Nachrichten aus der Zukunft

Eine Kampagne, die ins Auge ging !

Düsseldorf, dpa, 25.10.2002

Die mit knapp fünf Millionen Mark sündhaft teure Werbekampagne der Deutschen Bischöfe ´Wir beraten und helfen weiter´, hatte ein solch verheerendes Echo in der Öffentlichkeit, dass sich die renommierte Werbeagentur BBDO, Düsseldorf, gezwungen sah, die Flucht nach vorne anzutreten. In einer Pressekonferenz am 24.10.2002 legte sie alle Details um das Entstehen des weiblichen Logos auf den Tisch. Hier einige Auszüge aus der Pressekonferenz:

"Die Bischöfe verlangten ein Bild, das ´einen starken Eindruck macht´. Damit konnten sie nur die Darstellung einer nackten Frau meinen. Mit solchen Vorlagen hatten wir einschlägige Erfahrungen. Zusätzliche Auflagen erschwerten unsere Arbeit aber auf unzumutbare Weise.

Das Foto sollte aus der Kategorie der Softpornographie stammen und einen eher knabenhaften Typ von Frau vorstellen. Zölibatäre Kleriker sollten sich von ihr schon irgendwie angezogen, doch von ihrer Weiblichkeit auf keinen Fall sexuell stimuliert fühlen.

Den attraktiven, selbstbewussten Models der Werbebranche ähnlich, sollte die Frau gleichzeitig hilfsbedürftig und zerbrechlich wirken. Dem Betrachter sollte unmittelbar ersichtlich sein , dass sie Kriminelles im Sinn hat und dennoch wie eine Heilige aussieht (...siehe, ich bin die Magd des Herrn), der man ein Verbrechen überhaupt nicht zutraut usw.....

Ende Sept. 2000 wurde einer Arbeitsgruppe der Bischofskonferenz der folgende Entwurf unterbreitet.

 

Die Kritik aus den Reihen der Würdenträger war heftig und kam aus völlig unterschiedlichen Richtungen. Den einen war die Frau ´viel zu groß´ geraten. Große Frauen könne man sich in der Kirche nicht vorstellen. Also haben wir die Frau zum Embryo zurückentwickelt.

Ob die Frau nicht zu unterwürfig gekrümmt dargestellt sei, wurde gefragt. Für diesen Einwand konnten wir nun wirklich kein Verständnis aufbringen. Korrespondierte doch die demütige Haltung der Frau haargenau mit jener Krümmung, die das Rückgrat der deutschen Bischöfe annahm, als sie das Diktat des Heiligen Vaters in Sachen Schwangerschaftskonfliktberatung entgegen nahmen. Wir haben bei der Frau exakt den seit Pius IX als klassisch anzusehenden Krümmungswinkel zugrunde gelegt, die incurvatio aurea, auch "Vatikanischer Buckel" genannt.

Warum die Frau unbedingt auf düsterem, tristem Grund abgebildet werden müsse, wollten einige wissen. Diese Kritik konnte unser Chef locker aushebeln: "Schauen Sie sich doch selbst einmal an, meine Herren, Sie tragen doch auch alle schwarz. Sind Sie denn etwa finster und traurig?" und erntete große Heiterkeit. (SZ 8.1.02)

Der Einwand ´Man sieht ja nichts von einer Schwangerschaft. Die Frau ist möglicherweise gar nicht schwanger´, wog schon schwerer, wurde aber vom damaligen (Noch-nicht)-Kardinal Lehmann souverän vom Tisch gefegt. Er versicherte zuerst den verdutzten Kollegen und später auch der Presse, das Plakat stelle eindeutig Frau und Kind dar! Wörtlich: "Ich wundere mich, dass so viele Kritiker dies gar nicht gesehen haben", FR 3.1.2001.

Auch der Kölner Kardinal Josef Meisner, wie Lehmann mit der Gabe des Zweiten Gesichtes gesegnet, sah mehr. Mit weit aufgerissenen Augen und einem leichten Anflug von Schaum in den Mundwinkeln war ihm eine wahrhaft apokalyptische Offenbarung zuteil geworden. Die  Umstehenden stammelten voller Ehrfurcht: Er hat das GROSSE WEIB geschaut.                                                                                          

 

Aus der Erstarrung erwacht, griff Meisner, noch völlig verstört zum Bleistift und brachte seine Vision zu Papier.

Der schreckenerregende Vorgang wurde erst vor kurzem bekannt. Eine Kopie der erzbischöflichen Skizze (siehe Abb. oben) erhielten wir auf Umwegen. Wir stellen sie heute zum ersten Mal der Öffentlichkeit vor...."

Die Werbeagentur werde, so versicherte ihr Chef, nie wieder einen Auftrag von katholischen Bischöfen annehmen.

P. Kunius

Mai 2001