Ute Suhrbier-Hahn, Das Kirchensteuerrecht
Eine Systematische Darstellung
Stuttgart 1999, 79,90 Euro

"Die Kirchensteuer ist und bleibt die wichtigste Einnahmequelle der Kirchen, durch die sie in die Lage versetzt werden, ihre seelsorgerischen, caritativen und sozialen Aufgaben zu erfüllen; sie ist auch, wie der Blick auf viele andere Staaten bestätigt, ein überaus geeignetes und zweckmäßiges Finanzierungsinstrument. Dem entspricht ihre praktische Bedeutung. Dies alles scheint es bereits zu rechtfertigen, eine Gesamtdarstellung der Materie vorzulegen......", S. V

Wäre diese Einleitung dem jährlichen Haushaltsbericht eines deutschen Bistums, bzw. einer ev. Landeskirche in Deutschland entnommen, wäre die unreflektierte Lobeshymne auf die Kirchensteuer noch verständlich. Die Autorin ist aber Diplom-Finanzwirtin (FH) beim Thüringer Finanzministerium in Erfurt. Und von den desolaten Kirchensteuereinnahmen in den neuen Bundesländern scheint sie auch keine Ahnung zu haben

Die überaus fleißige Arbeit, die sich bei einem 234-seitigen Textteil auf 1012 Belege stützt, wird, was die konkreten steuerlichen Sachverhalte betrifft, wohl zutreffend informieren. Das Interesse der Autorin geht jedoch weit über das im Titel genannte Thema hinaus. Ohne ihr zu nahe zu treten, kann man sie als Lobbyistin der Kirchensteuerkirchen bezeichnet. An vielen Stellen (vgl. Stichworte wie "Kirchenmitgliedschaft", "Kirchenaustritt" und mögliche "Alternativen der Kirchenfinanzierung" u.a.), werden völlig kritiklos die Positionen der Amtskirchen übernommen.

Weder qualifizierte innerkirchliche noch außerkirchliche Kritik werden reflektiert. Es ist schon erstaunlich, dass ein renommierter Fachverlag ein so tendenziöses Buch in sein Sach-Programm aufgenommen hat.

Friedrich Halfmann