„Mein einziger Luxus ist der Ausblick“

Von Stefan Rammer

Das Gnadenbild der Schwarzen Muttergottes findet sich nicht von ungefähr auf dem Wappen von Bischof Wilhelm Schraml. Die Marienverehrung spielt eine wichtige Rolle in seinem Leben. „Aus der katholischen Sicht ist es ideal, wie in Altötting Maria uns hinführt zur Anbetung des Herrn“, sagt Schraml. Der Passauer Diözesanbischof hat eine besondere Beziehung zu Altötting, er trägt seit seiner Kindheit die Liebe zu diesem Ort der Anbetung im Herzen und gerade deswegen ist er in diesen Tagen „zutiefst betroffen“, ja „schwerst verletzt“: „Ich habe eine sehr persönliche Beziehung zu Altötting und und mir gesagt, da kannst du auch sterben. Wenn dann die Liebe zu etwas verletzt wird, dann tut es unendlich weh.“ Der Bischof spielt auf die Veröffentlichung Anfang dieser Woche im „Spiegel“ an mit der Überschrift „Pompöser Alterssitz für Passauer Bischof Schraml“. Darin heißt es, Schraml gerate „bei seinen Katholiken unter Beschuss“, weil er für 500 000 Euro im Wallfahrtsort Altötting ein Palais umbauen und eine bischöfliche Wohnung mit 280 Quadratmeter Größe errichten lasse. Viele Medien haben diese Meldung aufgegriffen, von „Prunksucht“, „Luxus-Sanierung “ oder „Luxus-Residenz“ geschrieben .

„Das ist infam bis in die Knochen“

Bischof Wilhelm Schraml macht in einem persönlichen Gespräch mit unserer Zeitung keinen Hehl aus seiner Betroffenheit: „Wer mir das vorwirft, der ist infam bis in die Knochen. So geht man nicht mit einem Menschen um. Dass man nicht akzeptiert, dass man vernünftig und ruhig leben möchte, das widert mich an. Es ist bar jeglicher Wahrheit, das kann ich nicht nachvollziehen. Man möchte mich nur demütigen.“ Er schaue auf ein Leben zurück, in dem er immer treu der Kirche dienen wollte und in dem er in Verantwortung gekommen sei. „Wenn der Ruhestand bevorsteht, fragt man sich dann, wo gehst du hin auf deiner letzten Etappe. Passau halte ich nicht für angemessen, meinem Vorgänger wie meinem Nachfolger gegenüber. Ein Bischof geht in der Regel in ein Haus, das eine gewisse Atmosphäre hat, in ein Kloster oder in einen Wallfahrtsort, wo die geistliche Situation angemessen ist.“ Bischof Schraml, der bald 75 Jahre alt wird, kurz vor seinem 25-jährigen Bischofs- und dem 50-jährigen Priesterjubiläum steht, schildert, wie er schon als Kind, dann als Priester und später als Bischof jedes Jahr mehrmals in Altötting gewesen ist. Dort habe er mit dem Wallfahrtsmuseum ein deutliches Zeichen gesetzt. „Ich habe mir gedacht, nach Altötting könntest du gehen. Dort am Projekt der authentischen Anbetung weiter mitarbeiten und pastoral helfen, das stelle ich mir als letzte Lebensaufgabe vor.“ Für das „Haus Papst Benedikt XVI.“, das als Wallfahrtsmuseum u. a. das „Goldene Rössl“, ein Marienaltärchen aus dem Jahr 1400, beherbergt, wurden 3,3 Millionen Euro ausgegeben. Wie der Finanzdirektor des Bistums Passau, Dr. Josef Sonnleitner, und Generalvikar Dr. Klaus Metzl bestätigen, wären die Sanierungsmaßnahmen im 2. Obergeschoss des Wallfahrtsmuseum in jedem Fall erfolgt, egal, ob der Bischof dort Wohnung nehme oder nicht. Die 500 000 Euro Kosten seien keinesfalls zu hoch gegriffen. Hier erhalten die Bistumsverantwortlichen Schützenhilfe von Bayerns oberstem Denkmalpfleger Dr. Egon J. Greipl: „Es geht um ein wichtiges Baudenkmal. Wenn da die Kosten pro Quadratmeter sich zwischen 800 und 1000 Euro bewegen, geht es keinesfalls um goldene Wasserhähne. Das sind erforderliche Kosten.“ 833 Euro pro Quadratmeter sollen es in Altötting werden. „Es geht um Stuckdecken, historische Putze, wertvolle Türen. Die Versorgungsleitungen, die erneuert werden mussten, konnten nur über das Dach und die Decken geführt werden. Restauratoren mussten mit großen Mengen adäquaten Farben vorgehen.“ Sonnleitner nennt zusätzlich Asbestentfernung, brandmeldetechnische Besonderheiten und bekräftigt, dass die historischen Dimensionen die Kosten vorgäben, und die Sanierung auch im Kulturauftrag der Kirche erfolgen müsse, Baudenkmäler zu erhalten. „Es wird keinen Pomp geben“, fügt der Bischof an. „Der einzige Luxus, den ich mir gönnen werde, ist der Blick auf den Kapellplatz.“

