Das Allgemeine Sonntagsblatt - Das Flaggschiff

.... auf Grund gelaufen

Schon lange war das einstige publizistische "Flaggschiff" der EKD, das Deutsche Allgemeine Sonntagsblatt, zu einem wenig seetüchtigen "Seelenverkäufer" heruntergekommen. Den "Reedern" war der 51 Jahre alte Kahn aber so ans Herz gewachsen, dass sie die durchgerosteten Stellen jahrelang immer wieder mit Millionenaufwand übertünchten. Seit 1970 kostete das den Kirchensteuerzahler mindestens 165 Millionen Mark. Es half nichts: Die früher meist gut betuchte Klientel - Ärzte, Rechtsanwälte und andere Selbständige - blieb aus. Obwohl man immer wieder nichtzahlende Passagiere mit an Bord schickte, konnte sich das angeschlagene Schiff nicht mehr durch die hohe See der deutschen Wochenpresse retten. Die Zahl der Passagiere (Abonnenten) schrumpfte in den letzten zehn Jahren von 120.000 - viele wurden damals auch von "Drückerkolonnen" geworben - auf 47.000. Davon sind heute weniger als 15.000 bereit, die Passage zu bezahlen.

..... Es stimmt nicht, wenn in der EKD-Synode in Leipzig behauptet wurde, die wahre Zahl der zahlenden Passagiere sei nicht bekannt gewesen. Seit einem Jahrzehnt haben Kritiker immer wieder ernstzunehmende Hinweise auf die geringe Zahl der "wirklichen" Abonnenten vorgetragen. Man wollte ihnen nicht glauben. Wobei man zugute halten muss, dass es offenbar bis zuletzt schwer war, die Finanzen zu durchschauen. Ruth Leuze, Mitglied des Rates der EKD: Die zur Sanierung eingesetzte Arbeitsgruppe musste "anfangs viel Zeit darauf verwenden, die Art und Weise der Verbuchung des EKD-Zuschusses beim Sonntagsblatt zu erurieren und die Auflagenzahl des Blattes genau und differenziert zu ermitteln". Welch hohe Verluste das Sonntagsblatt insgesamt eingefahren hat, wird der Öffentlichkeit wohl weiter verborgen bleiben. Der Betrag von 45 Millionen Mark, den der Süddeutsche Verlag jetzt aus dem "Verlustvortrag" des Sonntagsblattes in Anspruch nehmen kann, lässt aber ahnen, dass das Minus - zusätzlich zu den Millionensubventionen - bei rund hundert Millionen liegen muss.

Aus: www.idea.de, 15.11.1999

...... und saniert auf Kosten aller Steuerzahler?

Das Sonntagsblatt wird ab Mitte kommenden Jahres eingestellt und danach mindestens fünf Jahre lang als Monatsbeilage der Süddeutschen Zeitung und, so die Auflage der Synode, mindestens einer weiteren überregionalen Tageszeitung, die mehr den norddeutschen Raum abdeckt, fortgeführt. Interessant sind die Annahmen, die den finanziellen Rahmen betreffen: Der Süddeutsche Verlag, der bereits 50% des Hansischen Druck und Verlaghauses (dieses ist im Besitz verschiedener Landeskirchen) hält, übernimmt zu einem symbolischen Preis auch die zweite Hälfte. Der Vorteil für die Süddeutsche Zeitung: Sie kann über einen Zeitraum von fünf Jahren die Verluste des Sonntagsblattes abschreiben (vgl. FR 8.11.99).

Sie muss die Abschreibungsgewinne jedoch, das ist eine weitere Bedingung, vollständig in den kirchlichen Zweck, also die Neugestaltung der neuen Monatsbeilage investieren. Der Verlustvortrag, mit dem die Süddeutsche Zeitung Steuern spart, wird auf 45 Mio. beziffert.

Die EKD fordert weiterhin eine Freistellung von Kosten für jeglichen Fall der Einstellung des Nachfolgeobjektes nach Verbrauch des Steuervorteils, also nach fünf Jahren.

Sie kann nach eigenen Angaben ihre bisherigen Subventionen von derzeit neun Millionen um die Hälfte auf 4,5 Mio. absenken.