Bischof Spital:

Fürstliche Entlohnung in den Führungsetagen

Die evangelischen Kirchensteuern sanken 1996 um 5,2 % auf (nur noch!) 7,9 Milliarden, die katholischen um 3 % auf (nur noch!) 8,02 Milliarden Mark. "Hektische Nervosität" mache sich in den Kirchen breit, schrieb der Evangelische Pressedienst kürzlich (15.5.1997), wegen der "Verluste in Milliardenhöhe". Stichworte aus kirchlichen Veröffentlichungen: "Hektische Betriebsamkeit". "Sparhaushalte". "Schwerpunkte". "Prioritäten setzen". "An allen Ecken und Kanten". "Krisenszenario" (Hagemann, Sprecher des Bistums Münster). "Sehr ernste Situation" (Schoeb, EKD-Sprecher Hannover). "Schmerzhaft", "Streichen: Weihnachtsgeld, Urlaubsgeld". -

Der Trierer Bischof Spital hat darauf hin an alle 14 000 Kirchenbedienstete seines Bistums geschrieben, sie sollen durch monatliche Spenden (Dauerauftrag) der "Aktion Arbeit" helfen, - damit dieses kleine Sozialwerk weiterarbeiten kann.

Aber kann man denn in Kirchen, die zusammen 16 Milliarden (nur an Kirchensteuern) jährlich einnehmen, von Engpässen, sogar von drohender Armut reden? Ist sie nicht nach dem Staat Deutschlands größter Arbeitgeber (180 000 direkte Mitarbeiter, 800 000 weitere in der Caritas und der Diakonie)? Und haben die Kirchen nicht insgeheim Vermögenshaushalte, von denen niemand nichts weiß? Natürlich haben sie. Haben sie nicht auch Pensionsfonds angelegt? Grundstücke, Häuser in den Städten ("1 a-Lage" ) gekauft, unauffällig? Ja doch, das tun sie immer noch. Und gesetzt den Fall: die Kirchen wurden in den nächsten zehn Jahren etwas langsamer reich werden, wäre es schlimm?

Wir vermuten, daß die kleine Bischofsstadt Trier beispielhaft ist, also laßt uns mal (pars pro toto) zusammenzählen. Trier bekam ein neues Bischöfliches Museum (man sagt: 21 Millionen Mark), dann die restaurierte Großkirche St. Maximin als Konzert- und Sporthalle (1 200 Sitzplätze, 16 Millionen Mark); dazu ein nagelneu restauriertes Priesterseminar (für 29 Priesterstudenten) für geschätzte 8 Millionen; dann eine renovierte Katholische Akademie für 38 Millionen; eine zweite Domorgel (gestiftet); die Kirche des Priesterseminars wurde geschmackvoll kostspielig restauriert (neue Orgel, neue Empore, neuer Glockenturm, neue Marmorboden und neue Kupfertüren, neue Ausmalung), für 29 Priesterstudenten und ihre 16 Theologieprofessoren.

Halt halt. Das war jetzt polemisch. Na ja, aber immerhin nicht gelogen. Und es sind nur Trierer Investitionen der letzten zehn Jahre. Wir sind doch auch für Denkmalschutz, nur so teuer muß er nicht sein. Es braucht nicht jeder Stuhl in St. Maximin 495 Mark zu kosten.

Interessanter finden wir noch, was uns das Personal auf den Führungsetagen kostet. Das wird von den Bediensteten nicht jeder wissen. Hoffentlich spricht es sich herum:

Das Bischöfliche Generalvikariat hat neun Hauptabteilungsleiter; fünf davon sind Priester, vier Nichtpriester, keine Frau. Erstaunlich fanden wir, daß die vier Nichtpriester just in diesem Jahr 1997, in dem für alle anderen die Sparzeit begonnen hat, plötzlich erheblich höher eingestuft wurden. 1996 waren sie noch in der Besoldungsordnung A (zum Beispiel: Direktor A 16), 1997 sind sie unversehens in der Besoldungsordnung B (B 2/B 3). Das kommt dann doch bald an neun- oder zehntausend Mark monatlich heran netto. Sparen sollen die anderen?

