Nachrichten aus der Zukunft

Herder-Korrespondenz, Heft 9/2013

Meisners Kardinalforderung: Die Kirche - laienrein ! 

Schärfer konnten sich damals zwei Bischöfe nicht gegenüber stehen. Der eine, Bischof Kamphaus, forderte für seine Kirche leidenschaftlich: Laien rein!, der andere ebenso vehement: Kirche - laienrein! Nach dem Motto: „Die Laien sind unser Unglück!“ nahm der Kardinal den heldenhaften Kampf  auf.

Unvergessen sind seine Attacken im Spätherbst des Jahres 2002. Hellsichtig erblickte er im Fuldaer Dom bei den Laien eine „Verdunklung“ des Glaubens, attestierte ihnen „begrenztes Glaubenswissen“ und geißelte ihren „selbstgezimmerten, ideologischen Glauben“. Vor allem bei Kindergärtnerinnen und Religionslehrern diagnostizierte er das tödliche „Gift des Halb- und Falschglaubens“! Erstkommunion- und Firmkatecheten? Sie waren einfach „nicht mehr katholisch“!! 

Mit ihrer perversen Neigung, sich vornehmlich „in Strukturen und Bildungseinrichtungen einzunisten“, waren die Laien für Meisner der absolute Horror. Sie erschienen ihm „unschlagbar“. Seine Mitbrüder und er konnten nur noch „gute Miene zum bösen Spiel machen“. Die bloße Erwähnung des Zentralkomitees der deutschen Katholiken z.B. brachte ihn in Rage. Hier agitierten die Laien organisiert als “Zentrum der antikatholischen und antirömischen Verkündigung“. Das trieb dem Kardinal die Zornesröte ins Gesicht.  Einige Predigtzuhörer wollen sogar gesehen haben, dass seine Mitra gefährlich anschwoll !!

Aus größerer Distanz – der Kardinal erfreut sich seit Kurzem des wohlverdienten  Ruhestandes - wissen wir, der Kirchenfürst hatte Recht: Er war mit seiner brillanten Analyse weiter gekommen, als er es sich selbst eingestehen mochte. Die Laien, so hatte er wie nebenbei hinzugefügt, ließen sich zu allem Überfluss ´die Verbreitung des Unglaubens sogar aus dem Kirchensteuertopf bezahlen´.

Gewissenhafte Christinnen und Christen nahmen sich Meisners Wort sehr zu Herzen, ergriffen die Flucht aus den Institutionen, erweckten Reue und Leid und stellten umgehend die Zahlung der Kirchensteuer ein. Um keinen Preis wollten sie weitere Schuld auf sich laden.

Aber wie so oft im Leben: Die Augen des begnadeten Sehers waren dennoch gehalten. Nicht die Laien waren es, die die Kirche bona fide zugrunde richteten, sondern der liebevoll sorgende Vater Staat. Er lieferte die Sargnägel für Mutter Kirche.

Der Staat war es, der für´n Appel und´n Ei die Kirchensteuer einzog und die Leute zum Zahlen der Kirchensteuer ermunterte. Gestattete er ihnen doch, diese unbegrenzt von der Steuer abzusetzen. Er war es, der die Austrittswilligen mit hohen Strafgebühren beim Amtsgericht bzw. Standesamt abschreckte. Und er hatte jahrelang all die gott- und geistlosen Kirchen- und Katholikentage subventioniert!  

Meisners Absturz: Die Laien sind unser Unglück ...

Schlimmer noch: Mit Hilfe seines schlichten Glaubens hatte der Kirchenfürst total verdrängt, dass es die Regierung seines Landes war, die ihn monatlich mit mehr als 7.500 Euro aus Steuergeldern sponserte (und gegenwärtig immer noch seinen Lebensabend versüßt) und die standesgemäße Existenz seines glanzvollen Kölner Hofstaates sicherte.

Sich dieser Wahrheit zu stellen, das hätte eines Heroismus´ bedurft, der den Kardinal - zugegeben – völlig überfordert hätte.

Die Prognose einer Karikatur aus Meisners aktiver Zeit jedoch (siehe oben) hat sich nicht bewahrheitet – allein schon nicht wegen der grenzenlosen, nur noch als masochistisch zu bezeichnenden Leidensfähigkeit vieler Laien.

P.Kunius

Nov. 2002