Kirche entlässt Erzieherin
Das Erzbistum Köln verteidigt seine Personalpolitik bei Erzieherinnen. Der befristete Vertrag einer Kindergärtnerin aus Bergisch Gladbach wird nicht verlängert, weil sie zum zweiten Mal verheiratet ist. Die Frau fühlt sich getäuscht.
Von Uta Böker

Bergisch Gladbach.

Die katholische Kirche will einer Erzieherin keine Chance geben. Weil sie das zweite Mal verheiratet ist, soll ihr auf ein Jahr befristeter Arbeitsvertrag im Familienzentrum Herz Jesu in Schildgen nicht verlängert werden.

Verstoß gegen das sechste Gebot, "Du sollst nicht ehebrechen." Jeder, der bei der Kirche einen Arbeitsvertrag unterschreibt, kennt diese strikte Regel. Auch Ulrike H.
Trotzdem fühlt sich die 51-Jährige "abserviert". Denn Ulrike H. hat eigens beim Erzbistum Köln ein "Ehenichtigkeitsverfahren" eingeleitet (siehe Kasten).

Vorher hatte sich die Erzieherin natürlich von einem Mitglied des Bischöflichen Gerichts eingehend beraten lassen, welche Chancen sie habe, ihren Job über den 14. Oktober hinaus zu behalten. Die Chancen stünden gut, habe es geheißen "Deshalb bin ich ja so optimistisch gewesen", erzählt Ulrike H.

Arbeitgeber machte einen Rückzieher

Doch plötzlich machte der kirchliche Arbeitgeber einen Rückzieher. Pfarrer Wilhelm Darscheid, Leiter des Kirchengemeindeverbandes Bergisch Gladbach West, will die von ihm fachlich geschätzte Erzieherin über die Verfahrensdauer hin nicht halten. Das Risiko, dass aus dem befristeten Arbeitsverhältnis dann automatisch ein unbefristetes werden könnte, sei zu groß, lautete zuletzt die Begründung.

Jetzt räumt das Erzbistum als zuständige Aufsichtsbehörde ein: "Den bestehenden befristeten Vertrag mit Frau H. hätte es gar nicht geben dürfen", sagt Pressereferent Michael Kasiske. Für befristete Verträge würden die gleichen Regeln des Kirchenrechts gelten wie für Festanstellungen. Kasiske geht davon aus, dass es sich bei der Panne um einen Einzelfall handele. Ulrike H. dagegen sagt, die Praxis mit den befristeten Verträgen für wiederverheiratete Erzieher sei gang und gäbe. Sie kenne betroffene Kolleginnen in anderen katholischen Einrichtungen in der Stadt. Ulrike H. glaubt, dass Lebensumstände, die nicht mit den katholischen Glaubensgrundsätzen übereinstimmen, vielerorts stillschweigend geduldet werden.

Der Fall in Schildgen lasse die Mitarbeiter der Stadtverwaltung zwar nicht kalt, aber persönliche Meinungen hätten hier nichts verloren, heißt es aus dem Jugendamt. Die Stadt habe keinen Einfluss auf das, was in den Einrichtungen in freier Trägerschaft geschehe, heißt es in einer Stellungnahme. Diese würden in Eigenregie geleitet, und auch die personellen Entscheidungen dort fielen unter diese Autonomie.

In Königswinter lief das im Jahr 2012 anders. Dort kündigte die Stadt einer katholischen Kirchengemeinde die Trägerschaft eines Kindergartens, nachdem die Kirche zuvor die Kita-Leiterin aufgrund ihrer Lebensverhältnisse entlassen hatte.

In Bergisch Gladbach befinden sich alle 64 Kitas in der Hand von freien Trägern, 14 davon sind in katholischer, acht in evangelischer Trägerschaft. Die kirchlichen Träger müssen sich mit zwölf Prozent an den Kosten beteiligen, den Rest zahlt die Stadt. Bei den evangelischen Einrichtungen zum Beispiel machte der Eigenanteil im Jahr 2012 pro Einrichtung etwa 47 000 Euro aus.

Anders als in der katholischen Kirche sei es in der evangelischen Kirche möglich, nach einer Ehescheidung erneut kirchlich zu heiraten. "Die Ehe wird als weltlich bürgerliche Einrichtung angesehen", erklärt Pfarrer Thomas Werner.

Ulrike H. ist enttäuscht, weil ihr Arbeitgeber ihr keinen reinen Wein eingeschenkt hat: "So geht man nicht mit Menschen um."

Kölner Stadtanzeiger, 17.9.2013