Nachrichten aus der Zukunft

Der Papst entzieht Dyba die

"Lizenz zum Töten"

Kirche intern, Nr. 37/ 1999

Als der Papst Anfang 98 seine Attacke gegen den § 218 ritt und eine quälende Schein-Debatte eröffnete, titelte der Spiegel: "Woytilas letztes Gefecht". Wie schon öfter in der Geschichte des Blattes hatte sich das Hamburger Magazin auch diesmal gewaltig geirrt. Der Papst zog erneut gegen die deutsche Kirche zu Felde und überraschte damit selbst seine schärfsten Kritiker:

Er entzog Erzbischof Dyba die Lizenz zum Töten!

Schon immer stand außer Zweifel, daß Johannes Paul II sich der Wahrheit und nichts anderem als der Wahrheit verpflichtet weiß, so wie er sie sieht. Sogar seine besten Freunde bekommen, wenn es sein muß, dann seine Sturheit zu spüren, und jetzt blieb nicht einmal der Urheber der unsäglichen Lizenz-Debatte davon verschont.

Das Schlagwort von der "Lizenz zum Töten", mit dem Dyba die Arbeit der Schwangerschaftsberatung diffamiert hatte, tat in Rom seine Wirkung. Voller Selbstzweifel fragte sich der Papst: Macht sich die deutsche Kirche nicht auch an anderen Stellen solcher Greuel schuldig? Hatten er oder die deutschen Bischöfe noch anderswo solch fatale Lizenzen gewährt? Wie stand es mit den Militärpfarrern? Sind sie nicht in Lohn und Brot beim obersten Befehlshaber der Bundeswehr? Steht Erzbischof Dyba nicht von Amts wegen dem Geschäft des Tötens näher als dieser selbst es weiß? Erteilt er nicht jederzeit als oberster Heerführer aller Geistlichen der Bundeswehr berufsmäßig seinen Untergebenen die ´Lizenz zum Töten´?

In die Zeit der quälenden Zweifel über den rechten Weg der deutschen Kirche platzte Dyba´s Begehren nach einem eigenständigen Militärbistum mit Sitz in Berlin, und zu allem Überfluß wollte er sogar Militärbischof im Hauptberuf werden. Mit dieser Aufwertung, so fürchtete der Papst aber, würde die katholische Kirche in Deutschland endgültig den Weg der formellen Beteiligung am Töten durch deutsche Soldaten beschreiten.

Dyba, so erschrak der Papst, verlange von ihm nicht anderes als die uneingeschränkte "Lizenz zum Töten".

Die Antwort aus Rom kam prompt. Mit einem äußerst feinfühligen Schreiben setzte Johannes Paul II dem Militärspiel Dybas ein Ende.

 

Freundlich aber eindeutig wurde er aufgefordert, das Amt des obersten Militärbischofs niederzulegen. Der Deutschen Bischofskonferenz wurde aufgetragen, in einem angemessenen Zeitraum die Militärseelsorge neu zu ordnen. Jeder Anschein der Mitwirkung der Kirche an der Kultur des Todes müsse sorgsam vermieden werden. Kenner des Papstes überrascht es nicht: Das Schreiben an Dyba weist deutliche Parallelen zu seinem früheren Schreiben in Sachen § 218 auf. Der Vergleich offenbart einen auffälligen Gleichklang in Argumentation und Wortwahl. Zitat:

" Nr. 7 ..... Die Militärpfarrer geraten in eine Situation, die mit ihrer Grundauffassung in der Frage des Lebensschutzes in Konflikt kommen. Gegen ihre Absicht werden sie in den Vollzug eines Gesetzes verwickelt, der zur Tötung unschuldiger Menschen führt und vielen zum Ärgernis wird.

Nach gründlicher Abwägung aller Argumente kann ich mich der Auffassung nicht entziehen, daß hier eine Zweideutigkeit besteht, welche die Klarheit und Entschiedenheit des Zeugnisses der Kirche verdunkelt.... Zitat Ende!

Erzbischof Dyba´s Stellungnahme zu diesem Tiefschlag liegt noch nicht vor. Er befindet sich zur Zeit in Kur. -

Der Leiter der Pressestelle des Bistums Fulda nannte es allerdings tragisch, daß der unermüdliche Kampf des Fuldaer Erzbischofs gegen die Frauen plötzlich diese überraschende Wendung nehme und sich nun gegen ihn selbst richte.

Gleichsam als Trost für seinen Dienstherrn fügte er hinzu: "Dyba teilt vermutlich das Schicksal aller großen Propheten."

P. Kunius