Finanzskandal: Das katholische Erzbistum Berlin

Letzte Aktualisierung vom 20.2.2004

 

Das Erzbistum muss auf das Geld der deutschen Bischöfe warten 

Die katholische Kirche bekommt ihr Darlehen erst, wenn der Haushalt für das Jahr 2004 steht 

Marlies Emmerich

Das hoch verschuldete Erzbistum muss vorerst ohne neue Hilfe der deutschen Bistümer auskommen. Die katholische Kirche in Berlin bekommt nämlich erst wieder Geld aus einem zugesicherten Darlehen von 50 Millionen Euro, wenn der Haushalt für das Jahr 2004 steht. "Es ist richtig, dass weitere Überweisungen mit der Forderung nach einem Haushaltsplan verbunden sind", sagte Bistumssprecher Stefan Förner. "Das dauert, ein Termin ist noch nicht perfekt", sagte Förner. Bisher haben die deutschen Bischöfe zwölf Millionen Euro abgegeben. Nach Informationen der Berliner Zeitung hat sich der Treuhandausschuss der Bischofskonferenz, der die Sanierung des Erzbistums kontrolliert, Anfang der Woche aber ergebnislos vertagt. "Die ersten Sanierungsziele sind aber erreicht", sagte die Sprecherin der Deutschen Bischofskonferenz, Martina Höhns, gestern. Wann es Geld gibt, konnte die Sprecherin jedoch nicht sagen. Auch die Suche nach einem neuen Finanzdezernenten ist nach Förners Angaben bisher erfolglos geblieben.... Auch der Haushalt für das vergangene Jahr soll nur unter großen Schwierigkeiten zu Stande gekommen sein. Offiziell spricht die Kirche von einem Schuldenberg in Höhe von noch 80 Millionen Euro. Intern ist allerdings von 100 Millionen Euro die Rede. Ärger und eine äußerst schlechte Stimmung gibt es seit langem auch unter den Mitarbeitern.

Von den etwa 200 bisher gekündigten Angestellten haben schon rund 70 Klage vor den Arbeitsgerichten eingereicht. Zu denen, die sich wehren, gehören Küster, Kirchenmusiker, Sekretärinnen und Verwaltungsfachleute. Nicht wenige von ihnen sind bereits seit mehreren Jahrzehnten für die katholische Kirche tätig. Wer länger als 15 Jahre für das Erzbistum arbeitet, gilt - ähnlich wie im Staatsdienst - juristisch als unkündbar.

Berliner Zeitung, 20.2.2004

----------------------

Teure Bittbriefe des Kardinals

Erhaltene Spenden decken offenbar gerade die Kosten für die aufwändige Sammel-Aktion Von K. Jahr-Weidauer

Berliner Morgenpost 11.12.2003

Die 150 000 Bittbriefe Georg Kardinal Sterzinskys an seine katholischen Gemeindemitglieder in Berlin bringen bislang nicht den erhofften finanziellen Erfolg. Die Kosten für die Bad Honnefer Agentur GSF, die die Abwicklung der Aktion vom Erzbistum übertragen bekam, werden durch die eingenommenen Spenden offenbar geradeso gedeckt.

Wie Erzbistumssprecher Stefan Förner der Berliner Morgenpost sagte, seien jetzt etwa 150 Briefe und E-Mails eingegangen. Das sind 0,1 Prozent Rückmeldungen. Dabei gab es neben einigen zustimmenden Briefen aber auch Proteste und harsche Kritik. Viele bemängelten, dass mit der Übertragung an eine Agentur erst wieder Kosten verursacht worden seien, statt über Kollektenaufrufe in den Kirchen die Gläubigen für Spenden angesichts der desolaten Finanzlage im Erzbistum zu sensibilisieren. Sterzinsky hatte in seinem Schreiben auf 104 Millionen Euro noch ausstehender Verbindlichkeiten hingewiesen. Zumindest zehn Prozent der Gesamtschulden erwartet der Oberhirt von großzügigen Berliner Spenderinnen und Spendern.

