Kirchenrechtler Lüdecke nennt Zapps Position «sehr einleuchtend»

 

Stuttgart (KNA) Der Bonner Kirchenrechtler Norbert Lüdecke hält die Position seines Freiburger Kollegen Hartmut Zapp im Streit um die Bewertung eines Kirchenaustrittes für «sehr einleuchtend». Falls Zapp jetzt noch einmal ohne Zusatz aus der Kirche austreten würde, hätte der Freiburger Erzbischof Robert Zollitsch erneut das Problem, diesen Austritt bewerten zu müssen, sagte Lüdecke am Mittwoch in einem Interview der «Stuttgarter Nachrichten».

Im Hintergrund der Auseinandersetzung steht Zapps Kritik an der deutschen Verwaltungspraxis des Kirchenaustritts. Er argumentiert, die deutschen Bischöfe ignorierten weltkirchliche Regelungen. Rom habe 2006 klargestellt, dass ein vor staatlicher Stelle erklärter Austritt nicht für eine Exkommunikation, also die Aberkennung aller kirchlichen Rechte, ausreiche.

Diese Auffassung vertritt in dem Interview auch Lüdecke. Die deutschen Bischöfe gingen von einer Koppelung zwischen dem Kirchenaustritt vor staatlichen Instanzen und einem Kirchenabfall aus. Die römische Position sei aber, dass der Austritt vor staatlichen Instanzen nicht die Grundlage für innerkirchliche Sanktionen sein könne. «Erst recht kann man nicht, wie die deutschen Bischöfe dies meinen tun zu können, solche Ausgetretene für exkommuniziert halten», so der Bonner Wissenschaftler wörtlich. Auch der Freiburger Kirchenrechtler Georg Bier hatte in dieser Frage Sympathie für Zapps Auffassung erkennen lassen.

Die Richter des Verwaltungsgerichtshofs Baden-Württemberg (VGH) hatten am Dienstag Zapps Kirchenaustritt für ungültig erklärt. Der VGH entschied, das Kirchensteuergesetz Baden-Württemberg lasse den von Zapp angestrebten «modifizierten Kirchenaustritt» nicht zu, sondern verlange eine eindeutige Erklärung ohne Bedingungen und Zusätze. Wer den Austritt auf die Körperschaft des öffentlichen Rechts beschränke, aber in einer «auch für den Staat erkennbaren Weise» aktives Mitglied der Kirche bleiben wolle, verstoße gegen das Kirchensteuergesetz, so der VGH. Zapp hatte im Vorfeld des Urteils angedeutet, die zugrundeliegenden Fragen nun in einem kirchenrechtlichen Verfahren im Vatikan klären zu lassen.

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05.05.10