Paulinus -

Der Untergang einer Kirchlichen Druckerei

Der Trierer Bischof wurde für seinen Kampf gegen die Arbeitslosigkeit ausgezeichnet - Schafft er nun Arbeitsplätze oder vernichtet er sie?

Dem Bischof Spital von Trier wurde ganz im Sinne des Heiligen Thomas und des Heiligen Vaters am 10.12.2000 für sein "außergewöhnliches persönliches Engagement" der "Sonderpreis Solidarität bei Arbeitslosigkeit und Armut" verliehen, durch den Stellvertretenden Ministerpräsidenten Dr.Michael Vesper (Bündnis 90/Die Grünen) in Bielefeld. Einst hat Spital nämlich die "Aktion Arbeit im Bistum Trier" gegründet und immer wieder unterstützt.

Aber auch dieser Ruhm Spitals ist verblichen, denn gleichzeitig zur Preisverleihung sah er tatenlos und wortlos zu, als die Schließung der kircheneigenen Paulinus Druckerei beschlossen wurde - ein voll ausgelasteter Druckereibetrieb, der häufig in drei Schichten produziert. Hier wird nicht nur das Kirchenblatt Paulinus, sondern z.B. auch Das Parlament gedruckt... totsichere Langzeitaufträge. Jetzt werden 130 Arbeitsplätze "freigesetzt"; gefährdet ist auch die traditionelle katholische Buchhandlung Interbook, wohlsortiert und die größte Buchhandlung in Trier, 22 Millionen Jahresumsatz in 1A-Lage: 60 bis 70 Arbeitsplätze würden hier "freigesetzt", und Spital behält seinen Orden.

Das Kapital hat Vorrang vor der Arbeit

Die Druckerei steht in der Trierer Altstadt und hat zu wenig Platz. Der Verkauf des wertvollen Grundstücks an irgend einen Investor (vermutlich an ECE

- den Glaspassagenfilialisten mit "Erlebniskaufhaus") brächte viel Geld (vielleicht 20 Millionen). Statt mit soviel Geld im Trierer Industriegelände neu zu bauen, wollen die kirchlichen Unternehmer lieber nach Saarbrücken umziehen, wo sie noch einen Druckereibetrieb besitzen und die Produktion konzentrieren können. Schlanker produzieren heißt das Stichwort, das bedeutet: am Personal sparen, um die Rendite zu erhöhen

Das ist das ganze Geheimnis. Schade, daß es gegen den 1. Hauptsatz der Katholischen Soziallehre verstößt, von der in Trier sonst soviel die Rede ist:

Die Arbeit hat Vorrang vor dem Kapital -

- eingeschärft durch den Trierer Jesuiten Oswald von Nell-Breuning, Ehrenbürger der Stadt, und in vielen Sonntagsreden beschworen.

Etwas weitschweifig-päpstlich leist sich das so: " Leo XIII zögert nicht, offen einzutreten für die Unantastbarkeit der Rechte der Arbeiter und sie zu schützen..." Die Arbeit darf "nicht als bloße Waren behandelt werden; (ist sie doch) eine Äußerung der menschlichen Person ... die Höhe ihrer Vergütung darf nicht dem Spiel der Marktgesetze überlassen werden ..." Johannes XXIII., Enzyklika Mater et Magistra 1961 (Nr 16 + 18)

Das 20 Millionen-Grundstück, das jetzt zum Verkauf steht, hat seinen attraktivsten Teil auf der Schaufenster-Seite der Trierer Fleischstraße 61-65: ein neuer Erwerber wird sich nicht mit dem Hinterhof des Fabrikgeländes zufrieden geben, sondern gerade auf die schöne Vorderseite Wert legen. Darin befindet sich aber die Katholische Akademische Buchhandlung Interbook. Mit anderen Worten: die kerngesunde Buchhandlung wird mitverkauft, oder geschlossen oder anderswohin verlegt - was nach den Befürchtungen der 60 Angestellten alles irgendwie auf dasselbe rauskommt (in Koblenz und in Saarbrücken wurden bereits die ebenfalls zur Unternehmensgruppe gehörenden Buchhandlungen- Görres- und St. Michael Buchhandlung - geschlossen.

Alle wissen es, nur die Geschäftsleitung streitet alles ab: Buchfilialisten haben schon vorgesprochen, wenn der Passagenfilialist mit seinem Event-Kaufhaus kommt, dann kommen die Bestseller-Spezialisten des Buchmarkts mit, Hugendubel oder Phoenix. Sie verdrängen die "Aka-Bu" ins Abseits.

