Nachrichten aus der Zukunft

Bayrischer Merkur, München, den 27. November 1998

CSU: Gehaltsfortzahlung im Krankheitsfall für Bayrische Bischöfe !

Es steht außer Zweifel: Der Industriestandort Deutschland ist in Gefahr. -

Auf ihrer letzten Klausurtagung im Kloster Banz ging die CSU- Fraktion in ihrer Analyse der gegenwärtigen Situation noch einen Schritt weiter. Hinter dem drohenden wirtschaftlichen Zusammenbruch diagnostierte die Partei das allmähliche Verdunsten der Kirchen und einen dramatischen Rückgang ihrer Sinnproduktion. Am Ende einer schonungslos geführten Debatte stand fest: Der Religiöse Standort Deutschland ist in Gefahr!

Seit langem schon machen sich Insider Sorgen über den Zustand der Kirche in Bayern. Die Kirche (unsere natürlich, die katholische) wird ihrer Aufgabe einer vernünftigen und akzeptablen Sinnproduktion immer weniger gerecht! Aber nicht nur die geistigen Fundamente brechen weg, auch die finanziellen. Die Kirchensteuereinnahmen sinken, die Gläubigen treten scharenweise aus der Kirche aus, und die Löcher in den Kirchenhaushalten werden immer größer. Hier und da müssen Pfarreien bereits ehrwürdige Kirchengebäude verkaufen, um dem Konkurs zu entgehen.

Auf der anderen Seite sieht die Landesregierung mit Schrecken die ständig steigenden Staatsleistungen an die Kirche, und infolge der wirtschaftlichen Flaute werden die bereits vorhandenen Löcher im Staatshaushalt immer größer. Die Bischofsgehälter, an die Gehaltsentwicklung im öffentlichen Dienst angekoppelt, erreichen schwindelnde Höhen und gleichzeitig wollen die Klagen über kirchliches Mißmanagement nicht verstummen. Man denke nur an den Buchtitel in den Bestsellerlisten: "Nieten hinter Weihrauchdunst". Alle diese Entwicklungen zusammengenommen lassen nur ein Fazit zu:

Der Religiöse Standort Deutschland muß schleunigst saniert werden.

Die Vorschläge der Freien Demokraten, auch die Religiöse Sinnproduktion einfach den Mächten des Marktes zu überlassen und sie radikal zu privatisieren, erschienen den Abgeordneten zwar sehr verlockend. Bundesbahn und Telekom seien in der Tat faszinierende Beispiele für den durchschlagenden Erfolg betrieblicher Umstrukturierungen. Daß aber auf diese Weise die bayrischen Bistümer einschließlich ihrer geistlichen Sinn-Produktionsanlagen wie Priesterseminare, Klöster, Akademien usw. privatisiert werden und u.U. gar den Gang an die Börse antreten sollten, das erschien ihnen nicht wünschenswert und überdies derzeit auch politisch nicht durchsetzbar.

Darum sah die CSU-Fraktion ihre Rettung allein im Rückgriff auf die alten Rezepte der Bundesregierung zur Sanierung des Industriestandortes Deutschland: Die sogenannten Lohnnebenkosten der Religiösen Sinn-Produzenten müßten drastisch gesenkt werden, und überhaupt: Kein Eingriff in die soziale Hängematte, in der sich die Bischöfe ein bequemes Leben machten, dürfe tabu sein.

Der umstrittenste Vorschlag bezog sich auf die Kürzung der Gehaltsfortzahlung im Krankheitsfall bei Bischöfen. Die Positionen schienen anfangs unüberbrückbar. Einerseits regelt das Gesetz klipp und klar, daß im Krankheitsfall nur noch 80% der Bezüge gezahlt werden, und die großen Arbeitgeber haben diese Kürzung in ihren Betrieben bereits flächendeckend eingeführt. Selbst der Vorsitzende der deutschen Bischofskonferenz, Bischof Lehmann, hat die Kürzung der Lohn- und Gehaltsfortzahlung im Krankheitsfall ausdrücklich begrüßt und als sozial vernünftig verteidigt.

Andere hielten in der Debatte dagegen: Eine solche Kürzung greife in das Staatskirchenrecht ein. Das bayrische Konkordat, das die Gehaltsfragen der bayrischen Sinn-Produzenten regelt, habe Völkerrechtscharakter, und es sei völlig klar: Völkerrecht bricht staatliches Recht. Die Bischöfe würden im Fall einer Klage in Karlsruhe Recht bekommen, ganz gewiß jedoch vor dem internationalen Gerichtshof in Den Haag. Und klagen würden die Herren bestimmt.

Am Ende hatten die Argumente der Besonnenen das größere Gewicht: Die Kürzung der Gehaltsfortzahlung im Industriebereich sei bis jetzt völlig unwirksam geblieben und mit Sicherheit würde kein einziger Bischof neu eingestellt werde. Ferner gehe eine solche Kürzung nur zu Lasten der Schwächsten. Man schaue sich doch das Alter und den Gesundheitszustand der bayrischen Bischöfe an. Und vor allem warnten sie:

Man könne natürlich den Religiösen Standort Deutschland auch kaputtsparen!!

P. Kunius