Nachrichten aus der Zukunft

Der Streit um das Kreuz

KNA Bonn, den 25. März 1997

Deutsche Bischofskonferenz klagt in Karlsruhe.

Die "Bayern-Fraktion" hat auf der Frühjahrsvollversammlung der deutschen Bischofskonferenz einen brisanten Beschluß durchgesetzt: Das Bundesverfassungsgericht soll prüfen, ob das Kreuz auf den Flugzeugen der Bundeswehr mit der grundgesetzlich garantierten Trennung von Staat und Kirche noch vereinbar sei. Ihr erklärtes Ziel: Die Bundeswehr soll die Kreuze abhängen!

 

Hintergrund:

Nach dem für Bayern empörenden Urteilsspruch im "Kruzifix-Urteil" plädieren die katholischen Bischöfe dieser Provinz für eine grundsätzliche Überprüfung des Verhältnisses von Staat und Kirche. Nordlichter in der Bischofskonferenz sprechen von kleinkarierter Rache. "BILD" brachte es entsprechend auf den Punkt: Wie Du mir, so ich Dir! "Dürfen meine Kinder nicht unter Deinem Kreuz lernen, sollen Deine Jungs auch nicht mehr unter meinem Kreuz fliegen."

Daß sich die Bischöfe in ihrer Mehrzahl die Entscheidung dennoch nicht leicht gemacht haben, belegen Auszüge aus dem uns vorliegenden Protokoll der letzten Sitzung.

Missionarisch orientierte Bischöfe bedauerten die Entscheidung. Es liege doch im ureigensten Interesse der Kirche, überall auf der Welt das Kreuz zu verkünden, ob nun gelegen oder ungelegen, wie schon der Apostel Paulus sagt. Wenn man es recht bedenke, werde der Missionsbefehl Jesu: "Gehet hin in alle Welt..." erst seit der weltweiten Präsenz deutscher Waffen mit ihren vielen Kreuzen in die Tat umgesetzt. Für einen leichtfertigen Verzicht auf solch machtvolle und obendrein kostenlose Werbeflächen hätten im übrigen die einfachen Kirchensteuerzahler kein Verständnis. Der Aufbau weltweit operierender eigener bischöflicher Fliegerstaffeln käme um ein Vielfaches teurer.

Unerwartete Schützenhilfe erhielten die Bayern von ihren Mitbrüdern der sog. Rheinschiene. Man wisse natürlich, daß Kaiser Konstantin und viele nach ihm in diesem Zeichen erstaunliche Siege errungen hätten. Andererseits sei aber nicht zu übersehen, daß die Siegesserie der kreuzgeschmückten deutschen Militärs seit längerem vorbei sei. Die beiden Weltkriege hätten Deutschland nur Elend gebracht. Überhaupt sei in letzter Zeit mit Kriegen kein Staat zu machen gewesen: Vietnam, Afghanistan, Somalia, Tschetschenien, Jugoslawien usw. Nirgendwo gebe es einen Krieg, auf den man wirklich stolz sein könne. Im Gegenteil: Immer mehr Menschen denken bei "Soldaten" eher an "Mörder". Damit könne auch das Kreuz in ein schiefes Licht geraten.

Ehemalige Militärbischöfe in der Konferenz beschwichtigten. Man dürfe die Kreuze auf Flugzeugen nicht fundamentalistisch interpretieren. Es handele sich eher um Folklore, um abgesunkenes christliches Kulturgut. Sie berichteten überdies von Besorgnissen bei ihren Freunden unter den Generälen. Diese befürchteten, die Kirche könne nach der Abschaffung der Kreuze auf den Flugzeugen eines Tages sogar die Abschaffung aller Waffen fordern. Ein solcher Schritt käme dem Untergang jahrhundertealter, christlich-abendländischer Traditionen gleich.

Die Idee, statt die Kreuze zu beseitigen, alle Flugzeuge multikulturell und multireligiös zu bemalen, also z.B. auch mit dem islamischen Halbmond, fand viel Beifall.

Den hier und da geäußerten Bedenken, daß dann womöglich auch Buddhisten das Yin-Yang-Zeichen auf deutschen Flugzeugen fordern könnten, maß man kein Gewicht bei: Der Buddhismus sei eine absolut friedliche Religion. Buddhisten sähen in der Verbindung zwischen ihrem Heilszeichen und mörderischen Waffen geradezu eine Beleidigung.

Nach Lage der Dinge ist mit dem Urteil des höchsten Gerichtes erst in einigen Jahren zu rechnen. Genügend Zeit also, um in der Öffentlichkeit die Diskussion zu vertiefen. Es gilt, die unseligen Erfahrungen mit dem Kruzifix-Urteil aus dem Jahre 1995 zu vermeiden.

P.Kunius