Wie hoch die bisher eingegangene Summe an Spenden genau ist, wollte Förner nicht sagen.

"Es gibt eben auch eine Abstimmung mit dem Zahlschein", stellt der Sprecher fest. Sehr viel mehr Antworten als bisher eingegangen seien, erwartet Förner nicht, "da der Rücklauf in den vergangenen Tagen immer spärlicher fließt". Über die genauen Kosten der Kampagne wollen weder Förner noch die Agentur GFS sprechen. Das wirklich Positive der Aktion sei, dass "durch den Brief des Kardinals viele Berliner Katholiken jetzt über die wahre Situation des Erzbistums aufgeklärt worden sind", so Förner. Man habe mit einem Rücklauf von einem bis drei Prozent gerechnet. In den Vorgesprächen mit der Agentur GSF sei aber deutlich geworden, dass ein größerer Geldbetrag durch die Briefkastenaktion nicht erwartet werden durfte.

"Sollte es zutreffen, dass durch die Spenden lediglich die Kosten der Agentur beglichen werden, dann war es falsch, eine solche Aktion überhaupt zu starten", sagt der Vorsitzende des Diözesanrates, Hans-Jürgen van Schewick. Der katholische Jurist am Bundesverwaltungsgericht in Leipzig erhielt den Kardinalsbrief ebenfalls. "Ich hoffe, dass doch noch einige Gemeindemitglieder sich bereit finden, dem Spendenaufruf zu folgen", sagt van Schewick.

Fürs Erste ist das Erzbistum seine dringendsten Liquiditätsengpässe aber los. Wie van Schewick bestätigte, wurde das katholische Petruswerk verkauft. Insider sprechen von einem Erlös zwischen 14 und 17 Millionen Euro. Erzbistumssprecher Stefan Förner wies aber darauf hin, dass das Petruswerk durch den Verkauf "nicht zerschlagen wird". Die Mieter und die Mitarbeiter des Petruswerkes brauchten sich keine Sorgen zu machen: "Bedingung des Verkaufes war die Weiterführung des Unternehmens", sagt Förner. Außerdem habe der Käufer, der von Förner nicht genannt wurde, Verbindlichkeiten in Höhe von 85 Millionen Euro übernehmen müssen.

-----------------------

Der bankrotte Bischof

Matthias Drobinski, SZ 3.6.2003

Der erste Tag nach dem Fest ist für die meisten Menschen trüb und grau - für den Berliner Kardinal Georg Sterzinsky muss es besonders schwer sein, wieder im Alltag aufzuwachen. Gestern war noch der ökumenische Kirchentag, herrschte christlicher Ausnahmezustand in der Stadt der Ungläubigen. Nun hat ihn die Finanzkrise wieder, die das Erzbistum genauso beutelt wie die Stadt Berlin. Die Berater von McKinsey haben ihre Arbeit weitgehend abgeschlossen und einen Katalog der Grausamkeiten zurückgelassen, der innerhalb eines Jahres umgesetzt werden soll - ein brutaler Einschnitt, der das überschuldete Erzbistum vor dem endgültigen Ruin retten soll. Am Pfingstdienstag wird Sterzinsky verkünden müssen, wo genau die 440 Stellen abgebaut, welche Gemeinden zusammengelegt, welche Einrichtungen geschlossen werden sollen. Zum Fest des Heiligen Geistes wird die Stimmung in den Berliner Gemeinden wohl nicht der flammenden Euphorie der ersten Christen entsprechen - die wussten aber auch noch nicht, was betriebsbedingte Kündigungen sind. 

