Sabine Demel, Handbuch Kirchenrecht
Grundbegriffe für Studium und Praxis
Herder Verlag Freiburg im Breisgau 2010, € 58,00

Es ist nicht möglich, diesem Buch in einer kurzen Vorstellung gerecht zu werden. Sein Reichtum erschließt sich, wie die Autorin sagt, durch "Studium und Praxis". Um Neugierigen diesen Zugang zu erleichtern, sollen ein paar Kennzeichnungen vorgenommen werden.

Es handelt sich um ein in seiner Konzeption neuartiges Buch. Sein Ziel ist nicht, das Kirchenrecht an sich vorstellen, und es ist auch kein Kommentar im herkömmlichen Sinn.

Es ist ein "Kirchenrecht aus einer Hand", aus "Frauenhand", wie die Autorin nicht ohne Stolz betont. - Beides ist auch gut spürbar.
Nahezu durchgängig umreißt die Autorin zunächst das theologische Problem, den kirchlichen, ökumenischen Konflikt, den Dissens oder die kirchenpolitische Anfrage, also den "Ort", von dem her diese oder jene Rechtsregelung des CIC bei seiner Entstehung bedeutsam war, möglicherweise zu verstehen oder gegebenenfalls auch zu kritisieren ist. Im Vordergrund steht nicht der Codex mit seinen Bestimmungen, Ausgangspunkt sind vielmehr Themen, die nach Meinung der Autorin in der alltägliche Praxis vor Ort relevant sind.

Die leicht missverständliche Bemerkung "aus Frauenhand", meint keine Engführung der Perspektive etwa auf nur für Frauen relevante Themen.
Mir scheint die "Frauenhand" erkennbar zu sein in gewissen Haltungen und in der Art der Herangehensweise. Den Lesenden wird das Kirchenrecht nicht, salopp gesagt, wie ein nasses Handtuch um die Ohren gehauen, sondern wie ein Mantel dargeboten, in den man hineinschlüpfen kann.
Im Detail: erkennbar ist es an Grundauffassungen, wie jener bezüglich der Rolle des Rechts gegenüber der gelebten Wirklichkeit, an den wiederkehrenden Fragen nach der theologischen Rückbindung und Verortung des Rechts, an der Achtsamkeit auf die Freiheitsrechte von ChristInnen, an der nachdrücklichen Einforderung dieser, wo sie bedroht erscheinen, an der Betonung der Stellung der Laien in der Kirche seit dem Vaticanum II, an der Hellhörigkeit auf die Denk- und Theologietraditionen der ev. Christinnen und der ruhigen und beharrlichen "Kritik" am Recht dort, wo Theologie und Glaubenspraxis bereits weiter sind als dieses.

Vorgestellt werden auch die teilkirchlichen Ausgestaltungen des Kirchenrechts im deutschsprachigen Raum der Deutschen, Österreichischen und Schweizer Bischofskonferenz. Dies betrifft z.B. die Fragen der Kirchenfinanzierung. Auch die neuerliche Diskussion um die Berechtigung der Exkommunikationsstrafe nach staatlichem Kirchenaustritts wird ausführlich vorgestellt.

Anstelle eines Registers hat die Autorin am Ende ein 30 Seiten umfassendes Stichwortverzeichnis angefügt, das als Lesehilfe gedacht ist. Es verweist nicht auf vorangehende Seiten des Buches selbst, sondern macht auf thematische Verflechtungen des bearbeitetem Stichworts aufmerksam.
Ob das allerdings zwingend zur Folge haben musste, auf ein Register der besprochenen Canones selbst zu verzichten, sei dahingestellt.

Die Publikation erleichtert den Zugang zum Kirchenrecht und weckt Neugierde. Das ist schon sehr viel. Sie ist gelegentlich sogar spannend zu lesen. Das 688 S. umfassende Werk präsentiert sich nämlich in einer erfreulich lebendigen und gut lesbaren Sprache.

Die "Männer" auf dem Gebiet des Kirchenrechts werden an diesem Werk möglicherweise kritisieren, dass die Autorin zu wenig Position bezieht in den noch offenen systematischen Fachfragen des CIC.
Sie haben Recht, dieses Buch ist keine Streitaxt und wollte es auch nicht sein.
Genau das aber macht es lesenswert.

Friedrich Halfmann

 

.