Georg Fischer, Finanzierung der kirchlichen Sendung
Das kanonische Recht und die Kirchenfinanzierungssysteme 
in der Bundesrepublik Deutschland und den USA

Paderborn/München/Wien/Zürich, 2005, 372 Seiten, € 54,00

Der Autor der im Sommer 2004 im Fachbereich Kath. Theologie der Johannes-Gutenberg-Universität, Mainz, eingereichten Dissertation vermisst bei allen Vergleichen der Kirchenfinanzierung in den beiden Länder einen "im ursprünglichen Sinn kritischen Gesamtüberblick". Diesen leistet nach seiner Meinung weder eine betriebswirtschaftliche, noch eine pastoraltheologische oder soziologische Perspektive sondern allein ein kirchenrechtlicher Zugriff, der die jeweiligen Finanzierungssysteme nach ihrer Übereinstimmung mit dem Kirchenrecht (CIC/1983) überprüft. 
Ein erster Teil der Dissertation stellt das kirchliche Vermögensrecht des CIC und seine theologische Begründung dar, ein zweiter geht relativ knapp auf das Rechtssystem der Kirchensteuer in Deutschland ein. Der dritte Teil umfasst 110 Seiten und ist aus der Sicht des Autors der wichtigste. Er enthält einen erfreulich umfangreichen Überblick über das Kirchenfinanzierungssystem der kath. Kirche in den USA, der zusätzlich mit drei konkreten Beispielen angereichert ist.

Kritische LeserInnen dürften sich fragen, warum gerade ein kirchenrechtlicher Vergleich der Finanzsysteme einen "kritischen Überblick im ursprünglichen Sinn" leisten soll, zumal dieser Vergleich über (gewiss interessante) Fakteninformationen nicht hinauskommt. Fundierte Angaben bezüglich des kirchlichen Vermögens der kath. Kirche in den USA und deren theologische und kirchenrechtliche Berechtigung fehlen.

Es ist schwer verständlich, wie der Autor seitenlang die kirchenrechtliche Perspektive darlegen und die Legitimität des kirchlichen Vermögens erörtern kann, ohne auch nur ein einziges Mal den Umfang dieses Vermögens in Deutschland anzudeuten oder auch konkrete Angaben über die Höhe der Kirchensteuereinnahmen zu machen. Zum Glück haben das inzwischen andere getan, z.B. C.Frerk in seinem Buch "Finanzen und Vermögen der Kirchen in Deutschland".

Und weiter: Die kirchliche Sendung wird in Deutschland nicht allein aus Kirchensteuern (kath. Kirche = ca. 4 Milliarden Euro) finanziert, sondern in gleicher Höhe noch einmal von allen Steuerzahlenden durch Staatsleistungen und vielfältige staatliche Subventionierungen (z.B. unbegrenzte Abzugsfähigkeit der Kirchensteuer). Ebenfalls unreflektiert bleibt, in welchem Umfang der bekannteste Teil der kirchlichen Sendung, z.B. die der Caritas, mit Steuergeldern aller BürgerInnen finanziert wird.
Über das kirchenrechtliche Fachinteresse lässt Georg Fischer immer wieder die Frage anklingen, welches der beiden Kirchenfinanzierungssysteme "besser" sei. Da sich der Autor aber bei seiner Analyse weder betriebswirtschaftlicher, noch pastoraltheologischer noch soziologischer Kriterien bedient, bleiben seine Antworten diesbezüglich konturlos und bringen keinen Erkenntnisgewinn.

Friedrich Halfmann