Nachrichten aus der Zukunft

Stimmen der Zeit, Heft 11/2053

Das ist der Hammer! - Sakrale Müllentsorgung gelungen?

"Mit fünf symbolischen Hammerschlägen auf den Altar hat Dekan Hans-Peter Kunert die Institutskirche profaniert. Er selbst sei traurig über die Profanierung der Josephs-Kirche, so Kunert, doch der Zwang der Verhältnisse lasse keine andere Wahl ... Das dem heiligen Joseph geweihte Gotteshaus ... stand die meiste Zeit leer. Ein Haus ohne Leben, Gebet und Gesang, so Dekan Kunert in seiner Predigt, sei ein totes Haus ...". J. Eckert 27.06.2003, in: Raum & Ritus

Dekan Kunert konnte nicht ahnen, was er mit seiner profetischen Tat in Gang setzen würde. Zum 50. Jahrestag der ersten gelungenen Profanierung skizzieren wir in aller Kürze die Geschichte einer unglaublichen Entwicklung.

Das Problem war riesengroß und offensichtlich: Was sollte mit den verlassenen Kirchen geschehen, wie konnte man sich mit Anstand des Sakralen Mülls entledigen? Die rapide fortschreitende Säkularisierung und die dramatische Flucht vieler ChristInnen aus den Kirchen ließen selbst völlig intakte und manchmal sogar frisch renovierte Kirchengebäude verwaist zurück. - Es gab also dringenden Handlungsbedarf, und Dekan Kunert war es, der als Erster zum Hammer griff.

Wie in vielen Fällen kirchlicher Neuerungen zuvor war es Kardinal Meisner, der auf gefährliche Fehlentwicklungen hinwies und insbesondere auf die Einhaltung liturgischer Regeln - gerade hier!! - drängte. Es konnte ja schließlich nicht jeder daher kommen und auf einen Altar einschlagen.

In Bamberg genügte noch ein erfahrener Dekan. Heute ist diese Aufgabe dem Bischof vorbehalten. Zur Entlastung der Weihbischöfe wurde in Rom das Amt des Profanierbischofs erfunden. Nicht zu Unrecht: Die neuen Würdenträger haben alle Hände voll zu tun.

Von der Sache her war es auch nur folgerichtig, ein eigenständiges Rituale zu entwickeln. Die Römische Sakramentenkongregation approbierte das Formular "Ecclesia profananda"! Nach allerlei Zeremonienwildwuchs (manche Profanierer schlugen anfangs, um sicher zu gehen, gleich 20-mal und öfter zu) hat sich die heilige Zahl Sieben in ihrer entsakralisierenden Wirkung als sehr wirksam erwiesen. Die Säkularisierungsprozedur konnte natürlich nicht wortlos vonstatten gehen. Die Formel *: "Si non profanatus es, ego te profano in nomine patris et filii et spiritus sancti", setzte sich inzwischen weltweit durch.

Oberbayrische Votivtafel, um 1920

Der Hammer gewann immer größere Bedeutung. Inzwischen gelten folgende Mindeststandards: Fünf Kilo schwer muss er sein (mit 555-Silber überzogen) und darf erst nach einer aufwendigen Salbung durch den Ortsordinarius am Gründonnerstag in Dienst genommen werden.

Einige der erfolgreichsten Hämmer (mehr als 100 gelungene Einsätze) haben inzwischen Kultstatus erlangt und werden zu gewissen Zeiten den Gläubigen zur Verehrung dargeboten.

Hier und da tauchte bereits die Frage auf: Was machen wir nur mit den vielen Sakralen Hämmern, wenn einmal alle Kirchen weg sind?

Für Nicht-Lateiner: * Falls du noch nicht profaniert bist, profaniere ich dich im Namen des Vaters und des Sohnes und des Hl. Geistes.

P.Kunius