„Wohnen an St. Ursula“

Nicht " .... nur naive Zeitgenossen, die nicht durch die katholische Lehre gegangen sind, wie in Meisners Erzbistum kirchliches Vermögen an sogenannte Investoren verschleudert wird. Wie schon erwähnt, gehen vor allem die ärmeren Schäfchen nicht mehr so gern in ihre Kirche, weil sie so sachte begreifen, dass das ja gar nicht mehr ihre Kirche ist. Und für die besser Betuchten fällt wegen ihrer globalisierten Wohn- und Feriensitze auch weniger Zeit für Kirchengänge ab. Deshalb stand zum Beispiel im gemütlichen Kölner Einfamilienhaus-Vorort Hürth, der mit dem Spruch „Weltoffen und tolerant“ für sich wirbt, die Kirche St. Ursula immer leerer und wurde auch noch reparaturbedürftig. Also wurde sie an den Investor Bernd Reiter und seine „Bernd Reiter Zukunftsorientierte Planungs GmbH“ verkauft - wobei das für einen Investor Interessante vor allem die dazugehörigen Grundstücke waren. Genau genommen bekam der Investor die Kirche ganz umsonst und die Grundstücke drumherum für eine Million Euro. Reiter, auch Vorsitzender des Kunstvereins Hürth, erhielt eine Genehmigung für den Umbau der Kirche, damit er dort nach Investorenart seine private Kunstsammlung „Royal Spirit – Könige der Herzen“ der Öffentlichkeit im passenden Ambiente einer „Kunstkirche“ präsentieren kann. Aus solchen Gründen gehen auch die Betuchteren unter den Schäfchen wieder gern in die Kirche. Reiter verkaufte die voll erschlossenen und baureifen Grundstücke gleich weiter an den nächsten Investor, und zwar für 1,5 Millionen Euro. So hatte also die Kirchengemeinde nicht nur ihre Kirche verschenkt, sondern auch noch eine halbe Million Euro dazu.Und der neue Investor errichtet nun auf den Grundstücken mit Blick auf das kirchliche Gemäuer 27 gehobene Eigentumswohnungen. Er wirbt ebenfalls mit dem besonderen Ambiente um die Toskana-Fraktion künftiger Wohnungskäufer. Dass es dabei sprachlich aufgeblasen etwas durcheinander geht, stört in diesem Milieu offensichtlich niemand: „Carree Campanile – Wohnen an St. Ursula“.Manche guten Christen regten sich über diese Art der „Profanierung“ ihrer Kirche auf. Sie schrieben an den Kardinal und mahnten an, dass z.B. die nun mitverschenkten Glocken des „Campanile“ komplett durch Spenden von Kirchenmitgliedern bezahlt wurden und dass zukünftige Spenden demnächst an nicht-katholische Organisation gehen werden. Solch zarter und ganz innerkirchlich bleibender Protest hatte keine Wirkung - der Kardinal blieb ungerührt.Architekten, die mit dem Erzbistum eng verbunden sind, mahnten an, dass die Kirche mit dieser Profanierung nichts Gutes für ihr Image getan habe. Auch habe sie finanziell unklug gehandelt: Die Grundstücke hätten doch durch Erbpacht an den Investor vergeben werden können. Damit hätte die Kirche mehr Einnahmen bekommen, womit zusätzlich auch das Kirchengebäude hätte erhalten werden können. Auch diese kundigen Argumente verhallten ungehört, was daran liegt, dass diese katholischen Architekten sich lieber auf die Zunge beißen als ihre Kritik an die Öffentlichkeit zu bringen. In Meisners autokratisch geführtem Bistum herrscht ein Regime, dem sich ansonsten selbstbewußt auftretende Profis mit krummem Rücken unterwerfen.

Ein Ort des Dialogs würde nur stören: Das Katholisch-Soziale Institut Honnef


Damit derlei Kollaboration der Kirche mit Sozialstaats-Demonteuren, Arbeitslosen-Beleidigern und künstlerisch drapierten Raffkes auch künftig nicht öffentlich kritisiert wird, räumt Meisners Truppe vorsichtshalber mit potentiellen Kritikern im eigenen Hause auf. Da ist z.B. das Katholisch-Soziale Institut (KSI). Es wurde 1947 in der Trägerschaft des Kölner Erzbistums als Einrichtung der Erwachsenenbildung gegründet und hat seinen Sitz in Bad Honnef. Das KSI möchte die „Menschen zu einem christlichen, wertbezogenen Handeln“ befähigen, will „ein Ort des Dialogs zwischen gesellschaftlichen Gruppen und Kräften“ sein. Das mag harmlos klingen, aber bei Meisner klingeln da die Alarmglocken.Als das KSI 1997 das „Sozialwort“ der beiden Großkirchen mitorganisierte und dabei einige Kritik an der wachsenden Kluft zwischen Arm und Reich einfloß, war der Anfang von seinem Ende eingeläutet. Gar nicht zu reden von der „Akademie für Querdenker“, die im letzten Jahrzehnt jährlich im KSI stattfand, und wozu auch leibhaftige Kapitalismuskritiker und Alternativ-Nachdenker eingeladen wurden. Man bedenke: wenn in regelmäßigen einjährigen Lehrgängen zum kirchlichen „Sozialsekretär“ kritische Gedanken unter katholischen Betriebsräten und Mitarbeitervertretern um sich greifen – wohin kann das führen? Wie soll da herausragenden Schäfchen wie Klaus Esser künftig Gerechtigkeit widerfahren?Also hat der Kardinal im 60. Jahr des nicht nur in ganz Deutschland, sondern auch international geschätzten Instituts aus unheiterem Himmel eine „Satzungsreform“ durchgedrückt. „Reform“ – das Wort ist jener Politik entlehnt, die jegliche Verschlechterung für die Mehrheit der Menschen als „Reform“ ausgibt. Jedenfalls sei diese „Reform“ ein „Diktat“ und ein „Schlag gegen die Partizipation in der Kirche“, sagt Walter Bitter vom bisherigen KSI-Vorstand. Der Vorstand soll nach der „Reform“ nämlich in seiner bisherigen Entscheidungsfunktion ersatzlos gestrichen werden, ebenso die Mitgliederversammlung. Alle bisherigen Mitwirkungsrechte von Laien sind abgeschafft.Der neue Vorstand hat nur noch beratende Funktion. Alleiniger Entscheider und Herrscher soll ein Vorstandschef werden, und auf diesen Posten hat der Kardinal seinen Domprobst Norbert Feldhoff gehievt. Feldhoff ist der langjährige Finanzchef des Erzbistums, ein geschmeidiger, geschäftstüchtiger Mann, der es an reaktionären Ansichten mit Meisner gut aufnehmen kann, sich allerdings weniger provokant äußert und lieber in den Kulissen die Fäden zieht.
Wegen aufkommender Kritik an dieser Reform hat nun Meisners rechte, sehr rechte Hand, Generalvikar Dominikus Schwaderlapp, in einem Brief an Feldhoff ein in der Satzung bisher nicht genanntes Gremium ins Spiel gebracht, das man im KSI vielleicht noch gründen könne - nämlich einen „Freundeskreis“: In diesem könne doch, so die schmierige Formulierung, „die emotionale, affektive und emphatische Anbindung der bisherigen Institutsmitglieder weiter gepflegt werden“. - Ob sie auf so einen fiesen Trick reinfallen werden? (PK)Neue Rheinische Zeitung, Online-Flyer Nr. 126 vom 22.12.2007; hier ohne Fotos

Neue Rheinische Zeitung 22.12.2007