Nachrichten aus der Zukunft

Bischof Spital´s Schuldbekenntnis

Immer schon wurden Vermutungen geäußert, es habe Ende des vorigen Jahrhunderts in Deutschland ganz unterschiedliche Vorstellungen gegeben, das Jubeljahr 2000 zu feiern. Inzwischen können diese als bestätigt gelten. Die vatikanischen Archive haben jüngst die gesamten Anregungen des deutschen Episkopats, darunter auch abweichende Voten, zur Veröffentlichung freigegeben.

Aufschlußreich sind handschriftliche Notizen, die dem (Alt-) Bischof von Trier, Josef Spital, zugeschrieben werden. Sie enthalten den Entwurf eines Großen Schuldbekenntnisses, das alle deutschen Bischöfe an der Schwelle des neuen Jahrtausends ablegen sollten.

Wegen der z.T. immer noch bestehenden Brisanz des Entwurfs - er ist datiert auf den 24.12.1998 - wird dieser in den entscheidenden Passagen veröffentlicht. Ein Zeitgenosse hat den Autor, offenbar kurz vor der Niederschrift, porträtiert.

" Liebe Schwestern und Brüder: Wir bitten um Vergebung!

1. Wir haben vom Geld der Ärmsten gelebt!

Jahrzehntelang wurde die Kirchensteuer in unserem Land auch vom Existenzminimum der Bürger erhoben. Das Geld der Witwe und des Armen haben wir bedenkenlos auf unsere Konten fließen lassen und taten nichts, diesem Unrecht Einhalt zu gebieten. Erst als das höchste Gericht im Land erklärte: ´Wer sich am Geld der Ärmsten vergreift, versündigt sich´, wurden einige von uns hellhörig.

Wir beklagen, daß nicht wir selbst diesen Skandal erkannten sondern Ungläubige uns erst die Augen öffnen mußten. Allein, unsere Habgier hat uns geblendet.

Noch mehr bedrückt uns, daß wir dieses Unrecht nicht wiedergutmachen können. Den Bestohlenen können wir es nicht erstatten. Wir kennen ihre Namen nicht. Würden wir den Kirchensteuersatz senken, käme ihnen diese Wohltat nicht mehr zugute. Sie zahlen ja (Gott sei Dank!) keine Kirchensteuer mehr. Profit davon hätten lediglich die Reichen.... Wir sind die Gefangenen des Kirchensteuersystems...... Wahrscheinlich bleibt uns nicht anderes übrig, als von der Kirchensteuer ganz Abschied zu nehmen.

2. Wir haben Gottes Boden mißbraucht!

Unermeßlich viel an Grund und Boden haben wir zusammengerafft, aber unter unserem Krummstab wurde alles zum toten Kapital. Es gibt Mitbrüder, die heute noch voller Stolz erklären: ´Wenn ich mich fünfzig Kilometer von meinem Palast entferne, wandle ich immer noch auf eigenem Boden´. Und viele Pfarrer sind heimliche Grundherren. Das Grundbuch ihrer Kommune kennen sie besser als das Grundbuch unserer Kirche, die Bibel.

Es bedrückt uns sehr, daß wir dieses Unrecht nicht ungeschehen machen können. Wohl gibt es Wege, es zu mildern, und wir sind fest entschlossen, die ersten Schritte zu tun. Wir ordnen an: Bis zum Jahr 2005 trennen sich alle Kirchengemeinden von 20 Prozent ihres Grund und Bodens. Sie geben es unentgeltlich frei zur Lösung sozialer Aufgaben, dem Bau von Jugendzentren, Behindertenheimen, Sterbehospizen und für kinderreiche Familien. - Auch wir Bischöfe werden 20 Prozent des Bodens unserer Kurien auf geeignete Weise dem Gemeinwohl anvertrauen.

3. Wir haben aus Habgier gestraft!

Immer wieder haben wir den Eindruck erweckt, wir könnten Gottes Gnade nur gegen Geld gewähren. Viele unserer treuesten Schafe haben wir allein wegen der Kirchensteuer mit Höllenstrafen bedroht. Natürlich wußten wir, daß wir Unrecht taten, aber Geld war uns lieber.

Unzählige wurden an den Pranger gestellt und ihre Namen von den Kanzeln verlesen. Ohne priesterlichen Segen sind sie gestorben sie und wurden wie Aussätzige unter die Erde gebracht. In unserer ohnmächtigen Wut über das entgangene Geld verhängten wir über die Hinterbliebenen die Sippenhaft. Unsere ganze Verachtung ließen wir sie spüren, und selbst ihren Kindern verweigerten wir das Geschenk der Taufe..

Wir werden dieses Unrecht ein für allemal beenden. Mit sofortiger Wirkung heben wir die Strafe der Exkommunikation für den angeblichen Kirchenaustritt auf..... -

Soweit die entscheidenden Passagen aus dem Entwurf.

Natürlich sind wir stolz, daß es unser geliebter Bischof Josef war, der so grandiose Ideen hatte. Erst recht bewundern wir seinen prophetischen Weitblick: Jedermann weiß, die Kirche hat sich tatsächlich vor einigen Jahren von der Kirchensteuer verabschiedet - und sie ist nicht untergegangen!!

P. Kunius

Das vorstehende Dokument wurde veröffentlicht in der Ausgabe Nr. 6 vom IMPRIMATUR im Jahre 2017 aus Anlaß des 50jährigen Bestehens der Zeitschrift.