Evangelische Kirche saniert sich auf Kosten aller Steuerzahlenden

Das Allgemeine Sonntagsblatt,

vor 52 Jahren von Bischof Lilje begründet, zu seinen besten Zeiten mit einer Auflage von 120 000 Expl., überlebte seit Beginn der 90er Jahre nur noch Dank großzügiger Zuschüsse seitens der EKD. 1990 übernahm der Süddeutsche Verlag 50 Prozent des Hansischen Druck- und Verlagshauses und sicherte so der finanziell schwächer werdenden Kirche die Existenz ihrer Zeitung. Inzwischen versagte die EKD weitere Subventionen, und das Erscheinen des Allgemeinen Sonntagsblattes mit zuletzt 46 000 Expl. wurde eingestellt. Die Nachfolgelösung sieht so aus:

Ein Monatsmagazin namens Chrisma wird mit einer Auflage von 1,3 Mio Expl. der Frankfurter Rundschau, der Süddeutschen Zeitung, der Sächsischen Zeitung und der Wochenzeitung Die ZEIT beiliegen. Erst-Erscheinungstag: 16.Okt. 2000.

Das Finanzierungskonzept: Das Hansische Druck- und Verlagshaus wird 100% Tochter des Süddeutschen Verlages. Die "Verlustvorträge" in Höhe von 45 Mio Mark, die das Unternehmen Sonntagsblatt mit bringt, werden dem Süddeutschen Verlag steuerliche Gewinne einbringen, die dieser laut Vertrag in Chrisma investiert. Auf diese Weise ist Chrisma erst einmal für 5 Jahre gesichert. Die EKD wird ihrerseits einen gleich hohen Betrag von ca. 4,5 Mio pro Jahr , also insgesamt mehr als DM 20 Mio beisteuern.

Kommentar: 

Das Ganze ist natürlich völlig legal, basiert auf unserer Steuergesetzgebung und jedes Wirtschaftsunternehmen, das fusioniert, würde es genau so machen. Ob es allerdings legitim ist, dass sich eine Kirche ihr wirtschaftliches Minus von allen Steuerzahlenden zurückzahlen lässt, kann man wohl bezweifeln. Solche Praktiken veranlassen immer mehr Steuerzahlende, eine sauberere Trennung von Staat und Kirchen zu fordern.