Rainer Bucher (Hg.) Die Provokation der Krise
Zwölf Fragen und Antworten zur Lage der Kirche
Echter Verlag, Würzburg 2004, 256 Seiten

Acht AutorInnen gehen allein oder zusammen mit Rainer Bucher (in den meisten Beiträgen ist dieser federführend) Fragen der gegenwärtigen Pastoral nach. Ihre jeweilige Analyse der kirchlichen Wirklichkeit greift tief, ist schonungslos offen und von einer tiefen Verbundenheit mit der kath. Kirche getragen. Die Rede von den "Antworten" im Untertitel des Buches verspricht zuviel. Alle Autorinnen nehmen ihre LeserInnen auf sympathische Weise mit auf den Weg des Suchens und Ausprobierens von tragfähigen Antworten. Insoweit ein sehr empfehlenswertes Buch. 

Gleichzeitig ist es, wegen seiner Defizite ein ein zutiefst deprimierendes Buch: Die AutorInnen reflektieren Kirche im Singular und meinen allein die katholische Kirche. Wie ist es nur möglich, die sich nach dem ökumenischen Kirchentag 2003 als desolat offenbarende Ökumene auszublenden. Ferner: Die AutorInnen verstehen Pastoral(-theologie) als ein nach Innen, auf die Gemeinden, zielendes Bemühen. An keiner Stelle werden die vielen Aufbrüche aus dem Schonraum amtskirchlicher Strukturen und ihre Wirkungen in gleicher Weise pastoral reflektiert: Der Bensberger Kreis, die vielen reg. Priester- und Solidaritäsgruppen, die Initiative Kirche von unten, das Bundesweite Komitee Christenrechte in der Kirche, die sog. Kölner Erklärung, die Kirchenvolksbewegung, Donum vitae. Was bedeuten solche Aufbrüche eigentlich für die Gemeinden? Und schließlich: Man muss ja nicht immer vom Geld reden. Aber: ist es nicht doch auch unglaublich weltfremd, die Pastoral zu bedenken, ohne kritisch zu bedenken, wie die Kirche in unserem Land zu Geld kommt und was sie damit macht? Da werden auf vielen Seiten die Probleme der Pastoralreferenten und erörtert und über theologische Argumente für ihre Berechtigung nachgedacht. Zur gleichen Zeit eliminiert der Bischof von Bamberg mit Verweis auf wirkliche und vermeintliche Defizite in seinem Haushalt die Pastoralereferenten und andere Bischöfe wollen es ihm gleichtun. Die Autorinnen vermitteln ihren LeserInnen das Bild einer im schlechten Sinn hochtheologischen, weil sehr weltarmen Pastoral.

Friedrich Halfmann