Bei den Oblaten ist der Teufel los

Kurz vor Redaktionsschluss flattert uns ein Artikel aus dem Trierer Volksfreund (TV) ins Haus. Es wird berichtet über betrügerische Finanztricks im Oblatenorden. Die Zentrale der deutschen Ordensprovinz ist in Mainz.

Kripo und Staatsanwaltschaft verfolgen den Ex-Pater W., ehemals Provinzökonom, wegen des Straftatbestandes der Untreue. Seiner Schwester und seiner Geliebten hat der Mann mit Geldern des Ordens Häuser gekauft. Der Angeklagte schlägt zurück. Der Orden selbst habe jahrzehntelang mittels schwarzer Kassen, illegaler Geschäfte und Steuerhinterziehung sein Vermögen gemehrt.

Er beschuldigt den Orden, "betuchte Gönner des Missions- und Schulordens hätten seit Jahrzehnten häufig Privatkapital auf Konten der Kongregation ´geparkt´. Der Orden habe die Gelder angelegt und die Zinsen behalten dürfen. Für die vollständigen Summen, die später an die Leihgeber zurückgeflossen seien, habe der Orden steuerlich absetzbare Spendenbelege ausgestellt. Wäre dem so, hätten die Missionare den Gönnern massive Steuerhinterziehungen ermöglicht." (TV)

Der Provinzial bestreitet diesen Vorwurf. Spendenquittungen sollen nur über die Zinsen ausgestellt worden sein. Trotzdem ermittelt die Steuerfahndung.

Diese geht auch einer weiteren Behauptung von W. nach, der Rektor des Jüchener Nikolausklosters, Heinrich M. habe Gewinne, die seit eh durch das von tausenden Gästen besuchte traditionelle ´Pfingstfest´ des Klosters anfielen, stets nur halb dem Finanzamt gemeldet, Die andere Hälfte soll Pater M. an der Steuer vorbei ´cash´ der Klosterkasse einverleibt haben.

Die Oblaten betreiben auch private Ersatzschulen, u.a. das St. Bernhard-Gymnasium in Willich-Schiefbahn bei Viersen (NRW). Das Land NRW bezahlt 94% der Schulkosten. Dem ´armen´ Orden gewährt die Kommune seit Jahren die fehlenden 6% der Kosten: "Das ist immer noch billiger für uns als eine Schule in städtischer Regie", meint der Bürgermeister. Auch hier ermittelt die zuständige Staatsanwaltschaft. Denn "die Bezirksregierung Düsseldorf hat Strafanzeige erstattet, weil Ordensökonom W. und Verantwortliche der Stadtwerke Willich 500 000,- Mark für eine neue Heizanlage des Gymnasiums betrügerisch für die Dauer von 10 Jahre auf die vom Staat bezahlten monatlichen Stromverbrauchsrechnungen umgelegt haben sollen. Die neue Heizung hätte allein der Orden bezahlen müssen, so die Regierungsbehörde". (TV) Trierer Volksfreund 17.11.1999