Die Brüder angepumpt 

Der Kardinal hat sich bis zuletzt gegen die Einschnitte gewehrt. Er, der aus seiner Distanz zu den Merkwürdigkeiten des westlichen Kapitalismus keinen Hehl macht, war stolz darauf gewesen, nicht so herzlos kürzen zu müssen wie sein evangelischer Amtsbruder Wolfgang Huber, der Mitte der neunziger Jahre seiner wiedervereinigten Landeskirche einen harten Sparkurs verordnete. Ein falscher Stolz. Zu ähnlich sind die Strukturschwäche und die Altlasten der Landeskirche und des Bistums mit einem Ost- und einem Westteil: Die Zahl der Kirchensteuerzahler sinkt, die Sanierung der Ost-Kirchen und das Personal bleiben gleich teuer. Doch als sich diese Erkenntnis durchsetzte, da hatte das Erzbistum mindestens 128 Millionen Euro Schulden und ein Haushaltsdefizit von 13 Millionen Euro im Jahr. Über Jahre hinweg hatte es Gehälter über Kredite finanziert, statt Doppelstrukturen zu beseitigen und sich von der Hoffnung zu verabschieden, dass bald ganz viele Kirchensteuerzahler aus dem Westen in die Hauptstadt ziehen und die Kassen füllen würden.

Im März, auf der Bischofskonferenz in Freising, musste Sterzinsky seine Brüder anpumpen. Die sagten zu, den Berlinern insgesamt 50 Millionen Euro zu leihen. Allerdings auf freiwilliger Grundlage und unter einer noch nie da gewesenen Bedingung: Ein Treuhandausschuss soll nun die Finanz- und Sparpolitik des Hauptstadt-Bistums überwachen. Ihn leitet der Hildesheimer Bischof Josef Homeyer, vertreten sind unter anderem der Kölner Generalvikar Norbert Feldhoff und der Augsburger Finanzdirektor Eugen Kleindienst, beides so mächtige wie hervorragende Finanz-Fachleute. Eine Teilentmachtung Sterzinskys - auch, weil die anderen Bischöfe ihm alleine die Umsetzung des McKinsey Plans so wenig zutrauen wie dem Domkapitel, das als überaltert und entscheidungsschwach gilt, trotz des neuen 42-jährigen Generalvikars Peter Wehr. Vor allem aber gilt Sterzinsky als jemand, der sich nicht gerne beraten lässt, und der einsame Entscheidungen trifft - .Dass er ohne jede Absprache von heute auf morgen den nordostdeutschen Kirchenzeitungsverbund verließ und nun ein Bistumsblatt vom Augsburger Verleger Voß machen lässt, hat viele Bischöfe vergrätzt. Als dann Sterzinsky vor dem Kirchentag andeutete, es müsse ja vielleicht doch nicht so schlimm kommen, horchten die neuen oberhirtlichen Kreditgeber beunruhigt auf.

Tatsächlich war Bischof Homeyer, der Leiter des Treuhandausschusses, am Wochenende nicht nur zum Singen und Beten in Berlin. Er sprach intensiv mit den verschiedenen Bistumsgrößen darüber, wie schnell und wie konsequent der Sparplan umgesetzt werden kann. Und offenbar hat er das letzte Zögern Sterzinskys beseitigt - die McKinsey-Vorschläge sollen weitgehend und vor allem sehr schnell umgesetzt werden.

Die Zeit drängt auch. Die Kirchensteuern werden weiter sinken. Das Erzbistum kann auch seine Einnahmen kaum aus eigener Kraft steigern, zum Beispiel durch den Verkauf von Gebäuden und Grundstücken: Die Immobilienpreise sind in Berlin im Keller. Und noch ist nicht sicher, ob jedes Bistum auch brav sein Notopfer Berlin in voller Höhe bezahlt. Vor allem die süddeutschen Diözesen grummeln - die Norddeutschen hatten sie auf den Kosten der Deutschordens-Pleite sitzen gelassen. Sollte sich die Krise weiter verschärfen, wird eine andere Frage noch drängender werden: Muss Kardinal Sterzinsky zurücktreten? Wäre der Erzbischof ein Ministerpräsident, hätte sich die Frage wahrscheinlich erledigt - auch wenn Sterzinsky nach bestem Wissen und Gewissen handelte, er trägt die politische Verantwortung. In der katholischen Kirche gelten andere Maßstäbe - und Sterzinsky hat sich Mitte März in einem bemerkenswerten Hirtenbrief zu seiner Verantwortung und Schuld bekannt. Trotzdem geht es seit diesem Montag um die Frage, ob Sterzinsky bleiben wird oder nicht.

