Das Brutto-Besteuerung als Maßstab für die Kirchensteuer ist endgültig vom Tisch

Nach Auskunft der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung haben sich sowohl die Evangelische Kirche in Deutschland als auch die katholische Deutsche Bischofskonferenz definitiv von der bruttolohn-bezogenen Kirchensteuer distanziert. Als Gründe wurden angegeben: es handele sich um ein neues Kirchensteuermodell, es sei viel zu kompliziert und würde nur zu mehr Ungerechtigkeit und Bürokratie führen (Rudolf Hammerschmidt, Sprecher der kath. Bischofskonferenz). Der Vizepräsident der EKD, Herrmann Barth führte aus: für solche Notoperationen gebe es keine Notwendigkeit. Die finanzielle Situation sei nicht so dramatisch wie sie zuweilen beschworen werde. In 1998 seien die Kirchensteuereinnahmen sogar wieder gestiegen. Barth sieht ´auf Jahre nicht, dass es irgendwelche Gründe gibt, das bisherige System der Kirchensteuer umzukrempeln´.

Welche Konsequenzen diese eindeutige Absage der beiden großen Kirchensteuer-Kirchen für die Ministerpräsidenten Beck und Koch und etliche Länderfinanzminister haben, die den Kirchen mit ihrem Vorschlag einer bruttolohn-bezogenen Kirchensteuer zu Hilfe eilen wollten, ist noch unklar. Sie könnten sich ´gezwungen´ sehen, die Kirchen in ihrem jeweiligen Länderbereich direkt zu subventionieren, z.B. im Kindergartenbereich. Das wiederum könnte den Kirchen nur recht sein.

SZ und FR vom 28.7.1999