Nachtrag zu einigen Details

.........1984 wurde anlässlich der Neufassung des Konkordates von 1929 ein neues Finanzierungssystem für die Kirche eingeführt. Seitdem wurden alle direkten Leistungen des Staates an die Kirche eingestellt. Der Staat gewährt der katholischen Kirche und den anderen Religionsgemeinschaften allerdings eine indirekte Unterstützung. Alle Unternehmen, ob groß oder klein, können nämlich seitdem bis zu zwei Prozent ihres erklärten Einkommens von der Steuer absetzen, wenn sie diesen Betrag Einrichtungen zukommen lassen, die der Erziehung, Bildung, Erholung, sozialen, gesundheitsfördernden oder religiösen Zwecken dienen (steuerbegünstigte Spenden). Dazu gehören auch Diözesen und Pfarreien. Jeder Bürger kann ferner jährlich bis zu umgerechnet 2000 Mark steuerbegünstigt dem Zentralinstitut für die Versorgung der Priester zukommen lassen.

Und schließlich muss jeder Steuerzahler 0,8 Prozent seiner Steuerschuld einem der folgenden Zwecke zukommen lassen: einem staatlichen Hilfsfonds für humanitäre Zwecke (etwa Entwicklungshilfe), einem Fonds der Italienischen Bischofskonferenz für kirchliche Zwecke (Besoldung der Priester, Kosten des Gottesdienstes, kirchliche Bauten) oder einer anderen anerkannten Religionsgemeinschaft.

Aus diesem System kann kein Steuerschuldner aussteigen, und es gibt keinen steuerlichen Anreiz, die Kirche zu verlassen. Wer die 0,8 Prozent nicht für eine Religionsgemeinschaft bestimmt, muss für einen anderen wohltätigen Zweck zahlen. Diese Zweckbestimmung muss jedes Jahr bei der Steuererklärung neu festgelegt werden.

Die katholische Kirche, der die große Mehrheit der Italiener angehört, wirbt natürlich dafür, dass die Gläubigen sich für die Abgabe an die Kirche erklären. Zuletzt bestimmten die Steuerschuldner denn auch 85 Prozent für die katholische Kirche. Theoretisch können dabei Katholiken ihre 0,8 Prozent für einen nichtkirchlichen Zweck und Nichtkatholiken ihre 0,8 Prozent für die katholische Kirche bestimmen.

Mit 0,8 Prozent der Steuerschuld liegt der der Kirche zugute kommende Beitrag weit unter den acht beziehungsweise neun Prozent Kirchensteuer, die in Deutschland als Zuschlag zur Lohn- beziehungsweise Einkommensteuer erhoben werden. Mit anderen Worten:

Die italienische Kirche verfügt aus dieser Quelle nur etwa über ein Zehntel des vergleichbaren deutschen Kirchensteueraufkommens. Daher kann sie zwar ihre Geistlichen besolden und versichern, der finanzielle Spielraum für die kirchliche Arbeit, darunter auch den Bau und die Restaurierung von Kirchen, ist dagegen gering. Die Diözesen und die Pfarreien sind praktisch darauf angewiesen, Sponsoren ausfindig zu machen, die ihre Zuwendung steuerlich geltend machen können........

aus: Erwin Gatz, Rektor des Collegion Teutonico di S. Maria in Camposanto, RM 21, 26.5.00