Tipp: Ermäßigung der Kirchensteuer

Auf die Einkommensteuer, die für den steuerpflichtigen Teil der Abfindung berechnet wird, müssen Kirchenmitglieder natürlich auch Kirchensteuer zahlen. Wussten Sie, dass die Kirchen durchaus bereit sind, auf Antrag auf diese Kirchensteuer einen Erlass von 50 % zu gewähren? Wahrscheinlich nicht, denn diese "himmlische" Vergünstigung wird nirgendwo an die große Glocke gehängt.

Die katholischen Diözesen und evangelischen Landeskirchen hatten zum Thema "Erlass von Kirchensteuer bei außerordentlichen Einkünften (§ 34 EStG)" am 31. 1. / 1. 2. 1972 in Schwerte den Beschluss gefasst, dass "bei einmaligen Einkünften nach der Festsetzung eines ermäßigten Steuersatzes nach § 34 EStG auf Antrag noch eine besondere Ermäßigung der Kirchensteuer in Höhe von bis zu 50 % gewahrt werden kann". Ferner wurde dieses Thema wieder behandelt am 6. / 7. 5. 1992 in Marienheide und dabei vereinbart: "Die Sitzungsteilnehmer sprechen sich dafür aus, die Kirchensteuer um 50 % zu reduzieren." Diese und weitere Einzelheiten hat das Finanzgericht Nürnberg recherchiert und der Fachwelt bekannt gemacht (FG Nürnberg vom 2. 2. 1995, rkr., EFG 1995 S. 691).

Anfragen unsererseits bei mehreren Diözesen und Landeskirchen bestätigten eine mehrheitliche Erlasspraxis. Es gibt aber auch Kirchensteuerämter, die einen Erlass von Kirchensteuer ablehnen.

Unser Ratschlag: Wenn Sie im vergangenen Jahr oder in den Vorjahren eine Abfindung erhalten haben, sollten Sie einen formlosen Antrag an Ihre Diözese (für Katholiken) bzw. an Ihre evangelische Landeskirche richten - nicht an das Finanzamt. Beantragen Sie einen Erlass Ihrer Kirchensteuer, die auf die Abfindung entfällt, um 50 %. Legen Sie Ihrem Antrag eine Kopie des Steuerbescheids und eine Kopie der betreffenden Gehaltsabrechnung bei. Wer im laufenden Jahr eine Abfindung erhält, stellt den Antrag im nächsten Jahr nach Erhalt des Steuerbescheides.

Aus: Grimm/Weber, Steuertips, Akademische Arbeitsgemeinschaft, Mannheim, 1998