Fromm und papsttreu 

Dessen größtes Problem dabei ist: Er hat einen mächtigen Gegner - seinen Vorgänger, den 1989 nach Köln gewechselten Kardinal Joachim Meisner. Dessen Generalvikar Feldhoff sitzt im Berliner Treuhandausschuss. Zu Meisners Zeiten habe es in Berlin keine Schulden, sondern Rücklagen gegeben, stichelte Feldhoff im März im Tagesspiegel-Interview; und Meisner war es, der gemeinsam mit dem Münsteraner Bischof Reinhard Lettmann die Idee entwickelte, Sterzinsky Kontrolleure zur Seite zu stellen. Schon eilen die Gerüchte, der Bischofskonferenz-Vorsitzende Kardinal Karl Lehmann könnte von Mainz an die Spree wechseln. Wer Lehmann darauf anspricht, bekommt allerdings ehrliches Entsetzen zur Antwort - man muss auch Probleme und Sorgen sehr lieben, um gleichzeitig Chef der Bischofskonferenz und Erzbischof im bankrotten Berlin sein zu wollen. Der wichtigste Verbündete des Berliner Erzbischofs ist derzeit der Vatikan: Wegen einer lächerlichen Pleite hat Rom noch keinen Bischof abgesägt; nicht, solange er so fromm und papsttreu bleibt, wie das Sterzinsky aus tiefstem Herzen ist. Solange er also nicht von sich aus resigniert oder sich von seinen Bischofskollegen zum Rücktritt drängen lässt, wird er so weitermachen können wie bisher: teilentmachtet und angeschlagen. Ob und wie lange der 67-Jährige das will, können nicht einmal seine Mitarbeiter sagen. "Vor sechs Wochen hätte ich meine Hand ins Feuer gelegt, dass er nicht zurücktritt", sagt einer. "Jetzt vermute ich immer noch, dass er bleibt. Aber hundertprozentig sicher bin ich nicht mehr."

---------------------------------------

Abdruck aus dem INFO 26 / Mai 2003

1. Die Bankrotterklärung des Erzbischofs Kardinal Georg Sterzinsky

"Im März 2003", so schreibt der Berliner Kardinal aus München Freising, "... haben sich alle deutschen Diözesen bereit erklärt, im Rahmen ihrer Möglichkeiten mitzuhelfen, unsere Schuldenlast abzubauen und die Weiterführung unserer wichtigsten Aufgaben zu ermöglichen. Wir haben allen Grund, dafür von Herzen zu danken..."

Dieser erlösenden Mitteilung ging etwas voraus, was man als eine unglaubliche Demütigung bezeichnen kann. Der Kardinal musste zuvor ein öffentliches Schuldbekenntnis ablegen, von dem erst selbst so berichtet:
"...Es ist durch und durch verständlich, wenn angesichts dessen die Frage gestellt wird: Wie konnte es dazu kommen? Verständlich ist auch die Frage: Wer ist schuld? Wenn auf diese Fragen auch keine kurzen Antworten gegeben werden können, so erkläre ich jedoch, dass auf mir als Erzbischof die Verantwortung für die entstandene Situation liegt. Davon kann mich auch die Tatsache nicht entbinden, dass ich "im guten Glauben" und in Übereinstimmung mit den zuständigen Gremien gehandelt habe. Ich gestehe, dass ich notwendige Entscheidungen nicht getroffen oder nicht durchgesetzt habe, die zu einer Verhinderung der Notlage hätten führen können. Ich bitte um Entschuldigung und Nachsicht...."
Weiter heißt es: "Lassen Sie uns versuchen, in klarer Einschätzung der Möglichkeiten und in neuem Vertrauen die Aufgaben zu bewältigen. Was von meiner Seite aus und von Seiten der Bistumsleitung dafür erforderlich ist, soll geschehen. Dazu gehören insbesondere Transparenz und wirksame Kontrolle, Wahrnehmung von Mitverantwortung und schließlich Aufarbeitung von Versäumnissen und Fehlern der Vergangenheit..."