Viermal neuntausend Mark im Monat, auf den Chefetagen - netto.

Was die fünf Priester unter den Hauptabteilungsleitern verdienen, ist dagegen ziemlich geheim. Kein Plan nennt ihre Namen oder definiert ihre Planstelle, wie es bei den gewöhnlichen Sterblichen selbstverständlich ist. Einige der Leitenden Priester sind Domkapitulare (ihr Gehalt kommt vom Dom, also wenigstens teilweise, wahrscheinlich größtenteils vom Staat); geheim ist auch das Einkommen des Bischofs und der vier Weihbischöfe. Aber wir kennen ja das Einkommen des Bischofs von Köln (17 000 Mark netto, siehe: imprimatur 28,1995, S.123), der Trierer Bischof wird nicht viel weniger bekommen. Jedenfalls erfährt man eher etwas über das Mysterium der Heiligen Dreifaltigkeit als über die Dienstbezüge der Leitungspriester und über den Kirchlichen Vermögenshaushalt.

Jemand mit dem Besoldungsvermerk Frei vereinbart arbeitet in der Hauptabteilung 6 (Finanzen). Aha, denkt der kleine Rechercheur, das ist Er, der Manager. Zehntausend netto? Männer von hoher Qualität kann man nur bekommen, wenn man ordentlich was anbietet, würde der Bischof jetzt sagen. Aber Er ist in der HA 6 nur der zweite Mann. Der erste Mann ist Dirk Wummel, er wechselte gerade von der Deutschen Bank zur Trierischen Kirche (B 2/B 3), und er wird ja nicht weniger verdienen als sein Stellvertreter.

Also, hier ist mal unser Vorschlag, Herr Bischof. Wenn Sie sparsam sein müssen, mit dem Personal, von jetzt an, dann fangen Sie doch mal in der Hierarchie oben an, wo alle die Titel sind, die Leitenden Ordinariatsräte, die Direktoren und die Leitenden Direktoren: vier allein in der Hauptabteilung I (Bildungsarbeit, Medien...), nach dem Hauptabteilungsleiter. 1996 war es noch einer weniger. Die HA (Pastorale Dienste) hat sogar sieben in der Besoldung I A und I B. - Quasidirektoren, - auch hier waren es 1996 nur sechs; fünf "Direktoren" hat die HA 4 (Schule, Hochschule), von A 16 bis BAT 1 B; sieben sind es in der HA 5 (Personal), - auch einer mehr als voriges Jahr; die HA 6 (Finanzen) hat sich von drei (1996) Direktoren auf vier (1997) plus den einen Frei vereinbarten verbessert; die HA 7 (Bau und Kunst) bringt es hinter dem Hauptabteilungsleiter auf drei im Direktorenrang. Und dann gehen Sie mal mit allen wieder aus der Ministerbesoldung raus, wie früher. A 15 und A 16 ist schon eine ganze Menge. B 2 oder B 3 sollte es in unserer Kirche nicht geben, schon gar keinen Frei vereinbarten. Danach dürfen Sie auch die kleinen Angestellten wieder um eine Spende bitten, aber nicht vorher.

Die Kirche bezahlt gut, wenn du Professor bist oder Priester werden willst

"Es rächt sich, daß in früheren fetten Jahren die Kirchen ihre Verwaltungsapparate üppig ausgebaut haben, immer neue Stellen ohne Rücksicht auf die Folgekosten schufen", schrieb Elmar zur Bonsen in der Süddeutschen Zeitung im Januar 1997.

Richtig. Aber laßt uns nicht nur den Verwaltungsapparat betrachten. Es fällt uns die Studienabteilung ein. In der Trierer Theologie zum Beispiel gibt es zwar immer weniger Studenten, aber relativ immer mehr Professoren. Das Mißverhältnis ist eklatant, übrigens nur an den Theologischen Hochschulen, die dem Zugriff des Bischofs direkt unterstehen; in Fulda ist man ähnlich großzügig (ca. 30 Studenten und 15 wohlbezahlte Angehörige des Lehrkörpers). Anders als in Frankfurt zum Beispiel, an der Johann Wolfgang Goethe-Universität (wir werden berichten).

