Nachrichten aus der Zukunft

Bistum Trier wird Aktiengesellschaft 
Heiliger Rock rettet die Finanzen des Bischofs
 45 bis 75 Euro für die Nachbildung des Gewandes Jesu / Politiker jubeln

Das Bistum Trier will sich besser vermarkten und wird in eine Aktiengesellschaft umgewandelt. Der Börsengang findet bis Mitte September (2005)  statt. Nach Meinung führender Wirtschaftswissenschaftler wird die fromme Aktie den Dax problemlos stürmen. "Hintergrund für die Offensive ist der dramatische Rückgang der Kirchensteuer, und wir mussten nach einer katholischen Lösung des Finanzproblems suchen", so der Prälat für Finanzen, Monetus Zastermann in einer Pressekonferenz.

Der künftige Aufsichtsratsvorsitzende Bischof Reinhard Marx beabsichtigt mit dem heiligen Rock Millionengewinne zu machen.

 

Eine Replik des Gewandes in den Größen S bis XXL, natürlich kochfest, wird bereits im Internetshop der Bistums AG sowie in allen katholischen Pfarrhäusern zum Preis von 45 bis 75 Euro angeboten. Ein Echtheitszertifikat liegt bei. Führende internationale Versandhäuser werden ihr Angebot ab dem Herbst-Winter-Katalog erweitern und die Trierer Modesensation zu einem echten Renner nicht nur bei Katholiken machen.

Das modische Kleidungsstück eignet sich für alle Jahreszeiten, ist wasserabweisend und hat eine verschließbare Innentasche für das Handy. Beim Management der künftigen Aktiengesellschaft gibt man sich euphorisch, was die katholische Haute Couture anbelangt. Der amerikanische Spielzeughersteller Mattel hat sich bereits um eine Lizenz des Modehits bemüht und will seinen Verkaufserfolg, die Barbiepuppe mit der Trierer Kollektion ausstatten.

In einer konzertierten Aktion werden die Ministerpräsidenten von Rheinland Pfalz und dem Saarland kommende Woche auf dem Gelände der Landesgartenschau in Trier die Modeinnovation der Öffentlichkeit vorstellen. Kurt Beck wird dazu rote Kniestrümpfe tragen und der Herz Bube der Saarländer wird traditionell mit schwarzen Füßen auf den Laufsteg gehen. Was Müller und Beck unter dem frommen Gewand tragen werden, ist noch völlig offen und lässt Raum für diverse Spekulationen. Kenner der modepolitischen Szene sind jedoch sicher, dass der Pfälzer Häuptling mit roten Feinrippunterhosen das Parkett betreten wird und Peter Müller im schwarzen Glanzlederslip sein Bestes darbieten wird.

"Der von der Domstadt Trier ausgehende "Globel Mode Spirit" wird die Modebranche nicht nur stark beeinflussen, sondern sie revolutionieren. Mode kehrt immer wieder zurück, ein Phänomen, das wir besonders am Minirock beobachten können. Und was Moses in der Wüste trug und womit die Sünderin Maria Magdalene die biblische Männerwelt auf den Kopf stellte, wurde aber von den führenden Couturiers in Paris, New York und Mailand bis heute sträflich vernachlässigt. Eine Tatsache, die uns in Trier zu den Modezaren der Zukunft machen wird. Generell werden wir auch in naher Zukunft Kirchengewänder für jedermann und fromme Dessous auf den Markt bringen. Eine tolle Kollekte erwartet uns also.

Eine Blitzumfrage ergab, dass nicht nur an der Saar und im Moselland Spitzenpolitiker von der Mode aus Trier hellauf begeistert sind. Ministerpräsident Peter Müller kann sich durchaus vorstellen, in einem Kardinalsgewand an den Landtagssitzungen teil zu nehmen, ebenso wie Heiko Maas. Der Miesmacher Oskar Lafontaine ist natürlich mal wieder gegen alles und bevorzugt weiterhin die Uniform von Napoleon Bonaparte. Spitzenpolitiker des Bundes, allen voran Angela Merkel und Bundesumweltminister Jürgen Trittin wollen die vollökologische Replik des heiligen Rocks nach den Parlamentsferien im Bundestag tragen, ebenso wie Gesundheitsministerin Ulla Schmidt. Der Kanzler will sich erst nach den Parlamentsferien entscheiden, neigt aber ebenso wie Außenminister Fischer eher zu einer Kardinalsrobe aus Purpur und Samt.

Claude Michael Jung
Autor der einzigen echt wahren Lügengeschichten zwischen Taufbecken und Beichtstuhl. Dem Wesen nach handelt es sich um Saartire. Aus: Saar-Echo-Glosse vom 25.07.2004
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