Bei einer solchen Bereitschaft zu Besserung war der Kardinal noch eine weitere Krötezu schlucken: "Die Situation, wie sie in Berlin entstanden ist, wäre nicht notwendig gewesen", sagte der Kölner Generalvikar Norbert Feldhoff dem Tagesspiegel. Feldhoff ist einer der mächtigsten kirchlichen Finanzmanager in Deutschland - wenn er sich so aus dem Fenster lehnt, haben die Berliner wenig Gutes zu erwarten. So läuft alles darauf hinaus, dass ein Vorschlag des Kölner Kardinals Joachim Meisner und des Münsteraner Bischofs Reinhard Lettmann umgesetzt wird: Ein Treuhandausschuss, dem zwei externe Bischöfe, Generalvikare und Finanzdirektoren angehören, soll künftig die Finanzen des Erzbistums kontrollieren. SZ 10.3.2003 - eine finanzielle Entmündigung!

2. Der Umfang des Finanzskandals

Die seit 1996 erforderliche Kreditaufnahme zur Deckung der jährlichen Haushalte hat sich demnach auf die Summe von 104 Millionen Euro addiert.
Das Erzbistum trägt außerdem noch

Zins- und Tilgungsleistungen für einen Caritas-Investitionsfonds in Höhe von 22 Millionen Euro und verbucht eine Unterdeckung in seinem Pensionsfonds in gleicher Höhe, insgesamt also eine Schuldenlast von € 148 Mio. Bei jährlichen Kirchensteuereinnahmen von rund 63 Millionen Euro ist ein Ausweg nach Meinung des Kardinals aus eigener Kraft nicht mehr möglich. Harte Maßnahmen zur Konsolidierung des Haushalts und zum möglichst schnellen Abbau der Schulden sind unumgänglich. Da der Bistumshaushalt zum größten Teil aus Personalausgaben besteht, ist eine drastische Reduzierung von Stellen geplant. Von den rund 2.700 Vollzeitstellen (die sich auf insgesamt 3.800 Mitarbeiter verteilen) sind mehr als 1.500 durch öffentliche Mittel refinanziert, so daß Kürzungen in diesem Bereich wenig einbringen. Deshalb ist vor allem ein Abbau bei den 1.200 Stellen, die durch die Kirchensteuern bezahlt werden, um etwa 38 Prozent vorgesehen. Dies heißt konkret, daß in den nächsten vier Jahren rund 140 Vollzeitstellen in der Verwaltung sowie in der so genannten kategorialen Seelsorge für besondere Zielgruppen und weitere 300 in den Pfarrgemeinden des Erzbistums entfallen sollen. Bei den verbleibenden Mitarbeitern soll... geprüft werden, "ob tarifliche Gehaltserhöhungen und die Zahlung des Weihnachtsgeldes über fünf Jahre ausgesetzt werden können, um so den Abbau von weiteren 75 Vollzeitstellen zu verhindern". Diese Kürzung solle alle Ebenen des Erzbistums einbeziehen. Gemeinden zusammenlegen, Kirchen vermieten Die Einsparung von Personal soll unter anderem dadurch möglich werden, daß Kirchengemeinden zusammengelegt werden.