Trier: Die Theologische Fakultät (päpstlichen Rechts) zählt 13 Professoren (plus emeritierte; keine Professorin), dazu einen Honorarprofessor und 10 Lehrbeauftragte (darunter immerhin eine Frau); wir zählen also auf der Lehre-Forschung-Seite 24 Hauptamtliche. Im Wintersemester1996/97 hatten sie die Aufgabe, 118 Studentinnen zu unterrichten. (Die offizielle Studentenstatistik kommt zwar auf immerhin 367 Studierende; aber wir wollen kritisch lesen: man zählt hier auch Karteileichen mit, zum Beispiel 94 ,,Gasthörer" und 48 ,,sonstige Studierende" (das sind wohl die, die gelegentlich im Hörsaal sitzen oder ein Seminar belegen), 7 "Beurlaubte" und glatte 100 im "Kooperationsvertrag" (vielleicht sind das gelegentliche Hörer der Theologischen Hochschule der Pallottiner in Vallendar, der Fachhochschulen u.a.). Außerdem wissen die Praktiker an den Universitäten, daß etwa jede/r Fünfte nur zum Schein immatrikuliert ist. Wir ziehen nicht einmal diese20 % ab. Mit anderen Worten: wenn wir der Theologie in Trier 118 Studierende zurechnen, haben wir nicht kleinlich, sondern großzügig gerechnet.

In Trier kommen auf jeden Lehrenden knapp 5 Studierende. Die personelle Ausstattung ist opulent, die Professoren-Gehälter sind es auch. Man muß ja bedenken, daß die meisten der 13 Professoren Universitätsgehälter vom Feinsten bekommen, also C4-Professoren sind (es sei denn, der eine oder andere hatte gerade erst angefangen). Mit Ortszuschlag wird da jeder auf seine 7 bis 8000 DM kommen. Wir wollen es ihnen gönnen. Sprechen wir lieber davon, wie teuer die Einrichtungen insgesamt sind. Hinzu kommen ja noch 12 Wissenschaftliche AssistentInnen und Wissenschaftliche MitarbeiterInnen (darunter 2 Frauen) und das Sekretariat (7, ausschließlich Frauen); es folgen: das Bischöflichen Priesterseminar mit ca. 120 Zimmern für zur Zeit 22 Seminaristen, keine Frauen; im Priesterseminar unterhält der Bischof noch einmal 3 Priester, einen Psychologieprofessor und 4 Verwaltungsangestellte; und die prominente wissenschaftliche Bibliothek (14 Mitarbeiter, meistens wissenschaftliche). Also noch einmal: für 118 Studierende stehen 61 Hauptberufliche zur Verfügung; nur 10 sind Frauen (natürlich: auf den letzten Gehaltsstufen).

Nicht, daß uns jemand mißversteht: wir wollen nicht die Wissenschaft beschneiden oder Kulturhaushalte kurzen; wir wissen auch, daß die Bibliothek beinahe die wichtigste am Universitätsstandort Trier ist. Aber doch ist das Mißverhältnis auffällig. Der Bischof ("Magnus Cancellarius " der Theologischen Fakultät) läßt an Kindergärten sparen (man hört: es werden keine Putzhilfen mehr bezahlt); im Jugendetatwird gestrichen, was das Zeug halt (man hört: fast alle Jugendzentralen sollen schließen, den Jugendverbänden werden Stellen gestrichen).

Nur dem Priesterseminar wird nichts abgehen, - zur Sicherheit hat es auch schon mal seinen ganz eigenen Etat. Es vermag auch niemand einzusehen, warum es mitten in der Stadt liegt, tausend Quadratmeter Residenz mit Park und Parkplätzen, für weniger als zwei Dutzend Seminaristen, während die Katholische Akademie auf den Moselhöhen schlummert. So ist es in Trier, einem schönen Beispiel für viele andere Bischofsstädte.

Aus: Imprimatur 3 und 4, 1997