Der sog. "Kirchenaustritt"

Gedankensplitter

Es gibt zwar keinen Kirchenaustritt - jeder "Austritt" aus der Kirche wird aber gnadenlos bestraft. Es gibt zwar keinen Wiedereintritt - jeder "Eintritt" wird aber von den Kirchen euphorisch gefeiert.

Fragen Sie einen niederländischen Katholiken, wie man aus der Kirche austritt - dann wird er Sie verständnislos anschauen. Er weiß nicht einmal, wovon Sie reden. Auch Belgiern erginge es so, ebenso Franzosen, Engländern, Spaniern und Iren und Menschen in weiteren 173 Staaten dieser Erde.  "Austreten" können allein deutsche ChristInnen,  weil bestimmte staatliche Gesetze (der Bundesländer) Solches vorsehen.

Das Grundgesetz garantiert den Kirchen : "Jede Religionsgesellschaft ordnet und verwaltet ihre Angelegenheiten selbständig ....." GG140 (Art 137 WRV (3).  Dies lassen sich die beiden Kirchensteuerkirchen auch immer wieder von deutschen Gerichten bestätigen, vor allem bei Arbeitsgerichtsprozessen. Da wundert es doch, dass dieselben Kirchen den Kirchenaustritt nicht selbst organisieren, z.B. auf dem Pfarramt. Sie lassen sich dies vom Staat besorgen..  

Es gehört zu den grundlegenden, konfessionsübergreifenden und völlig unstrittigen Überzeugungen aller christlichen Kirchen, dass die Kirchenmitgliedschaft  mit der Taufe beginnt und nicht beendet  werden kann, nicht auf dem Pfarramt oder vor dem Presbyterium und erst recht nicht durch eine Unterschrift vor dem Amtsgericht oder Standesamt!

Infolge einer permanenten Falschinformation der Kirchenleitungen ist es diesen gelungen, gerade in ihren treuesten Mitgliedern die Überzeugung zu erzeugen und aufrecht zu erhalten, die Zahlung der Kirchensteuer sei gleichbedeutend mit der Kirchenmitgliedschaft. Nach unaufhörlicher Desinformation glauben sie es inzwischen selbst: "Wer keine Kirchensteuer zahlt, gehört nicht mehr zur Kirche".

Den Kirchen ist der geniale Trick gelungen, die Falschmeldung bezüglich der Bedeutung der Zahlung von Kirchensteuer so in den Köpfen, den Herzen und der Psyche ihrer Mitglieder zu verankern, dass diese nur mit allen Anzeichen von Panik den Gedanken bei sich zulassen können, auf dem Amtsgericht den "Austritt" zu vollziehen. Sie würden sich und anderen manch wirkliche Vergehen eher verzeihen, als einen solchen Schritt, der doch nur eine bestimmte Form der finanziellen Unterstützung der Kirchen beendet.

Nur folgerichtig ist es, dass die kirchlichen Amtsträger nun selbst Opfer ihrer eigenen Fehlinformationen geworden sind: Sie glauben jetzt selbst, was sie oft genug falsch verkündet haben. 

Dass sich Pfarrer und Bischöfe über jeden Rückkehrer zur Kirchensteuer freuen, kann man ihnen nicht verdenken. Mögen dessen Motive noch so ungeklärt sein, er füllt in jedem Fall die Kasse seiner Kirche. Dass aber die Rückkehr des Geldzahlers als "Wiedereintritt" bezeichnet, dieser Vorgang in einen gottesdienstlichen Rahmen eingebettet, die Wiederaufnahme von Geldzahlungen mit der professio fidei, dem Glaubensbekenntnis, gekrönt und anschließend der Rückkehrer in der Statistik offiziell wieder als Kirchenmitglied geführt wird, das entbehrt jeder Logik. Es sei denn, die Amtsträger messen dem Geld doch eine größere Heils-Bedeutung zu, als sie es stets behaupten.

Wem sollen wir also glauben, den Worten oder den Taten der Kirchen?

Friedrich Halfmann