daß solche Felder Wirkungen auf den Menschen ausüben", sagte Rainer Müller (BUND) am Mittwoch, den 2.4.2001 bei einer Anhörung der Bundesärztekammer. Er gab zu, daß die Bewertung möglicher Risiken durch Elektrosmog noch sehr schwierig sei. SZ. 6.4.2001

Das Amtsgericht München hielt eine Kürzung der Mietzahlung für zulässig, nachdem der Hausbesitzer eine Mobilfunkantenne auf dem Dach errichten ließ (AZ: 432 C 7381/95)

Der Physiker Eike G.Hensch (Biophysikalisches Forschungsinstitut Nienburg) befürchtet nachhaltige Störungen im natürlichen Gefüge von Sandstein und Granit durch die technisch erzeugten Schwingungen, in: KuL, 25.6.2000

Umweltexperten monieren, dass bisher vorwiegend "thermische" Folgen des Handy-Telefonierens untersucht wurden ... In Tierversuchen wurde festgestellt, daß Tiere nach intensiver Bestrahlung Schutzeiweiße produzieren. Handy-Kritiker sehen darin den Hinweis, daß Funkwellen die ´Blut-Hirn-Schranke´ öffnen. FR 5.10.2000