Außerdem soll es dadurch zu Kosteneinsparungen durch Nichtbewirtschaftung oder Veräußerung von nicht mehr benötigten Pfarrhäusern und Gemeinderäumen kommen. Die Aufgabe von Kirchen werde aber "die Ausnahme bleiben", betonte Sterzinsky. So gebe es in der Innenstadt zu viele und zu große Kirchen, während in den Berliner Stadtrand-Gemeinden die Entwicklung eher gegenläufig sei. Der Erzbischof fügte hinzu, daß eine profane Nutzung solcher nicht mehr benötigter Kirchen "jetzt noch" ausgeschlossen werde, er sei aber bereit zu Gesprächen mit Kirchen anderer christlicher Konfessionen, die ihrerseits auf der Suche nach geeigneten Gotteshäusern seien. In den nächsten Monaten sollen die beschlossenen Maßnahmen konkretisiert und im Detail geplant werden. Sicher ist bereits der Verkauf von drei Bildungshäusern am Wannsee. Die Immobilien sollten ebenso verkauft werden wie etwa Mietshäuser in Kirchenbesitz, um damit die aufgelaufenen Schulden zu tilgen. Zeitecho 31.1.2003

3. Hintergrundaspekte der finanziellen Misere

".... Als die Mauer fiel und Berlin Hauptstadt wurde, hofften sie (die Berliner Katholiken) auf bessere Zeiten - und auf viele Glaubensbrüder aus dem Rheinland, deren Steuergelder die leeren Kassen füllen würden. In der Euphorie des Anfangs sanierten die Christen ihre Kirchen und schufen mehr Plätze in den katholischen Schulen, in der Hoffnung, die rheinischen Eltern würden ihre Kinder vornehmlich in diese schicken. Vgl. Zeitecho 31.1.2003. Insgesamt wurden in Zeiten hoher Immobilienpreise unnötig viele Gebäude erworben", vgl. FR 3.3.2003

".....Vor allem macht den Kirchen zu schaffen, dass ihnen weniger Einnahmen, aber mehr Aufgaben zuteil werden - zum Beispiel die der Repräsentation. Schließlich sind mit dem Regierungsumzug Politiker und Lobbyisten nach Berlin gekommen. Bei vielen Anlässen darf auch die Kirche nicht fehlen, und so lautet die Frage: Wer ist der höchste Geistliche am Ort? Bis zu fünf Einladungen an einem Tag erhalte Kardinal Sterzinsky, die er stellvertretend für die katholische Kirche wahrnehmen solle, sagt Herzig. Daher plädieren die Berliner schon lange Inzwischen endgültig vergeblich) dafür, dass die Bischofskonferenz vom Rhein an die Spree umzieht.

"In den vergangenen Jahren (hatten die Kirchen wie die Stadt) mit zwei eigenständigen Verwaltungen zu kämpfen. Schließlich waren Erzbistum und Landeskirche zu DDR-Zeiten faktisch geteilt. Diese Doppelverwaltung abzubauen, kostet Geld. Auf der Haben-Seite wirkt sich der neue Status Berlins indes nicht übermäßig positiv aus. Zwar sind die Einnahmen an Kirchensteuer in der Hauptstadt relativ hoch, doch dürfen die Berliner das Geld nicht ganz für sich behalten. Diesen Umstand hat Berlin dem Steuerrecht zu verdanken: Danach nämlich wird die Kirchensteuer am Ort des Arbeitsplatzes eingezogen, verbleibt aber letztendlich am Ort des ersten Wohnsitzes. Und viele Bonner, die mittlerweile an die Spree gekommen sind, haben ihren ersten Wohnsitz am Rhein behalten. Christiane Wirtz

Kardinal Sterzinsky "hat auch die Misere mitverursacht... Nicht nur der Kapitalismus, auch der Haushalt des Bistums blieb ihm fremd.... Er stoppte auch nicht seinen damaligen Finanzchef (aus der Zeit um 1995), als der Löhne und Gehälter mit Krediten finanzierte", SZ 11.3.03.

Die Deutschen Bischöfe bekundeten auf der Frühjahrsvollversammlung in Freising ihre Bereitschaft zur Hilfe. Gedämpft wird ihre Hilfsbereitschaft aber, weil der Kardinal in einem Interview mit der Katholischen Nachrichtenagentur zugegeben hatte, seit 10 Jahren von der finanziellen Schieflage gewusst zu haben. SZ 11.3.03