Nachrichten aus der Zukunft

KNA, Berlin, den 3. April 2009

Die Kirche und das Geld / Sittliche Anforderungen verschärft

Die deutsche Bischofskonferenz hat auf ihrer Frühjahrstagung die Richtlinie "Persönliche Anforderungen an alle im pastoralen Dienst Tätigen im Hinblick auf Grundbesitz und Geldvermögen" verabschiedet. Deren Wortlaut lehnt sich eng an die seit September 1995 gültige Richtlinie "Anforderungen im Hinblick auf Ehe und Familie" an.

Damit liegt nunmehr der vollständige Katalog von Anforderungen an Christen im Verkündigungsdienst vor.

Die Grundsätze und Regelungen zum Umgang mit Geld und Vermögen im Wortlaut:

"Der pastorale Dienst stellt an die persönliche Lebensführung Anforderungen, die über das für einen jeden Christen geltende Maß hinausgehen. Wer ihn übernimmt, ist verpflichtet, sich total mit der Kirche und ihrer Lehre zu identifizieren. Dies gilt vor allem für die Einstellung zu Grundbesitz und Geld. Geistlich und praktisch gesehen läßt der Umgang eines kirchlichen Mitarbeiters mit Grundbesitz und Vermögen seine Tätigkeit für die Kirche nicht unberührt. Diese Zusammenhänge erfordern klare Regelungen:

1. Privates Vermögen darf außer bei kirchlichen Geldinstituten nur bei jenen deutschen Banken angelegt werden, denen die Deutsche Bischofskonferenz das "nihil obstat" erteilt hat. Die jeweils gültige Liste der als "unverdächtig christlich" geltenden Banken kann bei der Deutschen Bischofskonferenz angefordert werden. Die Liste wird jährlich im Herbst am Grab des Hl. Bonifatius überprüft.

2. Völlig im Widerspruch zu den Anforderungen des pastoralen Dienstes handelt, wer ohne Dispens Geld und Vermögenswerte in Depots islamischer oder anderer religionsfeindlicher Geldinstitute hält. Solches zieht die automatische Exkommunikation nach sich. Deren Aufhebung ist allein dem Ortsordinarius vorbehalten. Wegen der Schwere des Vergehens muß sowohl bezüglich der Exkommunikation selbst als auch bezüglich ihrer Aufhebung eine Eintragung im Taufregister des Mitarbeiters erfolgen.

3. Wird eine der sog. "Nihil-obstat-Banken" von ungläubigen Banken oder Staaten (z.B. Saudi-Arabien) aufgekauft, dann gilt für den pastoralen Mitarbeiter das Privilegium Marcincum (benannt nach dem grandiosesten Vatikan-Maffioso der Neuzeit, d. Red.): Er darf weiterhin mit seiner Bank verkehren, allerdings nur noch einmal und dann auch nur zu dem Zweck, die Vermögensverhältnisse wieder auf eine christliche Basis zu stellen. Die bis dahin aufgelaufenen Zinsen müssen unverzüglich dem Kirchenvermögen zugeführt werden.

Nähere Ausführungsbestimmungen werden von den Ortsordinarien erlassen.

 

Schlußbestimmungen:

Die Grundsätze und Regelungen gelten für alle kirchlichen Arbeitnehmer. Denn sie haben aufgrund des kirchlichen Selbstverständnisses und infolge der Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts von 1985 kraft ihres Arbeitsvertrages Teil am Verkündigungsauftrag der Kirche."

Einer im Vorfeld der Veröffentlichung aufgekommenen Kritik trat der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz mit grundsätzlichen Argumenten entgegen. Das vertiefte Eindringen in die geoffenbarte Wahrheit habe zu der Erkenntnis geführt, daß "das Geld" bisher in seiner ekklesiologischen Qualität unterschätzt worden sei, und er wagte sogar einen vorsichtigen Blick in die Zukunft: Es sei nicht auszuschließen, daß der Glaubenssinn der Bischöfe eines Tages "das Geld" als achtes Sakrament entdecken könnte. Entscheidend sei nämlich die gelebte Praxis der Kirche.

P. Kunius