Carsten Frerk, Caritas und Diakonie in Deutschland
Aschaffenburg 2005, 366 S., kartoniert, 22,50 Euro

Aus dem Vorwort von Prof. Dr. Johannes Neumann:

"Diese Untersuchung ist meines Wissens in ihrem Umfang. ihrer Sorgfalt und ihren Ergebnissen ohne Vorbild. Nur wer selber einmal Versucht hat, Zahlen aus diesem Bereich zu erheben, kann die Mühe ermessen. die in dieser Studie steckt... Denn die Abstinenz der Verbände, über ihre Arbeit Zahlen zu nennen, gar noch über ihr Geld, ist typisch und traditionell. Auch innerhalb des eigenen "Konzerns" hütet man die eigenen Daten. Das ist zweifellos ebenso Ausdruck eines offenbar systembedingten Misstrauens wie Folge eines eigenartigen 'kameralistischen' Rechnungssystems aber auch eines besonderen Verständnisses des "Gottesgnadentums", das sich nur und alleine Gott gegenüber verantwortlich glaubt.

Unter dieser "Dunstglocke" des Verschweigens konnten sich die kirchlichen Sozialorganisationen zu Großkonzernen im Weltmaßstab entwickeln: Der ahnungslose Betrachter nimmt nur die freundliche Schwester oder Erzieherin wahr, er weiß nicht, dass das einzelne Krankenhaus oder der Kindergarten zu einem Wohlfahrtskonzern oder - allgemeiner - zum "Barmherzigen Konzern" gehören. Diese Etikettierung haben weder die Kirchen noch die Wohlfahrtsverbände gern. Sie fühlen sich dadurch verkannt und diskriminiert. Die fünf Verbände bezeichnen sich selbst als "LIGA der freien Wohlfahrtspflege". obwohl sie sich, was Macht, Einfluss und Ressourcen anlangt, erheblich von einander unterscheiden...."

Der Deutsche Caritasverband und das Diakonische Werk sind in den vergangenen Jahrzehnten zum weltweit größten privaten Arbeitgeberverbund aufgestiegen. Im Bereich der christlichen Wohlfahrtspflege werden bei etwa 1,5 Millionen Beschäftigten jährlich rund 45 Milliarden Euro umgesetzt. Obwohl die Einrichtungen sich weitestgehend aus öffentlichen Mitteln finanzieren, wird das karitative Engagement in der öffentlichen Wahrnehmung den Kirchen „gutgeschrieben".

Carsten Frerk hat über die beiden kirchlichen Sozialkonzerne umfangreiche Zahlen und Fakten zusammengetragen. Detailliert, und veranschaulicht durch zahlreiche Tabellen und Übersichten, stellt er Finanzierung und Tätigkeitsfelder dar. In Exkursen werden brisante Fragen wie das kirchliche Arbeitsrecht, die soziale und medizinische Versorgungssituation für Nichtgläubige oder die Zukunft des "Dritten Weges" erörtert.

Diese Untersuchung wird sich, wie das vor wenigen Jahren vom gleichen Autor erschienene Werk "Finanzen und Vermögen der Kirchen in Deutschland" schon bald als d a s  Standardwerk erweisen.

Friedrich Halfmann