Erzbistum Paderborn: Kindergartenleiterin erhält Kündigung

Rheda-Wiedenbrück (ng) - Mehr als acht Jahre hat Elisabeth Sinnerbrink den katholischen Kindergarten im Rheda-Wiedenbrücker Stadtteil St. Vit geleitet. Am 31. März 2014 ist für sie dort Schluss. Die 48-Jährige hat ihre Kündigung erhalten, weil sie zum zweiten Mal geheiratet hat. ....

Ihr Arbeitgeber sieht darin einen "schwerwiegenden Loyalitätsverstoß" und verweist auf die Grundordnung für den kirchlichen Dienst. Nach derzeitiger Rechtslage könne der "Abschluss einer nach dem Glaubensverständnis und der Rechtsordnung der Kirche ungültigen Ehe" nicht toleriert werden, erklärte Franz-Josef Oebbeke am Freitag gegenüber der "Glocke". Oebbeke ist Geschäftsführer der gemeinnützigen Gesellschaft Katholischer Kindertageseinrichtungen Minden-Ravensberg-Lippe mit Sitz in Bielefeld. Die gGmbH ist Trägerin von mehr als 40 Kindergärten im Erzbistum Paderborn, wozu auch die Einrichtung am Lattenbusch in St. Vit gehört.

"Gehofft, dass es nicht so weit kommt"

Ganz bewusst habe sie sich mit ihrem langjährigen Partner dazu entschlossen, vorm Standesbeamten den Bund fürs Leben zu schließen, sagt Elisabeth Sinnerbrink. "Natürlich wusste ich, dass diese Entscheidung meine Kündigung bedeuten kann. Trotzdem habe ich gehofft, dass es nicht so weit kommt."

"Wir wollten nicht länger warten"

Am 26. Juli gaben sich die Leiterin des St. Viter Kindergartens und ihr Lebensgefährte das Jawort. Im Oktober erhielt die Verlerin von der Katholischen Kindertageseinrichtungen gGmbH die Kündigung mit Wirkung zum 31. März. Bereut hat Elisabeth Sinnerbrink ihren Entschluss dennoch nicht: "Wir hatten schon seit langer Zeit den Wunsch, unsere Beziehung auf ein solides Fundament zu stellen. Noch länger wollten wir mit dem Gang zum Standesamt nicht warten."

Hintergrund

Aus Datenschutzgründen wollte sich Franz-Josef Oebbeke von der Katholischen Kindertageseinrichtungen gGmbH zum St. Viter Fall nicht äußern. "Grundsätzlich können wir aber sagen, dass Mitarbeiter, die ihren Dienst in der katholischen Kirche aufnehmen, mit ihrer Unterschrift unter dem Arbeitsvertrag den besonderen kirchlichen Vorschriften zustimmen. (...) Darüber hinaus legen sie über die Beachtung und Bewahrung der kirchlichen Vorschriften ein Gelöbnis ab. Nach derzeitigem Recht liegt gemäß Artikel fünf Absatz zwei der Grundordnung bei dem Abschluss einer nach dem Glaubensverständnis und der Rechtsordnung der Kirche ungültigen Ehe ein schwerwiegender Loyalitätsverstoß vor. Das Leistungsverhalten einer Mitarbeiterin oder eines Mitarbeiters kann bei der Anwendung der bestehenden Vorschriften kein Abwägungskriterium sein." Seit 25 Jahren arbeitet Elisabeth Sinnerbrink als Erzieherin in katholischen Kindergärten, davon einen Großteil der Zeit in Leitungsfunktion. Für eine Laufbahn in konfessionell geprägten Betreuungseinrichtungen hat sie sich aus gutem Grund entschieden: "Mir ist es ein wichtiges Anliegen, Kindern den Glauben zu vermitteln. Ich bin davon überzeugt, dass ein direkter Draht zu Gott in vielen Lebenssituationen sehr nützlich sein kann."

Arbeitgeber selbst informiert

Ihre Heiratspläne hatte die 48-Jährige ihrem Arbeitgeber beizeiten mitgeteilt. "Damit man im Fall meiner Kündigung vor dem Hintergrund des momentanen Erzieherinnenmangels rechtzeitig für Ersatz sorgen konnte."

"Menschlich nicht nachzuvollziehen"

Die Kündigung der beliebten Kindergartenleiterin hat bei vielen Eltern für Unverständnis gesorgt. "Keiner kann diese Entscheidung menschlich nachvollziehen", sagt die Vorsitzende des Elternrats, Meike Altemeier. Elisabeth Sinnerbrink habe die Einrichtung vorbildlich geführt und den Kindern den Glauben eindrucksvoll vermittelt. "Wir können uns nicht vorstellen, dass das jemand anderes besser machen könnte", pflichtet ihr Elternratsmitglied Kathrin Gerhard bei.

"Keinen Keil zwischen uns und die Kirche treiben"

Am Dienstag dieser Woche fand ein Elternabend statt, bei dem es um die Kündigung der Kindergartenleiterin ging. Obwohl einige Väter und Mütter gefordert hatten, mit Protestaktionen für einen Verbleib Elisabeth Sinnerbrinks im Amt zu kämpfen, habe man sich dagegen entschieden, erklärt Meike Altemeier. "Nichts liegt uns ferner, als einen Keil zwischen uns als Eltern und die katholische Kirche zu treiben."

Große Hoffnungen in Papst Franziskus

Stattdessen haben die Eltern beschlossen, einen offenen Brief zur Entlassung der langjährigen Einrichtungsleiterin an den Paderborner Erzbischof, die deutsche Vertretung des Vatikans und den Kindergartenträger zu schreiben. Auch eine Unterschriftenaktion sei in Vorbereitung. "Wir wollen erreichen, dass bei ähnlich gelagerten Fällen künftig anders entschieden wird", betont Meike Altemeier. Die Ausschließung Wiederverheirateter aus dem kirchlichen Dienst sei nicht mehr zeitgemäß. Hoffnungen setzen die St. Viter in Papst Franziskus, der Lockerungen in Aussicht gestellt hat. Keinen Illusionen geben sich die Eltern im Fall Elisabeth Sinnerbrink hin: Deren Kündigung sei wohl nicht mehr rückgängig zu machen.

Die Glocke online, 10.7.2014