Michael N. Ebertz, Erosion der Gnadenanstalt ?
Zum Wandel der Sozialgestalt von Kirche
Frankfurt am Main 1998, DM 78,00

Dieser Band des Freiburger Religionssoziologen ist die bearbeitete und wesentlich erweiterte Fassung seines Buches: Kirche im Gegenwind. Zum Umbruch der religiösen Landschaft, Freiburg 2. Aufl. 1998.
Ebertz' These: Religion und Religiosität sind keineswegs, wie oft behauptet wird, im Schwinden, im Gegenteil, Religiosität steht hoch im Kurs, allerdings nicht mehr verwaltet von der Kirche, die bis in die 70er Jahre die Monopolstellung für Sinn und Religiosität beanspruchte. Sowohl die Sozialgestalt von Kirche wie auch die Manifestationen von Religiosität unterliegen einem Wandel, den der Autor bestechend klar und mit beeindruckendem statistischen Material belegt.

In fünf Kapiteln beschreibt Ebertz den Bedeutungswandel, dem die Kirchen in einer zunehmend differenzierten und pluralistischen Gesellschaft ausgesetzt sind; an Hand der erhobenen Daten wird der Wandel der ehemaligen "Gnadenanstalt Kirche" (Max Weber) zur "Dienstleistungsorganisation" als die zukünftige gesellschaftliche Funktion der Kirche dargestellt. Der Schwerpunkt der Ausführungen Ebertz' liegt auf der katholischen Kirche.

In seiner scharfsinnigen Analyse zeigt der Autor mit den Mitteln der Religionssoziologie auf, welche Richtung die Wandlungsprozesse nehmen - ein unverzichtbares Instrumentarium, um diese Prozesse zu erkennen, zu verstehen und kreativ auf sie einzugehen.

Friedrich Halfmann