Kirchliche Stiftungen

Ein Rechtsinstitut mit langer Vergangenheit - Kurzübersicht

Sie sind nicht nur die zahlreichsten in der deutschen Stiftungslandschaft; sie sind auch die traditionsreichsten und ältesten aktiven Einrichtungen. Die von Kaiser Konstantin d.Gr. 321 zu erbberechtigten Korporationen erhobenen christlichen Gemeinden bildeten die Keimzellen des Rechtsinstituts. Kaiser Justinian verfügte 530, dass Stiftungen der Aufsicht und Kontrolle der Kirchen unterstellt werden mussten. Die kanonischen Regelungen des Hochmittelalters verfeinerten die Stiftungsregelungen. Die Stiftungszwecke deckten im Mittelalter den ganzen Bereich des Lebens ab, die Armenfürsorge und Krankpflege, die Bildung und Forschung, Schulwesen und Universitäten und nicht zuletzt den Unterhalt von Kirchen und Klerikern. Allein innerhalb der katholischen Kirche gibt es heute noch rund 19000 selbständige Stiftungen und etwa 360 privaten Rechts (vom Bundesverband Deutscher Stiftungen geschätzt). Bezüglich der ev. Landeskirchen fehlen genaue Angaben. Allein die Ev.-Luth. Landeskirche in Bayern zählt 1500 Kirchen- und Kultusstiftungen.

Trotz aller Schwierigkeit, einen zutreffenden Überblick über den Wert diese "kirchlichen Vermögen" zu bekommen, kommt Carsten Frerk in seinem Buch, Finanzen und Vermögen der Kirchen in Deutschland, Aschaffenburg 2002, S.332 zu dem Ergebnis:

"...errechnet sich daraus ein Vermögen der 19.327 katholischen Stiftungen von 89 Milliarden (...) und für die 3.200 evangelischen Stiftungen ein Vermögen von 15 Milliarden DM, zusammen also haben alle kirchlichen Stiftungen, als Richtwert, ein Mindestvermögen von 104 Milliarden Mark"

"Eine Besonderheit der kirchlichen Stiftungen sind die Klosterkammern. Dabei handelt es sich um den evangelischen "Allgemeine Hannoversche Klosterfonds" der Klosterkammer Hannover, den evangelischen Braunschweigische Allgemeine Kloster- und Studienfonds, sowie die ökumenische Vereinigte Kirchen- und Klosterkammer in Erfurt. (Frerk, S. 331) Es handelt sich hierbei um Sondervermögen und Stiftungen für kirchliche Zwecke in staatlicher Verwaltung. Das Vermögen (...) dieser drei Stiftungen beläuft sich auf insgesamt 1,4 Mrd. Mark

Die Stiftungen sind eigenständige Rechtspersonen. Auf ewig gedacht, sind sie, einmal errichtet unantastbar und ist ihr Vermögen ist selbst der Verfügung des Stifters entzogen. Viele große Stiftungen haben alle Wirren der Zeit, auch die Säkularisation 1803 überstanden. Sie sind heute entweder der staatlichen oder seit 1999 auch treuhänderisch der kirchlichen Kontrolle (siehe unten) unterstellt.

Das Vermögen der kirchlichen Stiftungen zählt zwar, juristisch gesehen, nicht zum Vermögen der Kirchen und wird auch nicht in den jeweiligen Haushalten ausgewiesen. Es gehört vielmehr zum "kirchlichen Sondervermögen", für das eigene Haushaltspläne ausgestellt werden müssen. Die meisten kirchlichen Stiftungen kommen allerdings voll den Kirchen zugute.