Baptistenpastor: Kirchensteuer ist ein Fehler

B e r l i n (idea) – Die evangelischen Landeskirchen begehen einen Fehler, wenn sie die Kirchensteuer nicht durch freiwillige Mitgliedsbeiträge ersetzen. Diese Ansicht vertritt der Pastor der Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinde (Baptisten) in Berlin-Schöneberg, Michael Noss.

Michael Noss

In einem Gastkommentar für die evangelische Wochenzeitung „die Kirche“ (Berlin) schreibt er: „Freiwilligkeit gehört zum Glauben, zur Kirchenmitgliedschaft und auch zum Geldgeben.“ Kirchen, die Kirchensteuern erheben, stützten sich auf Menschen, die oft nur nominell zu ihnen gehörten. „Wenn aber heute Ortsgemeinden etwas bewegen wollen, haben sie längst über die Kirchensteuer hinweg auf freiwillige Beiträge engagierter Menschen zurückgegriffen“, so Noss. Daher sehe er auch für die Landeskirchen einen Weg in eine Zukunft ohne Kirchensteuer. Die beiden Großkirchen in Deutschland lassen über die Finanzämter von ihren Mitgliedern Kirchensteuer einziehen. Diese beträgt regional unterschiedlich acht bzw. neun Prozent der Lohn- bzw. Einkommenssteuer. Durch diese Koppelung schlagen sich auch Konjunkturschwankungen und die staatliche Steuerpolitik in den Kirchenkassen nieder. Die Großkirchen rechnen vor allem auf Grund der sinkenden Bevölkerungszahl mit rückläufigen Kirchensteuereinnahmen, wollen aber an dem System festhalten, da es berechenbar, verläßlich und sozial gerecht sei. Im vorigen Jahr nahmen die 23 Landeskirchen von ihren 25,6 Millionen Mitgliedern rund 3,6 Milliarden Euro Kirchensteuern ein. Die kleineren Freikirchen finanzieren sich hingegen aus freiwilligen Beiträgen und Spenden. Die Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde Berlin-Schöneberg ist die größte Berliner Baptistengemeinde. Über ein eigenes Diakoniewerk betreibt sie Krankenhäuser und Altersheime. Daneben ist die Gemeinde auch am Sender „98.2 Radio Paradiso“ finanziell beteiligt.

IDEA, 04.08.2006 (09:18)