Matthias Platzeck trat als Jugendlicher aus der Kirche aus

Wiedereintritt erfolgte bereits im Dezember 2003


POTSDAM. Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) ist bereits als Jugendlicher aus der evangelischen Kirche ausgetreten. Das stellte Platzeck am Dienstag auf Nachfrage klar. Ende vergangenen Jahres kehrte der 50-Jährige in die Kirche zurück. Ausschlaggebend dafür seien Gespräche gewesen, die er über acht Jahre mit seinem Nachbarn und Freund, dem Babelsberger Pfarrer Stephan Flade, geführt habe. "Das ist eine sehr private Angelegenheit", sagte Platzeck. "Manches sollte man auch privat lassen." Im Juni 2003 hatte Platzeck den Antrag auf Wiedereintritt in der Kirchgemeinde Potsdam-Babelsberg gestellt. Der formale Wiedereintritt erfolgte Ende Dezember 2003 und wurde mit einem Abendmahlsgottesdienst bekräftigt. Die Wiederaufnahme von Platzeck wurde im Gemeindeblatt veröffentlicht. Verwirrung stiftete am Montag eine Mitteilung des Evangelischen Pressedienstes. Dort hatte Pfarrer Flade auf Nachfrage erklärt, Platzeck habe seine Mitgliedschaf t - wie in der DDR oft üblich - über Jahre ruhen lassen, aber nie aufgekündigt. Er sei passives Mitglied gewesen und habe in dieser Zeit auch keine Kirchensteuer bezahlt. Flade wurde zitiert, die Kirche werde auf eine Nachzahlung der Kirchensteuer wie in anderen ähnlichen Fällen verzichten. "Eine ruhende Mitgliedschaft gibt es nicht", sagte der Sprecher der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg, Markus Bräuer, am Dienstag. Auch in der DDR konnte die Kirchenmitgliedschaft nicht ruhen. "Wer austreten wollte, musste das vor Gericht erklären", sagte er. Die Mitgliedschaft sei nach der Wende mit der Erstausgabe der Lohnsteuerkarten noch einmal überprüft worden. Insgesamt würde derzeit nur etwa jeder Dritte der 470 000 Kirchenmitglieder Kirchensteuer zahlen, die neun Prozent der Lohnsteuer betrage.... Nach Angaben der Kirchengemeinde hat sie keine Dokumente mehr über den Kirchenaustritt Platzecks. Deshalb konnte auch das genaue Datum des Austritts nicht eindeutig festgestellt werden. (ab., bla.)

Berliner Zeitung 3.3.2004