Die Kirchenfinanzierung in Kirche und Staat der Gegenwart

Ludgerus Verlag, Essen, 4. neubearbeitete Aufl., 2006, € 19,80

Heiner Marré, unter Mitarbeit von Josef Jurina

Wer die Art der Kirchenfinanzierung in Deutschland beurteilen will, muss ihre Geschichte kennen, denn die Geschichte einer Sache kann ihr Wesen erschließen. Ein weiterer Weg zur Bewertung dieser Kirchenfinanzierung bietet das vergleichende Staatskirchenrecht, das Kennenlernen der Kirchenfinanzierungssysteme in den anderen Ländern Europas und in den USA sowie der verschiedenen Staat-Kirche-Modelle als Umfelder dieser Kirchenfinanzierung - immer noch für viele eine terra incognita. Hier zeigt sich z.B., dass die in Deutschland erhobene Kirchensteuer durchaus kein Unikum darstellt, wie immer wieder behauptet wird.

Eine sachgerechte Beurteilung darf nicht gegenwärtige Probleme der - verfassungsrechtlich und verfassungstheoretisch verankerten - Kirchensteuer auslassen, so z.B. die Verletzung des der (Steuer)Gerechtigkeit dienenden Prinzips der Besteuerung nach der individuellen wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit durch die Einkommensteuer als Maßstab der Kirchensteuer. Schwierige staatskirchenrechtliche Fragen ergeben sich auch aus der Anwesenheit einer beachtlichen musli- mischen Minderheit im europäischen und speziell im deutschen Raum. Massiv betroffen sind die Kirchen von den Ursachen und Wirkungen des in jüngster Zeit erfolgten Einbruchs der Kirchensteuer- Einnahmen. Und schließlich: Wie steht es um die innerkirchliche Legitimität der Kirchensteuer? Die jetzt erschienene 4. Auflage der Schrift „Die Kirchenfinanzierung in Kirche und Staat der Gegenwart" sucht auf die genannten aktuellen Aspekte sachlich einzugehen.

Bei aller Wertschätzung dieser sehr konzentrierten, gelegentlich sehr knappen Darlegungen zur Kirchenfinanzierung, werden auch Mängel unübersehbar. Sie rühren vor allem aus dem einseitigen Interesse der Autoren, die staatskirchenrechtlichen und juristischen Aspekte in den Vordergrund zu stellen.
Während in den Abschnitten zur Kirchensteuer immerhin konkrete Zahlen bezüglich der Heimatbistümer der beiden Autoren (Essen und Freiburg) angeführt werden, werden im Zusammenhang mit den Ausführungen zu den übrigen Finanzquellen überhaupt keine Angaben gemacht. Das ist umso erstaunlicher, als hierzu inzwischen  mit Carsten Frerks Studie *Finanzen und Vermögen der Kirchen* konkrete Zahlen vorliegen und diese Einnahmen jene durch die Kirchensteuer bei weitem übersteigen.

Dr. iur. Josef Jurina, langjähriger Finanzdezernent des Erzbistums Freiburg,  wurde im Jahr 2005 Honorarprofessor an der Juristischen Fakultät der Universität Freiburg.

Dr. iur. Heiner Marré, früher Justitiar des Bistums Essen,  war von 1992 bis 2000 Lehrbeauftragter im Aufbaustudiengang „Lizentiat im Kanonischen Recht" an der Katholisch- Theologischen Fakultät der Universität Münster und ist seit 1994 Honorarprofessor an der Juristischen Fakultät der Ruhr-Universität Bochum.

Friedrich Halfmann