Deutsche Bundesstiftung Umwelt subventioniert Kirchengemeinden

1. Trier/Mainz -  ..... Auf Einladung des Leiters des Katholischen Büros Mainz erörterten ...  Mitte Dezember in Mainz die Umweltbeauftragten der rheinland-pfälzischen Bistümer zusammen mit Vertretern der Finanzverwaltungen und Diözesanbauämter die Wirtschaftlichkeit kirchlicher Solaranlagen zur Stromerzeugung. Sie waren sich einig, dass Pfarrgemeinden und andere katholische Einrichtungen verstärkt auf die geförderten Solarprojekte setzen sollten.....  

Dr. Manfred Sauer, Referent für Umweltökonomie im Mainzer Umweltministerium, erläuterte die betriebswirtschaftliche Seite von Solarprojekten. Ausgehend von der gesetzlichen Einspeisungsvergütung von 99 Pfennig pro Kilowattstunde nach dem Gesetz für den Vorrang Erneuerbarer Energien vom 29. März 2000 legte er dar, dass solche Solaranlagen nicht nur kostengünstig arbeiten würden, sondern sogar nach Ablauf der Kapitalabschreibung einen Gewinn abwerfen würden. Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt fördere Solaranlagen von Kirchengemeinden auf kirchlichen Gebäuden wie Kirchen, Pfarrhäusern, Gemeindesälen, Kindergärten oder Altenheimen in der Regel mit 50 Prozent der Investitionskosten. Unter Einrechnung des Kapitaldienstes für den Eigenanteil, der zu erwartenden Umsatzsteuererstattung und der Aufwendungen für die bauliche Unterhaltung der Anlage sei die Gewinnschwelle nach etwa sieben bis acht Jahren erreicht. Für Schulen in kirchlicher Trägerschaft ergebe sich durch die zusätzliche Landesförderung des rheinland-pfälzischen Wirtschaftsministeriums eine noch erheblich günstigere Finanzierung.

Die Teilnehmer der Tagung stimmten überein, dass die Pfarrgemeinden und Träger kirchlicher Einrichtungen in ihren Diözesen nochmals ermuntert werden sollen, von der großzügigen Fördermöglichkeit der Deutschen Bundesstiftung Umwelt Gebrauch zu machen. "Dadurch kommen sie nicht nur dem christlichen Auftrag zur Bewahrung der Schöpfung nach, sondern erschließen sich zugleich finanzielle Spielräume für andere kirchliche Aufgaben", hieß es zum Abschluss des Treffens...  

2. Die Mittel der Initiative wurden wegen der hohen Interesses der Gemeinden inzwischen von 10 Mio auf 20 Mio verdoppelt. Die Förderung endet am 31.12.2002. Sie ist  auf max DM 70.000 und 50 Quadratmeter pro Anlage begrenzt, um vielen Gemeinden den Zugang zu ermöglichen. Es werden solche Gemeinden bevorzugt behandelt, die schon jetzt ihre Gebäude energiebewußt ausgestattet haben. Inzwischen liegen 78 Anträge aus Baden-Württemberg vor, 64 aus Nordrhein-Westfalen und 51 aus Bayern.

"Wir haben dieses Programm ins Leben gerufen, um die Vorbildfunktion der Kirchen bei den Bürgern für den Bereich Umwelt zu nutzen" erklärte Fritz Brickwedde, Generalsekretär der Umweltstiftung. (Original ohne Fettdruck)

Kirche und Leben, 7.1.2001

 

Kommentar: Es fällt auf, 

- dass die Kirchen staatlicherseits freundlicher behandelt werden als andere soziale Gruppen,
- dass die Kirchen offensichtlich erst durch massive finanzielle Subventionen zu Aktivitäten angetrieben werden, die zu ihrem ureigensten Aufgabengebiet gehören
- dass alle Steuerzahlenden, auch Nicht-Kirchenmitglieder, herangezogen werden, um einen originär christlichen Auftrag zu erfüllen
- dass das Ganze finanztechnisch so konstruiert ist, daß es sich für die Kirchen nicht nur ideel lohnt, sondern auch finanziell noch lukrativ ist
- dass erneut eine Variante der "Wunderbaren Immobilienvermehrung" bei den Kirchen zu erkennen ist: die Solaranlagen gehen selbstverständlich in das Vermögen der jeweiligen Pfarrei/Gemeinde über.

Friedrich Halfmann