Nun kann man ja sagen: Warum soll die Kirche Druckereien betreiben? Die Gesang- und Gebetbücher können auch andere drucken, das Bistumsblatt auch. Die Kirche betreibt ja auch keine Omnibusbetriebe, keine Werbeagentur und keine Supermärkte...

Die Frage ist gut. Statt einer Antwort kann man darauf hinweisen: die Druckereien und Buchhandlungen (ihre Arbeitsplätze!) sollten wenigstens so wichtig sein wie die kirchlichen Reisebüros ("Arche Noah" heißt das neue in Trier), wie kirchliche Tagungshotels, Verlage und Musikschulen, Museen und Klosterbrauereien, wie der innerstädtische und ziemlich geheimgehaltene Immobilienbesitz ( der sich dauernd vergrößert).

Die Belegschaft, die von Arbeitslosigkeit ("Freisetzung"') bedroht ist und mit einem Sozialplan -beruhigt werden soll, hat sich nicht beruhigen lassen. Es gibt Flugblätter, Protestmärsche, Demonstrationen vor dem Bischöflichen Palais und in der Fußgängerzone- Die Betriebsbindung ist stark - nicht wenige sind in der dritten Generation beim "Paulinus". Was wirft der Betriebsrat der Konzernführung vor?

Erstens die Geheimnistuerei:

Angeblich steckt der Betrieb "seit Jahren" in "tiefroten Zahlen" - aber niemand von denen, die es wissen nennt irgendeine Zahl. Und was heißt: seit Jahren? Seit wann? Warum hört man das erst jetzt? Was hat das Management in der Zwischenzeit gemacht? Innerhalb der letzten sechs Jahre sind fünfverschiedene Unternehmensberater im Haus gewesen ? Zur Sanierung selbstverständlich? Was hat das genutzt? Was hat das gekostet?

Der Schließungsbeschluß stammt aus dem September 2000 - ohne den Betriebsrat zu informieren - wenn das kein Verstoß ist gegen das Betriebsverfassunggesetz! Gemunkelt wurde von Schließung und Plattmachen sogar schon im September 1999, damals, als Doerfert verhaftet wurde ( er gehörte früher auch in die Konzernführung ) -

Das Zweite folgt aus dem Ersten: wenn es doch niemals Kurzarbeit gegeben hat und offensichtlich doch immer genug Aufträge - wie jeder im Betrieb weiß - und da doch niemals bei der Landesregierung um Hilfe gebeten wurde - wie man hört, wurde Hilfe sogar angeboten - wie soll da jemand an die tiefroten Zahlen glauben?

Drittens: der Betriebsrat legte ein Sanierungskonzept vor , zusammen mit der TBS (Technologie Beratung des Deutschen Gewerkschaftsbundes) - offensichtlich mochte man es nicht ernstnehmen, weil die Geschäftsführung entschlossen war, ihren eigenen Gutachten aus Karlsruhe und Stuttgart den Vorzug zu geben.

Auch der Sanierungsvorschlag der Arbeitnehmerseite akzeptierte unvermeidbare Arbeitsplatzverluste - wenn auch in erheblich kleinerem Umfang, er schlug Investitionen vor und bestand auf den beiden Produktionsorten Trier und Saarbrücken mit einer gescheiten Arbeitsteilung zwischen den beiden Orten. Und natürlich mit einer geringeren Rendite, - denn: Arbeit geht vor .

Das Bischöfliche Generalvikariat redet und entscheidet immer mit. Es ist im Aufsichtsrat durch den Kirchlichen Finanzdirektor Helmut Mathony vertreten, im Vorstand durch den Generalvikar Werner Rössel; sie fehlen angeblich in keiner Sitzung. Aber weder Sitz noch Stimme im Aufsichtsrat hat der gewählte Betriebsrat. Der Geistliche Beirat hingegen, wie er zu jedem Katholischen Betrieb zu gehören scheint, heißt Dr.

Herbert Hoffmann. Er war noch nie hier, sagen sie im Betrieb, und: wir kennen ihn nicht.

Nach allem, was man hört und sieht ist man geneigt, dem Betriebsrat und den Mitarbeiter/innen in der Buchhandlung zu glauben. Die Herren der Geschäftsführung haben absichtlich und planmäßig gehandelt. Sie wollten den Betrieb an die Wand fahren.

Hermann Münzel in: imprimatur 1/2001