Beiträge an Freikirchen wie Kirchensteuer abziehbar

Ob eine Organisation kirchliche oder religiöse Zwecke verfolgt, spielt für den Steuerabzug von Spenden keine Rolle. Im Wesentlichen ist der Unterschied darin zu sehen, ob die Religionsgemeinschaft als Körperschaft des öffentlichen Rechts anerkannt ist oder nicht:

Religionsgemeinschaften, die als Körperschaft des öffentlichen Rechts anerkannt sind, verfolgen kirchliche Zwecke. Das gilt auch für Organisationen, die solche Religionsgemeinschaften fördern, wie beispielsweise Kirchenbauverein, Förderverein zur Anschaffung von Kirchenglocken, Kirchenfenstern oder einer Orgel.

Es genügt, dass diese Religionsgemeinschaften wenigstens in einem Bundesland als Körperschaft des öffentlichen Rechts anerkannt sind.

Kirchensteuer erhebende Religionsgemeinschaften

Allgemein bekannt ist, dass der Staat für Religions- und Weltanschauungsgemeinschaften bei entsprechender Anerkennung die Kirchensteuer einzieht. Diese Gelder und darüber hinaus freiwillige Zuwendungen für religiöse oder kirchliche Zwecke sind als Sonderausgaben von der Einkommensteuer absetzbar. Das gilt z.B. für die römisch-katholische Kirche, die evangelischen Landeskirchen, die altkatholische Kirche und die jüdischen Kultusgemeinden.

Religionsgemeinschaften, die keine Kirchensteuer erheben

Bisher waren Mitglieder nicht Kirchensteuer erhebender Religionsgemeinschaften insofern benachteiligt, als deren Mitgliedsbeiträge nur im Rahmen von Spenden für kirchliche bzw. religiöse Zwecke absetzbar waren. Die Religionsgemeinschaften mussten dazu allerdings vom Finanzamt als gemeinnützig anerkannt sein. Die 5%-Grenze der steuerlichen Anerkennungsfähigkeit war durch diese Praxis schnell erreicht.

Neu seit dem 1.1.2000

Erhebt die Religionsgemeinschaft keine Kirchensteuer, sind die Zuwendungen zunächst wie Kirchensteuern absetzbar — und zwar je nach Bundesland bis in Höhe von 8 % oder 9 % der Einkommensteuerschuld unter Berücksichtigung der Kinderermäßigung. Voraussetzung ist, dass die geleisteten Beiträge mit einer Empfangsbestätigung der Religionsgemeinschaft nachgewiesen werden (R 101 EStR). Sind die Zuwendungen höher, ist der übersteigende Betrag als Spende abzugsfähig. Das gilt beispielsweise für die selbstständige evangelisch-lutherische Kirche (Sitz Hannover), die Griechisch-Orthodoxe Metropolie von Deutschland, den Bund freier evangelischer Gemeinden in Deutschland, die neuapostolische Kirche, die evangelisch-freikirchlichen Gemeinden, die evangelisch-methodistische Kirche u. a.

Quelle: Steuertipps, Mannheim, Febr. 2000