Sünde der Woche: So wahr ich mir helfe!

Wer wohl von der SPD-Kabinettsriege beim Amtseid den Gottesbezug weglassen würde? Zugegeben, wir dachten an die rote Heidi - als ob rote Haare in Tateinheit mit vergleichsweise roter Gesinnung automatisch in die Gottlosigkeit führten. Da lagen wir falsch.

Anders als von Frau Wieczorek-Zeul war von den anderen ein vorbildliches "So wahr mir Gott helfe" zu erhoffen. Münte etwa ist uns vertraut als leidlich frommer Katholik - das Sauerland wimmelt nun mal von leidlich frommen Katholiken. Ulla Schmidt ist eine lebensfrohe Rheinländerin, und auch dort liegt die spirituelle Dimension schon in der Wiege. Wolfgang Tiefensee brachte zwar als Ossi ein deutlich erhöhtes Atheismus-Risiko mit. Wer aber, dachten wir, so bewegend Cello zu spielen weiß, der ist unterm lebenslangen Einfluss dieser ganzen Kirchenmusik bestimmt längst bekehrt. Zunächst nichts ahnten wir diesbezüglich von Sigmar Gabriel; dann aber fiel uns jener Erzengel ein, und weil der Umweltminister immerzu den Eindruck eines Gesamtkunstwerks macht, durfte erwartet werden, dass der Mann und der Name metaphysisch nicht auseinander fallen.

Quelle: taz vom 22.11.2005

Beim Genossen Steinmeier war davon auszugehen, dass langes Dienen unter Schröder, dem Alphatier, festen Glauben an ein Jenseits begünstigt, in welchem irdische Pein durch allerlei Annehmlichkeiten abgegolten wird. Schließlich Peer Steinbrück. Finanzminister, das kommt in Zeiten wie diesen einem Himmelfahrtskommando gleich. Ergo würde den Job nur einer antreten, der täglich reinen Herzens himmlischen Beistand erfleht.

Bis hierher alles o. k. also, verdientes Schulterklopfen von FAZ und katholischer Bischofskonferenz. Dann aber doch Brigitte Zypries. Schlimm. Dieses banale "Ich schwöre es": so dürftig wie typisch. Dissidentenpose, so gespreizt wie öde. Tragischer Irrtum, es ließe sich durch Auf- Ansehen erwerben. Auch heute noch ist längst nicht jede Frau so interessant, wie sie sich machen will. Obendrein stellt derart provozierend zur Schau gestellte Diesseitigkeit eine unziemliche Attacke auf die Pfarrerstochter im Kanzleramt dar.

Die nämlich hatte noch 2004 beim Düsseldorfer CDU-Parteitag prophezeit, bei ihrer Regierungsübernahme werde kein Kabinettsmitglied die religiöse Eidesformel missachten. Eine überfällige Zurechtweisung war das für das Alphatier und etliche seiner gottlosen Kumpane, die meinen, sie hätten dergleichen nicht nötig. Was Wunder, dass schon nach sieben Jahren der Möbelwagen kam! Frau Zypries aber hat ihr Herz verhärtet und nichts gelernt daraus.

VON PETER HENKEL, Copyright © Frankfurter Rundschau online, 25.11.2005