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Betrifft uns !

Im Herbst 1990 haben sich evangelische und katholische ChristInnen aus kirchenkritischen Gruppen in Eschborn/Taunus getroffen und beschlossen, das Thema Kirche und Geld in seiner ganzen Breite aufzugreifen.

Die staatliche Kirchenfinanzierung in Deutschland hat Folgen, die nicht mit unserem Verständnis von Kirche zu vereinbaren sind. Außerdem widerspricht sie u.E. der Trennung von Staat und Kirche. Deshalb fordern wir die Entkoppelung von Kirchenmitgliedschaft und Zahlung von Zwangskirchensteuern, vgl. Antrag an die Verfassungskommission 1992.

Die Kirchensteuer steht im Mittelpunkt unseres Interesses. Sie ist nicht die einzige und nicht die wichtigste Geldquelle der Kirchen, in der Öffentlichkeit allerdings die bekannteste und am meisten umstrittene. Für die Kirchenleitungen hat sie einen hohen symbolischen Wert. Die Weigerung, Kirchensteuern zu zahlen, ja allein schon ihre Umwidmung, wird dem Austritt aus der Kirche gleichgesetzt. Selbst viele engagierte Laien erblicken in der Zahlung der Kirchensteuer eine unumgängliche Voraussetzung für ihre Kirchenmitgliedschaft und werden somit Opfer der kirchlichen Desinformation.

Zirka 100 evangelische und katholische ChristInnen in Deutschland gehören dem Verein als Mitglieder an. Weitere 200 Interessierte unterstützen uns darüber hinaus finanziell auf freiwilliger Basis. Der Mitgliedsbeitrag beträgt: 15 €.- jährlich.

Ziele des Vereins

Hauptziel ist die Entkoppelung von Kirchenmitgliedschaft und Kirchensteuerzahlung. Ferner

- informieren wir über die Problematik der gegenwärtigen Kirchensteuerpraxis
- beraten wir Christinnen und Christen, die ihre Kirchensteuer umwidmen wollen
- veröffentlichen und diskutieren wir Alternativen zur gegenwärtigen Kirchensteuerpraxis
- unterstützen wir Initiativen zur Entkoppelung von Kirchenmitgliedschaft und Zwangskirchensteuer
- gehen wir dem Missbrauch von Kirchensteuern nach

Der FONDS

Die Gründungsmitglieder haben einen FONDS umgewidmeter Kirchensteuern errichtet. "Ausgetretene" wollten ihre jetzt verfügbar gewordenen Kirchensteuergelder in Gemeinschaft mit anderen Mitgliedern gemeinsamen Projekten zukommen lassen.

FONDS-Projekte werden auf der Jahreshauptversammlung mit 2/3-Mehrheit der Stimmberechtigten jeweils für ein Kalenderjahr im voraus bestimmt. FONDS-Ziele können sein: Gruppen oder Einzelpersonen in unmittelbarer sozialer Not, kirchenkritische bzw. von den Kirchenleitungen ausgegrenzte Initiativen und einzelne Personen, die aufgrund kirchlicher Sanktionen in existentielle Not geraten (sind).

Bisherige FONDS-Projekte waren: Andheri (Indien), Leonardo Boff (Brasilien), die Pax-Christi-Arbeit in Bosnien,  das Ost-West-Europäische Frauennetzwerk OWEN und der Verein Frauenwürde e.V.
Seit einigen Jahren unterstützen wir die Karl-Rahner Akademie in Köln.

Den Mitgliedern bleibt es freigestellt, ob sie in den FONDS einzahlen oder Projekte ihrer persönlichen Wahl unterstützen möchten. In den letzten Jahren flossen je nach Projekt bis zu 7.000 Euro pro Jahr dem FONDS zu.

Die INF0S 

Der Verein gab bis 2004 zwei Mal im Jahr ein Text- und Materialheft mit jeweils ca. 64 Seiten heraus. Auf der Mitgliederversammlung am  8.10.2004 wurde das Ende der Herausgabe der INFOS beschlossen. Anfang Juni 04 ist demnach mit INFO 28 das letzte Heft erschienen. 
Der Bezug der INFOS war durch den Mitgliedsbeitrag abgegolten.
Frühere INFOS, von Nr. 3 an,  sind noch lieferbar. Der Bezug über die Redaktion, siehe unter "Anschriften".  
Von
Nicht-Mitgliedern wird eine Schutzgebühr von € 5 erhoben. 
        
Umwidmung 

In der Bundesrepublik Deutschland kann man erst nach einer formellen Austrittserklärung (Amtsgericht/Standesamt) über seine Kirchensteuergelder eigenständig verfügen. Die Mitglieder des Vereins plädieren dafür, diesen Schritt zu tun und zwar ruhigen Gewissens. Sie befinden sich in Übereinstimmung mit den Kirchen selbst. Nach deren alter und völlig unstrittiger Lehre kann die Zugehörigkeit zur Kirche, die mit der Taufe beginnt, nicht beendet werden, erst recht nicht durch einen Rechtsakt vor einer staatlichen Behörde, vgl. auch die jüngsten Äußerungen des Vatikans.

Trotz der Unmöglichkeit der ´Umwidmung´ haben wir diesen Begriff in den Vereinsnamen aufgenommen. Er soll provozieren und er tut es auch. Denn alle "Umwidmer" dokumentieren, dass man schon jetzt die Zukunft vorwegnehmen und über seine Kirchensteuergelder selbst verfügen kann. 

Kirchliche ArbeitnehmerInnen sollten sich der Konsequenzen des sog. Kirchenaustritts bewusst sein. Die Kirchenleitungen sehen über viele "Fehler" hinweg, den Entzug der Kirchensteuer ahnden sie jedoch gnadenlos mit fristloser Kündigung - eine Praxis, die weder vom Kirchenrecht gedeckt ist noch den eigenen, von ihnen selbst proklamierten Werten entspricht.