"Kirchenaustritt" ist nicht automatisch Schisma

Jetzt wurde mit einem Vortrag bei einem kirchenrechtlichen Symposion in München über die "kirchenstrafrechtlichen Aspekte des vor dem Staat vollzogenen Kirchenaustritts" Klarheit geschaffen.

Der Münchner Kirchenrechtler Professor Elmar Güthoff hielt zwar daran fest, dass die Kirche den vor dem Staat erklärten "Austritt aus der Kirche" nicht sanktionslos hinnehmen müsse; stark in Frage gestellt wurde jedoch die derzeitige deutsche Regelung. Prof. Dr. Dr. Elmar Güthoff ist Ordinarius für Kirchenrecht, insbesondere für Eherecht, Prozess- und Strafrecht sowie Staatskirchenrecht, an der katholisch-theologischen Fakultät der Universität München und "Fachvertreter Kirchenrecht" an der katholisch-theologischen Fakultät der Universität Augsburg.

Wer wegen Häresie (Leugnung einer Glaubenswahrheit), Apostasie (völliger Abfall vom Glauben) oder Schisma (Lossagung von der kirchlichen Leitung durch Papst und Bischof) vor dem Staat seinen "Kirchenaustritt" erkläre, sei automatisch exkommuniziert. Und dies sei zweifellos häufig der Fall.

Güthoff fragte aber an, ob eine solche Motivation beim "Kirchenaustritt" zwingend vorauszusetzen sei. Wer die drei Bande des Glaubens, der Sakramente und der kirchlichen Gemeinschaft nicht durchschneiden wolle und nur aus Kirchensteuergründen seinen "Kirchenaustritt" erkläre, gerate nicht ins Schisma und werde demzufolge auch nicht exkommuniziert.

Exkommunikation tritt in vielen Fällen nicht ein

Als Beispiel nannte Güthoff italienische oder spanische Gastarbeiter, die mit der ersparten Kirchensteuer ihre Heimatpfarrei in Italien bzw. Spanien unterstützten. In diesem Falle sei die Verweigerung der Kirchensteuerzahlung nicht als Schisma zu deuten und der "Kirchenaustritt" auch nicht von Exkommunikation bedroht.

Dies gelte auch für andere Konstellationen, beispielsweise in der Schweiz, wo Katholiken den "Kirchenaustritt" erklärten, damit das Geld nicht der so genannten "römisch-katholischen Landeskirche" zufließe, sondern die Gläubigen ihre finanzielle Unterstützung direkt dem Bischof zuleiten könnten.

Da inzwischen allgemein bekannt sei, dass viele nur aus Kirchensteuergründen austräten, würde "in vielen Fällen nach der Erklärung des Kirchenaustritts die Tatstrafe der Exkommunikation nicht eintreten und daher auch nicht festgestellt werden können", so Güthoff.

19. Mai 2010, http://www.kath.net/detail.php?id=26757

Das Symposion unter dem Thema "Der Kirchenaustritt im kirchlichen und im staatlichen Recht", veranstaltet vom Klaus-Mörsdorf-Studium für Kanonistik der Katholisch-Theologischen Fakultät, Universität München, 11. - 12. Mai 2010

http://www.kath.net/detail.php?id=26757