Jörg Meuthen
Die Kirchensteuer als Einnahmequelle
von Religionsgemeinschaften,
Eine finanzwissenschaftliche Analyse, Frankfurt am Main 1993

Jörg Meuthen´s Dissertation, Die Kirchensteuer als Einnahmequelle von Religionsgemeinschaften befasst sich vor allem mit der ökonomischen Analyse der Kirchensteuer (KiSt), insbesondere im Hinblick auf ihren Charakter als Zwangsabgabe und Steuer und deren Bindung an die Einkommensteuer. Sie schließt mit einer Darstellung der Alternativen zur Kirchenfinanzierung und empfiehlt, den Status quo beizubehalten, nicht ohne jedoch die Kirchen vor Selbstzufriedenheit zu warnen und Reformen innerhalb des Systems vorzuschlagen, um die notwendige Akzeptanz der KiSt zu sichern.

Meuthen´s wissenschaftlich begründetes grundsätzliches Plädoyer für den Status quo traf natürlich auf freudige Zustimmung bei den Amtskirchen und belebte die KiSt-Diskussion, weil ihm interessegeleitete Einseitigkeit nicht zu unterstellen war. Die sich solchermaßen bestätigten amtskirchlichen Vertreter ließen allerdings außer Betracht, daß Meuthen sich auf eine finanzwissenschaftliche Analyse beschränkt und sich jegliche Argumentation mit dem Evangelium und der Theologie versagt, wenn er auch leichtgläubig manche kirchliche Position übernimmt.

Ist die KiSt wirklich ein Problem der Finanzwissenschaftler, von Steuerrecht- und Haushaltsexperten? Stellt sie sich nicht in Wahrheit als eine Frage dar, die nach dem christlichen Selbstverständnis aus dem Evangelium zu beurteilen ist? Und - ohne das Verdienst Meuthen´s in seinem Fachbereich zu berühren - können Anfragen an die KiSt-Kritiker wirklich mit den Antworten Meuthen´s erledigt werden? Zumal bei der Beschränkung auf Deutschland alle weltkirchlichen Apekte, die sonst von der Amtskirche gern gegen die Reformer und Kritiker angeführt werden, fehlen müssen, mindestens aber der Aspekt der europäschen Einigung, die bald ihre innere Dynamik entfalten wird.

Da Meuthen selbstverständlich nicht die Frage stellt (und erst recht nicht beantworten kann), was Kirche ist, wie sie ausgestattet sein muß, welche ihre Aufgaben sind, wie diese in ihr verteilt sind, wer diese ausführt - ob professionell oder nebenamtlich - muß er den bestehenden Finanzbedarf der deutschen Kirchen als feststehende Größe annehmen
Die Vorschläge Meuthen´s zur Reform der KiSt sind - wie gesagt - bedenkenswert, vorausgesetzt, man ist mit dem von ihm postulierten Status quo des deutschen KiSt-Systems einverstanden.

Joachim Friese