Die Trennung von Staat und Kirche
Modelle und Wirklichkeit in Europa
Essener Gespräche Bd 40 
hsg. von Burkhard Kämper und Hans-Werner Thönnes 
Aschendorff Verlag GmbH & Co. KG Münster 2007, 257 Seiten, Euro 36,80

 

Am 19. Dezember 2005 jährte sich zum 100. Mal der Erlaß des französischen Trennungsgesetzes. Nach der Absicht seiner Urheber wollte man mit einer weitgehenden Trennung der beiden Bereiche des Weltlichen und des Religiösen mögliche Konflikte vermeiden. Das Trennungsgesetz galt insofern als Freiheitsgesetz. Innere Widersprüche des Gesetzes wie auch die Lebenswirklichkeiten im alltäglichen Umgang mit dem Gesetz haben allerdings im Laufe der Zeit zu einer Relativierung der strikten Trennung von Staat und Kirche in Frankreich geführt. Auch in Staaten mit anderen Modellen des Staat/Kirche-Verhältnisses ist eine zunehmende Harmonisierung im Verhältnis von Staat und Kirche wahrnehmbar. Vor diesem Hintergrund befaßte sich das 40. Essener Gespräch mit dem Thema ,Die Trennung von Staat und Kirche - Modelle und Wirklichkeit in Europa". Zum ersten Mal in der inzwischen mehr als vierzigjährigen Geschichte der Essener Gespräche wurde diese Tagung ausschließlich dem Rechtsvergleich gewidmet.

Ausgehend von der Situation in Frankreich wurden hierbei die Beziehungen von Staat und Kirche in verschiedenen Ländern und unterschiedlichen Systemen in Europa in den Blick genommen. Die sehr informativen Vorträge und Berichte gaben einen umfassenden Überblick über die jeweiligen Modelle des Staat-Kirche-Verhältnisses in Frankreich, Großbritannien, Deutschland, Polen, Spanien, Ungarn und Griechenland. (Vor allem zu Spanien sind umfangreiche staatskirchenrechtliche Dokumente angefügt). Im Rahmen der Aussprache nach den Referaten wurden die jeweiligen landesspezifischen Besonderheiten intensiv erörtert.  Zu einer lebhaften und zum Teil kontroversen Diskussion führte die These, daß in Deutschland trotz tendentieller Säkularisierung und religiöser Pluralisierung weder ein „Verfassungswandel" für das Staatskirchenrecht noch seine prinzipielle Infragestellung angenommen werden könne. 
Als Fazit des 40. Essener Gesprächs kann festgestellt werden, daß sich bei aller historisch begründeten Unterschiedlichkeiten die Staat-Kirche-Systeme in Europa aufeinander zu bewegen.

In einem kurzen Anhang wird die Entstehungsgeschichte des Essener Gespräche nachgezeichnet und der Gründerväter gedacht.

Friedrich Halfmann