Deutsche Bischöfe im Ungehorsam gegenüber der päpstlichen Autorität?

Auszüge aus : www.kath.net vom 18. Juli 2007,

Knalleffekt in Deutschland: Kirchenrechtler Zapp tritt vor staatlicher Behörde aus der Kirche aus und erklärt vor der Kirche, dass er diese nicht verlassen will - Schwere Kritik an der Deutschen Bischofskonferenz.

Berlin (www.kath.net) Die Diskussion rund um das Kirchensteuersystem in den deutschsprachigen Ländern bekommt eine neue Dimension. Der deutsche Kirchenrechtler Hartmut Zapp ist vor wenigen Tagen vor einer staatlichen Behörde aus der Kirche ausgetreten wie KATH.NET erfahren konnte. Gleichzeitig gab der Kanonist den Kirchenbehörden bekannt, dass er die Kirche nicht verlassen möchte. Er wolle nur aus der Körperschaft des öffentlichen Rechts austreten. Mit dem Austritt möchte Zapp die Widersprüchlichkeit zwischen der römischen Anordnung zum "Kirchenaustritt" und der Antwort der deutschen Bischöfe aufzeigen. In Zukunft möchte Zapp der Kirche 0,8 Prozent der Einkommenssteuer zukommen lassen. Er folgt damit dem italienischen Modell.

In der Zeitschrift „Kirche und Recht“, die vom Kirchenrechtler Zapp an KATH.NET übermittelt wurde, übt er schwere Kritik an der Reaktion der deutschen Bischöfe auf das Schreiben des Päpstlichen Rates für die Interpretation von Gesetzestexten, das an alle Bischofskonferenzen weltweit ergangen war und schreibt in einem umfassenden Aufsatz, dass die deutschen Bischöfe mit der Gleichsetzung von Körperschaftsaustritt und „Trennung von der Kirche“ in direktem Gegensatz zur römischen Interpretation stehen...

Zapp, ein international anerkannter Kanonist und Rechtshistoriker, der bis 2004 an der theologischen Fakultät der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg unterrichte, analysiert in dem umfassenden Artikel das Schreiben aus Rom und die Reaktion der deutschen Bischöfe und kommt zur Auffassung, dass der Versuch der deutschen Bischöfe, ihre „unangemessenen Kirchensteuerforderungen“ durch ein weiteres Festhalten an dessen Umdeuten in einen „Austritt aus der Kirche“ mit Hilfe von Rechtsentzügen und Androhung schwerster Kirchenstrafen durchzusetzen, gegen allgemeines kanonisches Recht verstöße.

Wörtlich schreibt Zapp in dem KATH.NET vorliegenden Artikel: „Ein Körperschaftsaustritt aus steuerlichen Gründen kann nicht als Verstoß gegen die in den genannten einschlägigen kirchlichen Bestimmungen festgelegte Verpflichtung gewertet werden- vorausgesetzt, es wird eine Unterstützung in etwa der Höhe der durchschnittlichen Kirchenbeiträge in vergleichbaren westeuropäischen Ländern geleistet. Bei den genannten Canones handelt es sich grundsätzlich um Rechtsverpflichtungen aller Gläubigen, zum Unterhalt der Kirche beizutragen. Nicht gedeckt von der Norm des can. 1262, wonach „die Gläubigen der Kirche durch erbetene Unterstützung Hilfe gewähren“ sollen, sind jedoch gegenüber den in vergleichbaren Ländern verlangten Abgaben die von den deutschen Bischöfen geforderten um das Zehnfache höheren Kirchernsteuern.“

Für den Kirchenrechtler wirkt „die undifferenzierte Androhung vor allem des Ausschlusses vom Sakramentenempfang, der de facto den wesentlichen Inhalt der schwersten Strafe bildet, der Exkommunikation“ besonders befremdend. „Der deutsche Episkopat kann den bloßen Körperschaftsaustritt nicht mehr zum Abfall von der deutschen Kirche durch formalen Akt umdeuten, .... 

Abschließend verweist der Kanonist in dem Aufsatz auf Joseph Kardinal Ratzinger selbst, der schon vor Jahren im Buch „Salz der Erde“ gemeint hatte: „Vielleicht könnte in Zukunft einmal der Weg in die Richtung des italienischen Modells gehen, das zum einen einen viel niedrigeren Hebesatz hat, zum anderen aber- da scheint mir wichtig- die Freiwilligkeit festhält.“