Daniel Bogner - Marianne Heimbach-Steins (Hrsg.) Freiheit - Gleichheit - Religion
Orientierungen moderner Religionspolitik, Ergon Verlag Würzburg 2012, € 44,00

Die in diesem Band versammelten Beiträge entstammen einer Tagung, die von der Uni Münster im Jahr 2011 zusammen mit dem Franz-Hitze-Haus in Münster durchgeführt wurde.

"Ausgangspunkt für die Problemstellung der Tagung (war) die Diagnose, dass sich seit einiger Zeit in Deutschland ... eine neue Lage abzeichnet, was den Status von Religion in der Öffentlichkeit anbelangt. Das relative Gleichgewicht, das sich zwischen Staat und Religionsgemeinschaften in den Jahrzehnten nach 1945 im westlichen Teil Deutschlands ausgeprägt hatte, weicht einer neuen Unsicherheit im Umgang mit Religion in Staat und Öffentlichkeit. Es ist weithin offen, welche Kriterien die erforderliche Verständigung zu Rolle und Spielraum von Religion in Staat, Recht und Gesellschaft orientieren soll. Besondere Aufmerksamkeit verdient der rechtliche Umgang mit Religion, denn das Recht gleicht einem Brennglas, das sowohl die Problematik, aber auch die möglichen Optionen eines Umgangs mit der Fragestellung deutlich macht. Von dieser Überlegung ausgehend, hatten wir Kolleginnen und Kollegen aus den Rechts- und Sozialwissenschaften, der Theologie und aus relevanten Praxisfeldern eingeladen, um die wichtigsten Facetten des Themas aus unterschiedlichen disziplinären Perspektiven und praktischen Erfahrungszusammenhängen auszuleuchten und zu diskutieren." S. 7

Es ist unmöglich, im Rahmen dieser Vorstellung die ganze Fülle der Beiträge auszubreiten: Allen Beiträgen gemeinsam ist der Ausgangspunkt der als Realität anerkannten, bzw. anzuerkennenden "Pluralität des Religiösen" und zwar in doppelter Hinsicht, der individuellen religiösen Überzeugung der BürgerInnen unseres Staates und der Vielfalt der religiösen Organisationen. Alle Beiträge, gleich ob sie diese Aspekte aus der soziologischen oder der verfassungsrechlichen Perspektive ausleuchten, sind sehr lesenswert. Sie haben in den drei Jahren seit ihrem Erscheinen überhaupt nicht an Aktualität verloren.

Man merkt - aus unserer Sicht ehr erfreut - den Beiträgen an, dass die AutorInnen die alten Ängste und Fehlhaltungen der katholischen Kirche gegenüber der "Pluralität" kennen und diese auf ihre Konsequenzen und Berechtigung hin thematisieren. Angesichts der häufig, meist vorwurfsvoll angemerkten Defizite auf Seiten des Islam, erinnern die Beiträge immer wieder auch an die offenbar schnell vergessene späte Ankunft vor allem der katholischen Kirche in der Moderne und zeigen konkret auf, wo im Detail noch Nachholbedarf zu sehen ist, vgl. die Überlegungen von D.Bogner zum möglichen Abschied von der Kirchensteuer und vom Körperschaftsstatus. S. 260 und D. Mensinks Bitte: Die Kirche möge das Dilemma der unterschiedlichen Bewertung von Homosexualität in der Gesellschaft und in ihren eigenen Reihen "...als Anfrage, als Zeichen der Zeit ernst nehmen, als eine Frage, die im Licht des Evangeliums nach einer Antwort verlangt". S. 172

Den einzelnen Beiträgen sind nur wenige Literaturanmerkungen angefügt, die aber allesamt neueren Datums sind. Sie können helfen, die Themen weiter zu vertiefen.

Haltern am See, den 20.2.2015
Friedrich Halfmann