Finanziert aus Mitteln des Bischöflichen Stuhls

Das Geld wird für das gesamte 600-Quadratmeter-Ensemble verwendet. Die Fläche der geplanten Wohnung beträgt 280 Quadratmeter, wobei aufgrund des historischen Raumzuschnittes allein 100 Quadratmeter als Empfangsraum bestehen bleiben müssen. Weitere Räume sind für die Administration und Gästebereiche vorgesehen, außerdem gibt es ein Appartement für eine Haushälterin. Die 500 000 Euro für die Sanierung kommen vom Bischöflichen Stuhl. Der Begriff „Bischöflicher Stuhl“ als eigene juristische Person - Körperschaft des öffentlichen Rechts - hat als Vorläufer die mittelalterliche „mensa episcopalis“ (Bischofstisch). Deren Erträge bildeten das materielle Fundament des bischöflichen Wirkens. Später wurde dieses Gut Teil des Hochstifts Passau, über dessen Erträge wiederum der Bischof verfügte. In den allerersten Jahrhunderten wurden damit auch Aufwendungen für das Domkapitel finanziert. Vergleichbare Vermögensbestände, besonders landwirtschaftliche Güter, gab es bei allen kirchlichen Stellen, Pfarrer, Domkapitel, Domherren, Bischöfen. Nach den Umbrüchen der Säkularisation entstand im Lauf der Zeit durch Dotationsgüter oder Schenkungen, etwa von Priestern, der Bischöfliche Stuhl mit eigenen Vermögenswerten, über die der jeweilige Bischof frei verfügen kann. Ihn berät dabei der Diözesanvermögensrat mit dem Generalvikar, dem Finanzdirektor und dessen Stellvertreter. Nach der Säkularisation und der Einführung der Kirchensteuer hat das „Bistum“ als juristische Person eigene Bedeutung erlangt. Getrennt vom „Bischöflichen Stuhl“ werden im Bistumshaushalt die Kirchensteuermittel nach Maßgabe des gewählten Diözesansteuerausschusses eingesetzt. „Ich werde mich hüten, auch nur einen einzigen Cent privat zu verwenden“, sagt Schraml. „Ich zahle von meinem Gehalt die Miete für die Wohnung und natürlich auch die Haushälterin.“ Als Mann der Kolping-Familie habe er immer den Begriff der „Nähe“ geschätzt. Falls er seinen Alterswohnsitz in Altötting beziehe, werde er die Nähe zu seiner Kirche weiter leben: „Und ich werde keinesfalls nur aus dem Fenster schauen.“

Passauer Neue Presse, vom 06.05.2010