Friedhelm Schwarz
Wirtschaftsimperium Kirche

Der mächtigste Konzern Deutschland
Frankfurt/New York, 24,90 Euro

"Ich werde all jene enttäuscht haben, die vielleicht erwartet hatten, in diesem Buch eine ganz bestimmte Form von Enthüllungsgeschichten zu finden, die ihnen weitere Munition liefern, um die Kirche zu bekämpfen. Das war aber auch nie meine Absicht…

Ich würde mir wünschen, dass die Kirche sich zu ihren wirtschaftlichen Aktivitäten bekennt und diese so handhabt, wie man wirtschaftliche Dinge zu handhaben hat. Denn das, was die Kirche als Wirtschaftsunternehmen tut, ist notwendig und wichtig, um den Gesamtauftrag zu erfüllen. Die Kirche sollte dort, wo sie wirtschaftlich aktiv ist, höchst effizient sein, was nicht ausschließt, ein menschliches Gesicht zu bewahren. Es ist in hohem Maße unsozial, Finanzmittel in ineffizienten Strukturen zu vernichten, wenn man weiß, wie man sie sinnvoller einsetzen könnte. Insofern hat die Kirche, abgeleitet aus ihrem christlichen Auftrag, auch ganz weltliche, ökonomische Pflichten zu erfüllen". (S. 218)

Es ist schon mehr als verwunderlich, dass ein Autor erst im Nachwort offen legt, was seine Publikationsabsicht war. 
Negativ gewendet: Kein Enthüllungsjournalismus! Der Autor stand zu seinem Wort: Er hat nichts enthüllt, was nicht bereits auf eine erheblich qualifiziertere Weise publiziert wurde. Ärgerlich wird es allerdings dann, wenn er sich zwar offensichtlich fremder Quellen bedient (z.B. C.Frerk, Finanzen und Vermögen der Kirchen in Deutschland), aber den Fundort nicht nennt. Auch sonst gibt es nur ganz selten Belege für die angegebenen Daten und auch kein (unbedingt erforderliches) Stichwortverzeichnis. 
Positiv gewendet: Dem Wirtschaftsimperium Kirche wird ein christlicher Auftrag zur Erfüllung ökonomischer Pflichten zuerkannt, ohne dass dieser Auftrag irgendwie begründet wird.

Zu einem ärgerlichen Detail: Über die Diskussion der Problematik des Begriffs "Staatliche Subventionen an die Kirchen", S. 38, vergisst der Autor doch tatsächlich jene 3,35 Milliarden Euro anzuführen, die im 19. Subventionsbericht der Bundesregierung an der entsprechenden Stelle angeführt werden.
Wer ein flott geschriebenes Buch sucht, möge zugreifen. Wer gediegen belegte Informationen sucht, mache sich erneut auf den Weg.

Friedrich Halfmann