Kirchenbanken-Fusion steht vor der Entscheidung

Evangelische Kreditgenossenschaft Kassel und angeschlagene Nürnberger Acredobank wollen zusammengehen

Der Aufsichtsrat der evangelischen Acredobank (Nürnberg) hat die Weichen für eine angestrebte Fusion mit der Evangelischen Kreditgenossenschaft Kassel (EKK) gestellt.

KASSEL/NÜRNBERG - Durch die Fusion der beiden kirchlichen Genossenschaftsbanken, die auch von unabhängigen Gutachtern empfohlen wurde, könnten die Finanz-Dienstleistungen der angeschlagenen Acredobank in Bayern aufrechterhalten und Arbeitsplätze gesichert werden, betonte der Aufsichtsratsvorsitzende der Bank, Claus Meier. Die Vertreter der Acredobank, die am Montag über die Fusion entscheiden müssen, sind inzwischen in einem Schreiben des Aufsichtsrats informiert worden. Die Nürnberger Bank war 2001 durch riskante Wertpapier- und Anlagegeschäfte in eine wirtschaftlich problematische Situation geraten. Durch die Fehlentscheidungen der damaligen Vorstände, die inzwischen von ihren Ämtern entbunden wurden, verlor die Kirchenbank ihre stillen Reserven und einen Teil ihrer Rücklagen. Nach diesen Verlusten in Höhe von rund 13,8 Millionen Euro sei die Bank auf Dauer nicht mehr wirtschaftlich zukunftsfähig und brauche in einer zunehmend schwierigeren Marktlage einen "starken Partner", sagte Meier. Die EKK bringt als größerer Partner mit 230 Beschäftigten eine Bilanzsumme von rund 3,6 Milliarden Euro in die Fusion ein, während die Acredobank mit 100 Arbeitnehmern auf eine Bilanzsumme von 733 Millionen Euro kommt. Die Wahl ist laut Meier auf die Evangelische Kreditgenossenschaft gefallen, da dieses Geldinstitut mit erwiesener fachlicher Kompetenz und wirtschaftlichem Erfolg ein ähnliches Marktsegment - kirchliche Einrichtungen, diakonische Werke und Privatkunden - bediene und eine vergleichbare Geschäftsphilosophie wie die Acredobank habe. Außerdem eröffneten sich nach einer Fusion neue Marktchancen, da zu den bisherigen acht Filialen der nur außerhalb Bayerns tätigen EKK die Geschäftsstellen der Acredobank in Bayern und Mecklenburg kommen. Bundesweit einmaliges Modell Die Verhandlungen mit einer regionalen Genossenschaftsbank sind Meier zufolge nicht zu einem Abschluss gebracht worden. Unter anderem sei die grundsätzliche Ausrichtung zu unterschiedlich. Außerdem wären 30 Arbeitsplätze gefährdet gewesen. In dem bundesweit einmaligen Modell des Zusammenschlusses mit der EKK werde hinge gen eine Arbeitsplatzgarantie bis zum 31. Dezember 2007 zugesichert, so Meier. Auch nach einer möglichen Fusion sollen die Finanzdienstleistungen der Acredobank in Bayern in vollem Umfang aufrechterhalten werden. Eine verbleibende "Acredo-Beteiligungsgenossenschaft" werde die Belange der bayerischen Genossen in der EKK-Vertreterversammlung zur Geltung bringen. Dem Aufsichtsratsgremium werden nach der Fusion neben zwölf Mitgliedern der EKK auch drei Vertreter der Acredobank angehören, erläuterte Meier. Der bisherige Aufsichtsratsvorsitzende der Nürnberger Bank wird nach eigener Aussage kein Amt bei dem fusionierten Institut ausüben, sondern will sich noch stärker auf seine hauptberufliche Funktion als Finanzchef der bayerischen evangelischen Landeskirche konzentrieren.

FR 20.8.2005, Fettdruck nicht im Original