Der Bundesrechnungshof kritisiert:

Bundeswehr kümmert sorgt sich zu wenig um ihre Kruzifixe und Messkelche

 Zugegeben, der Bundesrechnungshof hat der Bundeswehr noch ganz andere Verfehlungen zur Last gelegt, z.B. die Fehlplanung eines ganzen Raketenabwehrsystems gegen Panzer, aber auch kleinere Mängel wie etwa bei der Bewachung von Munitionsbeständen. Dass sich die Bundeswehr aber auch um Messkelche kümmern muss und Fehlinvestitionen bei den Paramenten zu verantworten hat, ist eine Kuriosität. Der Bundesrechnungshof schrieb in seinem Jahresbericht 2002, S. 211ff:

58.0 Lagerung von Kultgegenständen (Kap 1417)

Für den Einsatz im Verteidigungsfall lagerten jahrzehntelang mehr als 300 unvollständige Kultgeräteausstattungen für katholische und evangelische Geistliche mit einem ursprünglichen Beschaffungswert von mehr als 2Mio. DM (rd. 1 Mio. EUR) in einem Heeresdepot. Der Lagerungscode kennzeichnete den Zustand der Ausstattungen als "nicht bekannt", ....

58.1 ..... Das Prüfungsamt des Bundes Köln stellte anlässlich einer Prüfung nicht nutzbarer Depot-Bestände im Jahre 2001 fest, dass mehr als 300 unvollständige Sätze dieser Ausstattungen mit einem Gesamtbeschaffungswert von rd. 2,1 Mio. DM (rd. 1,1 Mio. EUR) schon jahrzehntelang in einem Gerätehauptdepot des Heeres lagerten. Sie waren mit einem Code versehen, der sie als Material auswies, "dessen Ausgabe aufgrund besonderer Vorkommnisse oder Sperrverfügungen zwecks Zustandsbestimmungen oder Untersuchung gesperrt wurde, weil der tatsächliche Zustand nicht bekannt ist." Es war weder bekannt, warum die Ausstattungen unvollständig waren, noch, ob ein Bedarf für sie bestand. Auch waren keine Maßnahmen eingeleitet worden, um die Ausstattungen wieder zu komplettieren, auszusondern oder zu verwerten.

58.2 Der Bundesrechnungshof hat darauf hingewiesen, dass die Bewertung der Kultgeräteausstattungen zu Anschaffungskosten auf dem Preisniveau vor 1960 beruhe. Unter Berücksichtigung der Preissteigerungen seit 1956 und wegen der fehlenden Abnutzung solcher Ausstattungen sei der heutige Zeitwert deutlich höher als 2,1 Mio. DM (rd. 1,1 Mio. EUR) anzusetzen. Er hat kritisiert, dass die Ausstattungen mit einer kodierten Sperrverfügung für die Ausgabe versehen waren, obwohl nicht bekannt war, warum sie nicht ausgegeben werden konnten. Der Bundesrechnungshof hat gefordert zu klären, warum Teile der für den Verteidigungsfall eingelagerten Ausstattungen entnommen wurden bzw. fehlten, und welchen Wert diese Teile haben.... Auf eine Nachbeschaffung werde jedoch bis zur Ermittlung des Gesamtbedarfs verzichtet. Das Bundesministerium hat darauf hingewiesen, dass der künftige Bedarf nur durch das jeweilige Kirchenamt festgelegt werden könne. Umfang und Zusammenstellung des für die Militärseelsorge im Einsatzfall bereitzuhaltenden Materials seien abhängig von der Anzahl der Militärgeistlichen nach der eingeleiteten Umstrukturierung der Streitkräfte. Die notwendigen Bemessungsgrundlagen lägen aber noch nicht vor.

Für die Festlegung des notwendigen Inhalts der Kultgeräteausstattungssätze sei eine Überprüfung der einzelnen Po-sitionen durch einsatzerfahrene Militärpfarrer unabdingbar....

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